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Immobilienaktien unter Druck : Anleger fürchten Berliner Mietendeckel

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Diese demonstrierenden Hochhäuser wollen mehr Staat. An der Börse ist das Thema Mietendeckel in Berlin auch angekommen. Bild: dpa

Die Debatte um das Thema Wohnen in Berlin ist aufgeheizt und erreicht nun auch die Börsen und den Dax. Immobilienaktien müssen am Donnerstag herbe Einbußen hinnehmen.

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          Anleger reagieren verschreckt auf Pläne zu einem Mietendeckel in Berlin. Immobilienaktien gehörten am Donnerstag zu den größten Verlierern am deutschen Aktienmarkt. Mit mehr als vier Prozent Minus stand Vonovia am Dax-Ende, die Papiere der Deutschen Wohnen verloren sogar mehr als 9 Prozent, auch andere Firmen wie LEG Immobilien, Adler Real Estate, Ado Properties und Aroundtown gehörten zu den Verlierern.

          Das Vorhaben der Berliner Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) schaffe Unsicherheit, sagte Andre Remke, Immobilienexperte bei Baader Helvea Equity Research. „Diese Unsicherheit wird einige Zeit anhalten, solange keine Entscheidung getroffen wird, ob der Vorschlag wirklich eine Chance hat, in ein Gesetz übernommen zu werden.“

          Die Pläne, die am 18. Juni dem Berliner Senat vorgelegt werden sollen, sehen ein Verbot von Mieterhöhungen für fünf Jahre vor. Bei Neuvermietungen darf die Miete höchstens so hoch sein wie beim Vormieter. Zu hohe Mieten sollen abgesenkt werden. Auch Modernisierungen sollen künftig beschränkt werden. Wollen Vermieter die Kosten dafür auf die Mieter umlegen, brauchen sie eine Genehmigung, wenn die Miete dadurch um mehr als 50 Cent je Quadratmeter steigt. Vermietern, die sich nicht an die Regeln halten, droht eine Strafe von 500.000 Euro. Das Gesetz soll ab 2020 gelten.

          Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen erklärte, er halte einen Mietendeckel mit den vorliegenden Eckpunkten für verfassungsrechtlich höchst bedenklich. Angesichts schwarzer Schafe auf dem Mietwohnungsmarkt könnten Anpassungen des Mietrechts sinnvoll sein. „Wesentlich fokussierter als ein Mietendeckel wären hier aber beispielsweise ein Erschweren der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen, ein Kündigungsschutz für Seniorinnen und Senioren, mehr Schutz vor Luxusmodernisierungen oder höhere Hürden für Eigenbedarfskündigungen.“ Der Immobilienkonzern Vonovia forderte einen verstärkten Neubau bezahlbarer Wohnungen. „Die Sorgen der Menschen vor steigenden Mieten müssen wir ernst nehmen und handeln“, teilte das Unternehmen mit.

          „Das hat mit Marktwirtschaft nichts zu tun“

          Die Deutsche Wohnen wäre von derartigen Plänen am stärksten betroffen. Das Unternehmen ist der größte private Vermieter in der Hauptstadt. Es verfügt nach eigenen Angaben allein in Berlin und im Umland über 116.000 Wohnungen und Gewerbeeinheiten und verlangt dafür eine Miete von 6,75 Euro je Quadratmeter. Deutsche Wohnen war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

          Anleger sollten auf die Aktie von Deutsche Wohnen im eigenen Depot ein Auge haben. Nachdem die Aktie von Deutsche Wohnen Ende Mai ein Zwei-Monats-Hoch bei 43 Euro markierte, wechselten die Notierungen in den Konsolidierungs-Modus. Dabei konnte der Kurs die bei 41,80 Euro verlaufende 200-Tage-Linie zunächst aber verteidigen.

          DT. WOHNEN

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          Am Donnerstag wurde dieser gleitende Durchschnitt mit einem kräftigen Kursverlust ( minus 9 Prozent) nach unten durchbrochen, womit die Aktie wieder in den Abwärtstrend gewechselt hat. Sollte als Nächstes auch noch die Unterstützung bei 38 Euro unterboten werden, eröffnet sich weiteres Korrekturpotenzial bis zum 2018er-Jahrestief bei rund 32 Euro.

          Nicht nicht nur das Papier von Deutsche Wohnen könnte für Anleger unattraktiv werden. „Wenn Berlin Schule machen würde, hätte ich als Immobilieninvestor Bedenken, dass andere Städte nachziehen“, sagte ein Aktienexperte. „Das hat mit Marktwirtschaft nichts zu tun und ignoriert, dass die Niedrigzinspolitik der EZB die Triebfeder des Immobilienbooms ist.“ Die Lage am Wohnungsmarkt ist besonders in Metropolen wie Berlin, Frankfurt und München angespannt.

          Die Preise für Eigentumswohnungen und Mieten sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen und haben sich zum Teil verdoppelt. Um bezahlbaren Wohnraum zu sichern, gilt bundesweit eine Mietpreisbremse. Die Berliner Vorschläge reichen darüber jedoch hinaus. Auch in anderen Bundesländern werden Rufe nach einem stärkeren Mieterschutz laut. So fordert die Linke in Hamburg und Hessen einen Mietendeckel, in Bayern wurde der Startschuss für ein Volksbegehren dazu gegeben.

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