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Anlagestrategie : Anleihen- und Aktienkurse können zur gleichen Zeit fallen

Bild: F.A.Z.

Mit dem richtigen Mix aus Anleihen und Aktien kann nichts passieren. So nicht richtig, sagt das Bankhaus Metzler und propagiert Alternativen.

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          Das Frankfurter Bankhaus Metzler gleicht einem Sonnensystem mit zwei großen und mehreren kleinen Planeten. Das Bemerkenswerte: Die beiden großen Planeten scheinen in entgegengesetzter Richtung um ihr Muttergestirn zu kreisen: Während in der Abteilung für Privatkunden die Anlagestrategie ausschließlich auf Aktien, Anleihen und Geld beruht, finden in der Abteilung für institutionelle Kunden weitere Finanzprodukte Anwendung.

          In dieser Woche präsentierte die Abteilung für institutionelle Kunden Überlegungen für eine Anlagestrategie in einer Zeit, in der sich eine mehr oder weniger schnelle Abkehr der Geldpolitik in den Industrienationen von ihrem sehr expansiven Pfad der vergangenen Jahre ankündigt.

          Für die Experten von Metzler droht nun nicht nur eine Phase, in der die Renditen für herkömmliche Wertpapiere wie Aktien und Anleihen generell niedriger sein dürften als in den vergangenen Jahrzehnten. Vor allem drohe eine Phase, in der die traditionelle Vorstellung, nach der eine Kombination von Aktien und Anleihen Risiken ohne bedeutende Renditeeinbußen reduziere, nicht mehr gelte.

          Überschätzte Diversifikation

          Edgar Walk, der Chefökonom von Metzler Asset Management, präsentierte eine interessante Grafik über die langfristige Entwicklung der amerikanischen Kapitalmärkte. Sie zeigt nicht nur, dass in Zeiten steigender Zinsen Anleihen wegen der Kursverluste Kummer bereiten können.

          Etwa ab einem Leitzins von 4 Prozent nimmt die Gefahr zu, dass dann auch die Aktien schlecht rentieren. Auf diesem Leitzinsniveau befinden sich die Vereinigten Staaten noch nicht, aber an den Finanzmärkten ist die Ansicht weit verbreitet, dass der Leitzins weiter steigen wird.

          Spätestens dann aber wird die von der Privatkundenabteilung von Metzler hochgehaltene Kombination von Aktien und Anleihen aus der Sicht der Abteilung für institutionelle Kunden fragwürdig. „Mischfonds aus Aktien und Anleihen sind in den vergangenen Jahren gut gelaufen“, sagte Rainer Matthes, der leitende Anlagestratege von Metzler Asset Management. „Das wird aber nicht so bleiben.“ Die Ertragserwartungen für diese Wertpapiere würden zurückgehen. Zudem: „Der Diversifikationseffekt einer Kombination von Aktien und Anleihen wird maßlos überschätzt.“

          Mehr Tempo bei Absolute Return

          Aus der Sicht von Matthes sollten Anleger daher darangehen, ihre Bestände von Aktien und Anleihen um zusätzliche Renditequellen zu erweitern, die überdies wenig mit der Entwicklung von Aktien und Anleihen verbunden sind. Auf diese Weise soll eine breitere Streuung von Risiken erreicht werden.

          Was Metzler Asset Management empfiehlt und seinen Kunden anbietet, haben auch andere Finanzhäuser in ihrem Programm: Es handelt sich um sogenannte Absolute-Return-Strategien, mit denen Banken und Fondsgesellschaften institutionelle Kunden umwerben. Nach allem, was zu hören ist, existiert in Deutschland bei vielen Kunden ein grundsätzliches Interesse, aber nicht gleich eine Bereitschaft, sich auf solche Konzepte einzulassen.

          Daher will auch Metzler nicht zu sehr auf das Tempo drücken. „Anlass für ein überstürztes Handeln der Anleger gibt es nicht, wohl aber Grund genug, die Aufteilung des Kapitals auf unterschiedliche Anlageklassen zu prüfen“, sagt Christoph Sporer, der bei Metzler Asset Management diese Strategien verantwortet.

          Unter dem Begriff „Absolute Return“ werden heute an den Finanzmärkten sehr unterschiedliche Strategien verstanden, von denen viele mit Hilfe regelgebundener Strategien an Terminmärkten umgesetzt werden. Im Hause Metzler hat man jeweils zwei Strategien für ruhige und für unruhige Zeiten an den Kapitalmärkten ausgewählt.

          Zu den Strategien, die in ruhigen Zeiten als attraktive Ertragsbringer gelten, zählt die seit den Turbulenzen der vergangenen Wochen vieldiskutierte Volatilität. Hier geht es darum, dass Anleger künftige und heute in ihrem Ausmaß noch nicht bekannte Kursschwankungen an Wertpapiermärkten kaufen oder verkaufen können.

          Wer sie verkauft, sichert meist einen Wertpapierbestand ab und ist bereit, dafür eine Art Prämie zu zahlen. Wer die Volatilität kauft, erhält die Prämie. Unter anderem im Angebot befinden sich auch Anlagestrategien, die darauf bauen, bestehenden Trends zu folgen.

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