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Neuausrichtung des Konzerns : Viel Phantasie bei Thyssen-Krupp-Aktie

  • Aktualisiert am

Nun ehemaliger Thyssen-Krupp-Chef: Heinrich Hiesinger Bild: EPA

Die Rücktrittsankündigung von Konzern-Chef Heinrich Hiesinger verleiht der Aktie von Thyssen-Krupp am Freitag Rückenwind. Der Titel ist der größte Gewinner im Dax. Manch Analyst traut der Aktie nun viel zu.

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          Der Industriekonzern Thyssenkrupp kommt nicht zur Ruhe. Ausgerechnet in einer entscheidenden Phase des Konzernumbaus wirft der langjährige Chef Heinrich Hiesinger das Handtuch. Er habe den Aufsichtsrat um die Vertragsauflösung gebeten, wie der Dax-Konzern am Donnerstagabend nach Börsenschluss mitteilte. Die überraschende Ankündigung erfolgt nur wenige Tage nachdem der Manager nach langem Tauziehen die Fusion des Stahlgeschäfts mit dem europäischen Geschäft von Tata Steel unter Dach und Fach gebracht hatte.

          Der Aufsichtsrat will über Hiesingers Wunsch an diesem Freitag entscheiden. Erste Befürchtungen um eine Zerschlagung des Konzerns machen nun die Runde. Dem Rücktrittsgesuch voraus gegangen war ein anhaltender Konflikt insbesondere mit dem Finanzinvestor Cevian, dem zweitgrößten Aktionär von Thyssen-Krupp, über die weitere Ausrichtung des Konzerns. Cevian gab zur Entscheidung Hiesingers zunächst keine Stellungnahme ab. Die Aktie reagierte mit deutlichen Kursgewinnen und legte zu Handelsbeginn um bis zu 6,6 Prozent auf 22,90 Euro zu. 

          THYSSENKRUPP

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          „Die Aussicht auf einen neuen Chef bringt erst einmal Phantasie in die Aktie“, sagte ein Händler. Einige Investoren hofften darauf, dass der Konzern weiter umgebaut und auf mehr Effizienz getrimmt werde. Die Thyssen-Aktien haben seit Jahresbeginn mehr als elf Prozent verloren, der Dax kommt auf ein Minus von 3,5 Prozent. Das Analysehaus Jefferies hat derweil die Einstufung für Thyssenkrupp  angesichts der beabsichtigten Abschieds von Konzernchef Heinrich Hiesinger auf „Buy" mit einem Kursziel von 33 Euro belassen.

          Stahlfusion ein wesentlicher Schritt im Konzernumbau

          „Ich gehe diesen Schritt bewusst, um eine grundsätzliche Diskussion im Aufsichtsrat über die Zukunft von Thyssenkrupp zu ermöglichen“, erklärte Hiesinger nun. Ein gemeinsames Verständnis von Vorstand und Aufsichtsrat über die strategische Ausrichtung des Unternehmens sei Voraussetzung für eine erfolgreiche Unternehmensführung, fügte er hinzu. Die breite Unterstützung der Aktionäre und im Aufsichtsrat sei Grundlage für den Erfolg der strategischen Weiterentwicklung des Konzerns seit 2011 gewesen.

          Damit signalisierte der Manager, dass es daran zuletzt gefehlt haben dürfte. Medienberichten zufolge hatten zwei Aufsichtsräte gegen die Stahlfusion gestimmt, unter ihnen Cevian. Zudem gab es eine Enthaltung. Die „Rheinische Post“ schrieb am Freitag, Hiesinger habe zudem den Rückhalt der Thyssenkrupp-Stiftung, mit 21 Prozent größter Anteilseigner, vermisst, die zwar für die Stahlfusion stimmte, jedoch Hiesinger nicht genügend den Rücken gestärkt haben soll.

          Für Hiesinger war die Stahlfusion ein wesentlicher Schritt im Umbau des Unternehmens. Danach wollte der Manager den Konzern auf die Industriegeschäfte wie Aufzüge, Komponenten für die Automobilindustrie und den Anlagenbau konzentrieren. Bislang gilt Thyssenkrupp als kompliziertes Geflecht aus einer ganzen Reihe verschiedener Geschäfte. Bis Mitte Juli wollte Hiesinger dem Aufsichtsrat seine Pläne präsentieren. Zu erwarten waren dabei jedoch keine weiteren fundamentalen Schritte.

          Einigen Anteilseignern - allen voran Cevian - geht der Umbau nicht rasch und vor allem nicht radikal genug voran. In immer schnellerer Abfolge kritisierte Cevian öffentlich den seiner Ansicht nach zögerlichen Kurs Hiesingers und sympathisiert offen mit einer Zerschlagung des Konzerns. Im Frühjahr stieg zudem der aktivistische amerikanische Investor Paul Singer mit seinem Hedgefonds Elliott bei Thyssenkrupp ein und kritisierte den Kurs Hiesingers scharf. Elliott ist bekannt dafür, sich in die Geschäftspolitik der Unternehmen einzumischen.

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