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Alternative Kapitalanlagen : Großanleger suchen ihr Heil in Energie

Investoren interessieren sich für Umwelt

Nach einer Untersuchung der französischen Bank BNP Paribas wollen die Vermögensverwalter und weitere professionelle Investoren in den kommenden zwei Jahren ihre Anlagen im Bereich Umwelt, soziale Entwicklung und gute Unternehmensführung verdoppeln. Diese Kriterien, die nach den englischen Begriffen Environment, Social, Governance mit ESG abgekürzt werden, beziehen schon 79 Prozent der Befragten in ihren eigenen Kapitalanlagen oder den von ihnen vertriebenen Produkten ein.

Gerade große Kapitalsammelstellen wie Versicherer oder Pensionsfonds suchen nach nachhaltigen Anlagen. Ihre festverzinslichen Anlagen haben ein Fälligkeitsprofil von im Schnitt 20 Jahren, so dass sie nachhaltige Kriterien berücksichtigen müssen. Das erklärt, warum der Markt für ökologisch nachhaltige Anleihen so rasant wächst. Diese Green Bonds dürften mittlerweile ein Volumen von 200 Milliarden Euro haben. Aber ihr Anteil am gesamtem Anleihemarkt in der Welt liegt nur bei 0,2 Prozent. Die Erlöse aus grünen Anleihen müssen die Emittenten für die Finanzierung ökologisch nachhaltiger Projekte verwenden.

Allianz ist Teil des Trends

Auch Vermögensverwalter setzen auf diese Entwicklung. So werden reihenweise nachhaltige Fonds aufgelegt. Ein Beispiel stammt von dem britischen Vermögensverwalter Aberdeen Standard Investments, dessen Global Impact Equity Fund nun in Europa zugelassen worden ist. Die Aktien wählt der Fonds anhand der 17 Kriterien der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung aus. Neben ökologischen Zielen steht auch die Bekämpfung von Armut im Blickpunkt. „Als Vermögensverwalter können wir eine wichtige Rolle spielen, um diese Probleme anzugehen“, sagte Euan Stirling, der für Aberdeen Standard Investments das Thema Nachhaltigkeit betreut.

Auch Europas größter Investor, die Allianz, ist Teil dieses Trends. Vor einem Investorentag im November 2015 kündigte der Versicherer überraschend an, sein Geld aus Investments herauszuziehen, die ihren Umsatz zu mehr als 30 Prozent aus der Kohleverbrennung ziehen. Im Alltag hat das kaum praktische Konsequenzen – sehr wohl aber die Entscheidung, wohin das Geld investiert wird. Von allen Anlageklassen war der Zuwachs im vergangenen Jahr am stärksten bei Infrastruktur-Fremdkapital (ein Plus von 85 Prozent auf 7,4 Milliarden Euro) und erneuerbaren Energien (ein Plus von 47 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro). Der Konzern strebt in den kommenden Jahren einen Anteil von alternativen Anlagen, die Immobilien, Infrastruktur, Beteiligungen und Energie umfassen, von 14 Prozent an. Von derzeit 100 Milliarden soll das Volumen auf 140 Milliarden Euro steigen.

„Wir sind mit unseren Windkraftinvestitionen sehr zufrieden“, sagt Axel Hoffmann vom Volkswohl Bund. „Aber wer nach uns kam, zahlte höhere Preise.“ In den Jahren nach 2011 habe ein gewisser Hype eingesetzt, nicht jeder Geldgeber habe die Zeit gehabt, Anlagen mit der notwendigen Expertise zu prüfen. Sein Unternehmen habe einen Anteil von 4 Prozent des Anlagevolumens in Erneuerbare und Infrastruktur investiert, daraus sollen in zwei bis drei Jahren 6 Prozent werden. Offshore-Windkraft komme wegen der schwer einzuschätzenden Korrosion nicht in Frage. Sein Haus habe deutlich mehr Expertise aufgebaut, aber ohne Unterstützung von Außen gehe es für ein Unternehmen seiner Größe nicht.

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