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Börse : Anleger hoffen auf Ende der Corona-Krise 

An der Frankfurter Börse geht es wieder etwas aufwärts. Bild: Börse Frankfurt

Der Dax steigt den zweiten Tag in Folge und liegt nun deutlich über 10.000 Punkten. Doch erste Zweifel an der guten Stimmung werden laut.

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          Die geringere Zahl von Neuinfizierten in Europa hat an den Aktienmärkten eine Rally ausgelöst. Der Dax gewann am Dienstag den zweiten Tag in Folge deutlich. Seit Anfang der Woche ist der wichtigste deutsche Aktienindex um fast 10 Prozent auf 10.469 Punkte gestiegen. Selbst in den vom Coronavirus immer stärker betroffenen Vereinigten Staaten keimt Hoffnung auf. Der Dow-Jones-Index war am Montag um 7,7 Prozent auf 22.680 Punkte gestiegen. Am Dienstag legte der Dow Jones im frühen Geschäft um knapp 2 Prozent zu. Dort scheine sich der Anstieg der Neuinfektionen abzuflachen, schrieb Volkswirt Marco Wagner von der Commerzbank.  

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo sieht für den besonders heftig vom Coronavirus getroffenen Bundesstaat Licht am Ende des Tunnels. Zwar sei die Zahl der in der Pandemie Gestorbenen in New York im Vergleich zum Vortag gestiegen, dies liege jedoch im Bereich der vergangenen Tage, hatte Cuomo am Montag während seiner täglichen Pressekonferenz gesagt. In Europa zeichnen sich erste Erfolge der Maßnahmen ab, mit denen die Pandemie eingedämmt werden soll. So will Österreich bald die Einschränkungen für die Bevölkerung und die Wirtschaft lockern. Nachdem in der ganzen Welt die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen kaum noch gestiegen ist und sich in Deutschland die Kurve der Neuinfektionen abzuflachen beginnt, wird auch hierzulande über eine Exit-Strategie verstärkt diskutiert.  

          Die Aktienbörsen bewegen sich nach Ansicht von Carsten Mumm, Chefvolkswirt der Bank Donner & Reuschel, derzeit zwischen Hoffen und Bangen. Da die volkswirtschaftlich relevanten Daten zu den Auswirkungen der Produktionseinschränkungen erst Ende April veröffentlicht werden, erwartet er für die Anleger einen schnelleren Eindruck durch die am 21. April mit dem Technologiekonzern SAP startende Berichtssaison der Dax- und M-Dax-Unternehmen. Dann erst werde sich zeigen, ob die bisherigen Warnungen vor einbrechenden Gewinnen ein realistisches Bild der tatsächlichen Umsatz- und Ertragseinbrüche abgeben. „Zudem wird sich abzeichnen, ob die Unternehmen bereits Licht am Ende des Corona-Krisen-Tunnels erkennen können und einen einigermaßen belastbaren Ausblick auf die kommenden Quartale abgeben können“, erwartet Mumm.  

          Noch zu früh für eine Erholung?

          Die gegenwärtige Aktienrally ruft aber auch skeptische Töne hervor. Zweifel äußerte Esty Dwek, Chefanlagestratege des französischen Vermögensverwalters Natixis Investment Managers. „Die Märkte unterschätzen gegenwärtig, dass die Eindämmung des Virus längere Zeit in Anspruch nehmen und der Weg zurück zur Normalität nicht einfach sein wird“, schrieb er am Dienstag. Die Erkenntnis, dass die wirtschaftliche Erholung langsamer vonstattengehen werde als erwartet, könnte durchaus noch einmal für Rückschläge sorgen. Eine nachhaltige Erholung an den Märkten braucht nach Ansicht von Dwek fortgesetzte positive Nachrichten und Impulse. Angesichts zahlreicher, weiter existierender Fragezeichen scheine es dafür noch zu früh.

            

          Für Paul Donovan, Chefvolkswirt von UBS Wealth Management, werden die Märkte gegenwärtig mehr durch Stimmungen als von volkswirtschaftlichen Fakten getrieben. Auch er vermisst derzeit noch eine klare Datenlage zu den Auswirkungen der Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung der Pandemie. Für Donovan stehen zwei Fragen im Vordergrund: Erstens, wann erreichen die Angst vor dem Corona-Virus und die politischen Gegenmaßnahmen ihren Höhepunkt. Und zweitens, wie groß sind die Schäden für die Wirtschaft aufgrund der Einschränkungen, weil diese das Tempo der Erholung danach bestimmen.

          „Anleger sollten sich nicht allzu sehr entspannen“

          Warnungen kamen auch von Charttechnikern wie zum Beispiel Andreas Büchler vom Analysehaus Index-Radar. Er sprach von einer Bärenmarktrally, also einer kräftigen Erholung in einem weiterhin intakten Abwärtstrend. Die Erholung des Dax nach den jüngsten Verlusten sei keine Überraschung. „Doch Anleger sollten sich nicht allzu sehr entspannen, denn die nächste Verkaufswelle bleibt nur eine Frage der Zeit“, sagte Büchler.  

          Gefragt waren am Dienstag Aktien aus der Luftfahrtindustrie und der Reisebranche. Der Aktienkurs des britischen Billigfluganbieters Easyjet sprang in London zeitweise um bis zu 26 Prozent nach oben. Der Titel des British-Airways-Konzerns IAG gewann fast 17 Prozent im Wert. Die Aktien der Lufthansa verzeichneten einen Kursgewinn von bis zu knapp 9 Prozent. Europas größte Hotelkette Arcor sorgte für Zuversicht, da nach der Krise alle geschlossenen Hotels wieder geöffnet werden sollen. Der Aktienkurs von Arcor stieg in Paris um bis zu knapp 10 Prozent. 

          Ähnlich ging es für die Papiere des Flugzeugherstellers Airbus nach oben. Airbus hatte zwar mitgeteilt, die Produktion wegen der Corona-Krise in drei weiteren Werken zu unterbrechen. Dazu gehören das Werk im amerikanischen Bundesstaat Alabama sowie Teile fertigende Standorte in Bremen und Stade. Analyst Sandy Morris von Jefferies sieht darin keine gute Nachricht, aber dennoch eine gewisse Erleichterung. Die bisher ergriffenen Maßnahmen seien weniger schlimm als von ihm noch vor rund drei Wochen befürchtet. Die Aktien des Triebwerkherstellers MTU Aero Engines führten am Dienstagnachmittag die Gewinnerliste im Dax an. Der Kurs erhöhte sich um knapp 9 Prozent.

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