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Basis-Wissen für Anleger : So funktioniert der Anleihenmarkt

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Je höher das Risiko, desto höher die Rendite einer Anleihe. Bild: AFP

Weltweit schichten Investoren momentan Gelder aus Aktien in Anleihen um, vor allem in amerikanische Anleihen. Wie funktioniert der Markt?

          Der Streit über den italienischen Haushalt sorgt für Turbulenzen an den Anleihenmärkten. Sogar das Schreckgespenst einer europäischen Schuldenkrise 2.0 geistert herum. Die EU fordert von dem Land den Abbau seines hohen Schuldenberges. Die Regierung in Rom will dagegen mit zusätzlichen, auf Pump finanzierten Ausgaben die Konjunktur ankurbeln. „Die längerfristigen Aussichten für Italiens Schuldentragfähigkeit sind ungünstig zu beurteilen, sollten alle im Koalitionsvertrag vereinbarten Maßnahmen nach und nach umgesetzt werden“, sagt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank.

          Weltweit schichten Investoren momentan Gelder aus Aktien in Anleihen um, vor allem in amerikanische Anleihen. Wie funktioniert der Markt?

          Was ist eine Anleihe?

          Dabei handelt es sich um einen Kredit, bei dem zahlreiche Investoren einem Staat oder Unternehmen Geld zur Verfügung stellen. Wie ein Bankkredit werden Anleihen üblicherweise verzinst. Unverzinste Titel werden mit einem Preisabschlag auf den Nominalwert ausgegeben. Anleger erhalten dann bei der Fälligkeit mehr Geld zurück als sie bei der Emission gezahlt haben.

          Wie hängen Kurs und Rendite zusammen?

          Die Rendite errechnet sich aus der Verzinsung, dem sogenannten Kupon und dem Kurs. Kauft man beispielsweise eine Anleihe mit dem Nominalwert 100 Euro und einem Kupon von einem Prozent für 100 Euro, beträgt die Rendite ein Prozent. Kostet dieser Bond wegen hoher Nachfrage aber 101 Euro, reduziert sich die Rendite auf Null. Im Gegenzug steigt die Rendite, wenn der Kurs unter dem Nominalwert liegt, den ein Investor bei Fälligkeit des Papiers zurückerhält.

          Warum ist die Rendite so wichtig?

          Die Rendite ist ein Gradmesser dafür, wie Investoren die wirtschaftliche Gesundheit eines Staates oder Unternehmens einschätzen. Je höher für sie das Risiko eines Zahlungsausfall ist, desto höhere Renditen fordern sie. Die Gläubiger müssen dann entweder einen höheren Kupon bieten oder die Anleihen können nur mit Kursabschlägen verkauft werden.

          Eine wichtige Orientierungshilfe ist die Bonitätseinstufung durch Rating-Agenturen wie Standard & Poor’s (S&P). Einige große Investoren wie Lebensversicherer dürfen nur in Papiere investieren, die das Gütesiegel „Investment Grade“ tragen. Daher könnte eine Herabstufung italienischer Titel auf Ramsch-Status eine ausgewachsene Krise auslösen, warnt Nicola Mai, Portfoliomanager beim weltgrößten Anleihe-Investor Pimco. Die Rating-Agenture S&P, Fitch und Moody’s benoten diese Papiere mit „BBB“ und „Baa2“ - jeweils zwei Stufen über „Junk“-Niveau.

          Was ist ein Spread?

          Der Spread bezeichnet den Renditeabstand eines Bonds zu richtungsweisenden Titeln - sogenannten Benchmark-Anleihen - mit vergleichbarer Laufzeit. In Europa sind dies die Titel der Bundesrepublik Deutschland. Im Rest der Welt bezieht man sich auf die Treasury Bonds aus den Vereinigten Staaten. Der Spread wird in Basispunkten angegeben. Beträgt der Renditeabstand 100 Basispunkte, rentiert ein Titel einen Prozentpunkt höher als die vergleichbare Benchmark-Anleihe. Der aktuelle Spread italienischer Titel von rund 300 Basispunkten passe eher zu Staaten, deren Anleihen als Ramsch eingestuft werden, erklärt Kaspar Hense, Portfoliomanager des Vermögensverwalters Bluebay.

          Welchen Einfluss haben Leitzinsen auf die Rendite?

          Anleiherenditen reagieren nicht eins zu eins auf Leitzins-Änderungen, sie orientieren sich aber an ihnen. Daher kann wie derzeit in den Vereinigten Staaten schon die Spekulation auf eine straffere Geldpolitik die Renditen in die Höhe treiben. Investoren verkaufen Papiere, weil sie darauf hoffen, sich bald mit neuen und mit einem höheren Kupon ausgestatteten Bonds eindecken können.

          Sind Anleihen eine sichere Anlage?

          Staatsanleihen gelten unter Investoren als „sicherer Anlagehafen“ - vor allem diejenigen starker Volkswirtschaften. Ein weiterer Faktor ist die Menge der gehandelten Bonds eines Landes. Je größer das tägliche Handelsvolumen, desto einfacher lassen sich die Papiere bei Bedarf zu Geld machen. In unsicheren Zeiten stecken sie Geld in Papiere aus Ländern wie den Vereinigten Staaten oder Deutschland. Zum einen sichern sie sich damit jährliche Zinszahlungen. Außerdem ist aus ihrer Sicht das Risiko einer Pleite bei diesen Staaten geringer als bei einem Unternehmen.

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