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Geldanlage in Aktien : Anleger wetten auf Neustart von General Electric

  • -Aktualisiert am

Der GE-Aktienkurs stand schon höher. Bild: AP

Viele Börsianer glauben mittlerweile an eine geschäftliche Erholung des angeschlagenen Siemens-Konkurrenten General Electric. Der Aktienkurs an der New Yorker Börse spiegelt es wider.

          An der Wall Street scheint der Niedergang der amerikanischen Industrie-Ikone General Electric (GE) vorerst gestoppt. Nach heftigen Kursverlusten in den vergangenen Jahren und dem Rauswurf aus dem Dow-Jones-Index hat sich der Aktienkurs des Siemens-Konkurrenten in diesem Jahr wieder deutlich erholt. Die GE-Aktienkurse sind seit Anfang Januar um 40 Prozent gestiegen – fast viermal so stark wie der Dow Jones, in dem die 30 wichtigsten amerikanischen Unternehmen abgebildet sind. Auf Sicht der vergangenen drei Jahre liegt GE allerdings weiter klar in Rückstand. Der Dow hat in diesem Zeitraum fast 50 Prozent an Wert gewonnen. Die GE-Aktien haben sich dagegen um fast 70 Prozent ermäßigt.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die Wende hatte sich Mitte Dezember angekündigt, als der einflussreiche Aktienanalyst Steve Tusa von der Bank JP Morgan angesichts der bis dahin heftigen Kursverluste seine negative Meinung zu GE etwas relativierte. Tusa nahm seine Verkaufsempfehlung zurück und unterstellte GE in Zukunft eine „marktneutrale“ Entwicklung. Zudem strich seine Bank GE von der Liste der Aktien, für die JP Morgan ihren Kunden Wetten auf fallende Kurse nahelegt.

          Tusas Wort hat besonderes Gewicht, weil er als Erster den Niedergang von GE prognostiziert hatte. Er stellte vor knapp drei Jahren als einziger Analyst korrekt die Gewinnprognosen und später auch die Dividende von GE in Frage. Damals wurden die Titel noch zu mehr als 30 Dollar gehandelt. Auch nach der kräftigen Erholung notieren GE-Aktien aktuell nur um rund 10 Dollar.

          Optimistischere Analysten und Börsianer wetten nun auf eine geschäftliche Erholung unter dem seit Oktober amtierenden neuen Vorstandschef Lawrence Culp. Für Begeisterung an der Börse sorgte Ende Februar der Verkauf des GE-Biotechnologiegeschäfts an den Mischkonzern Danaher, dessen Vorstandsvorsitzender Culp einst war. Der Verkauf bringt GE mehr als 21 Milliarden Dollar in die Kasse und dürfte bei der geplanten Reduzierung von Schulden helfen. Das Biotech-Geschäft ist ein sehr profitabler Teil der Medizintechniksparte von GE, die möglicherweise abgespalten und als eigenständiges Unternehmen an die Börse gebracht wird.

          GE hat schwere Zeiten hinter sich

          Der Verkauf macht GE nach Einschätzung von Analysten flexibler bei der laufenden Umstrukturierung des Konzerns und lindert die Sorgen von Anlegern, die eine Liquiditätskrise fürchteten. „Wir haben eine bessere Grundlage, damit Leute uns nicht als verzweifelten Verkäufer sehen“, sagte Culp. GE-Kritiker wie John Inch von der Analysegesellschaft Gordon Haskett glauben allerdings, dass Culp das Biotechnologiegeschäft zu billig abgegeben hat. „Das ist einfach der Verkauf von Kronjuwelen zu einer leicht unterdurchschnittlichen Bewertung, um Schulden zu tilgen“, sagte Inch.

          GE hat schwere Zeiten hinter sich. Das schleppende Geschäft in der Kraftwerkssparte und Verluste in der Finanzsparte GE Capital resultierten in den vergangenen Jahren neben dem Ausscheiden aus dem Dow in zwei Chefwechseln, einem Schrumpfkurs und schließlich in der Kürzung der Dividende, eine Sparmaßnahme, die für viele amerikanische Privatanleger lange Jahre undenkbar schien.

          GEN. ELECTRIC

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          Der auf den berühmten Erfinder Thomas Edison zurückgehende Konzern war einst das wertvollste amerikanische Unternehmen und produzierte von Glühbirnen über Kernspintomographen bis zu Lokomotiven und Fernsehserien ein ganzes Sammelsurium von Produkten. Zukünftig will sich GE nur noch auf Kraftwerksturbinen, Flugzeugmotoren und erneuerbare Energien konzentrieren. Culp hat außerdem den Umbau der Kraftwerksparte angekündigt, wo GE wie Siemens unter nachlassender Nachfrage nach Turbinen für traditionelle Kraftwerke leidet.

          Analysten sind verhalten

          GE kämpft zudem mit technischen Problemen einer neuen Generation von Gasturbinen. Auch Altlasten aus dem mittlerweile stark verkleinerten Finanzgeschäft schwächen den Konzern. Obwohl GE seine Versicherungssparte bereits 2006 abgespaltet hatte, garantiert der Konzern weiter Pflegeversicherungen, welche die Bilanz wegen steigender Gesundheitskosten und höherer Lebenserwartung der Kunden belasten. GE rechnet damit, in den kommenden Jahren rund 15 Milliarden Dollar in das Geschäft pumpen zu müssen. Andrew Obin, ein Analyst der Bank of America, geht aber davon aus, dass diese Verbindlichkeiten mittelfristig „wahrscheinlich unter Kontrolle“ sind.

          Die Optimisten an der Börse setzen auf einen langfristigen Erfolg von Culps Strategie. Zwar rechnet GE im laufenden Jahr für das operative Geschäft noch mit einem Kapitalabfluss von 2 Milliarden Dollar. Ab 2020 soll der sogenannte Cash flow aber wieder positiv sein. Culp versprach in einer Telefonkonferenz mit Analysten „deutlich bessere“ Geschäftsergebnisse in den kommenden Jahren. GE wird im laufenden Jahr 2,5 Milliarden Dollar in Umstrukturierungen investieren, und Culp sprach von einem „Neustart“, ein Begriff, der von vielen Analysten positiv aufgenommen wurde.

          JP-Morgan-Analyst Tusa blieb skeptisch, sprach von „unzähligen Versprechungen“ für die kommenden Jahre und beließ sein Kursziel für die GE-Aktien auf 6 Dollar, also unter dem aktuellen Niveau. „Die Hinweise von GE hatten einen optimistischen Ton, aber wir sehen nicht viel Greifbares, um unsere Meinung zu ändern“, resümierte Tusa.

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