https://www.faz.net/-gv6-95xsd

Anlegen wie die Großen : So machen’s die Pensionskassen

Sorgenfreier Ruhestand: Dänische Rentner genießen in Skagen den Blick aufs Meer. Bild: Gerald Haenel/laif

Die Zinsen sind niedrig – wie erwirtschaftet man trotzdem hohe Renditen? Pensionskassen stehen vor dem gleichen Problem wie viele Anleger. Was tun sie?

          Die Einrichtungen zur Altersvorsorge stehen enorm unter Druck. Die Lücken zwischen Garantien und Vermögen werden immer größer. Diese Unterdeckung europäischer Pensionswerke stand auch im Mittelpunkt der Mitte Dezember von der EU-Versicherungsaufsicht Eiopa veröffentlichten Prüfungsergebnisse. Sie dokumentieren die aus dem Niedrigzinsumfeld entstehende Schieflage.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie es anders geht, zeigen die Versorgungseinrichtungen aus Skandinavien. Es gibt den staatlichen Ölfonds aus Norwegen, der eine Aktienquote von 70 Prozent aufweist und daneben auch sehr stark in Immobilien investiert. Und es gibt den dänischen Pensionsfonds ATP, der in den vergangenen 20 Jahren eine durchschnittliche Rendite von fast 9 Prozent erzielt hat. Das ist sogar besser als der norwegische Staatsfonds, der seit dem Jahr 1998 eine durchschnittliche jährliche Bruttorendite von 5,9 Prozent erzielt hat.

          Die Stresstests der EU-Versicherungsaufsicht haben für die 195 geprüften Einrichtungen schon im gegenwärtigen Umfeld eine Unterdeckung von 349 Milliarden Euro aufgezeigt. Das ist die Differenz zwischen künftigen Verpflichtungen und dem vorhandenen Vermögen. Kommt es zu einem Börsencrash, dann befürchten die Aufseher sogar ein Loch von 702 Milliarden Euro. Gleichwohl muss hinzugefügt werden, dass die Stresstests der Aufseher die tatsächliche Lage bewusst überzeichnen, um den Druck auf die Verantwortlichen in den Versorgungseinrichtungen zu erhöhen. Doch haben schon einige deutsche Pensionskassen wie zum Beispiel der Beamtenversicherungsverein (BVV), der für die Betriebsrenten der Bankmitarbeiter zuständig ist, schon umgesteuert und ihre Zusagen für künftige Ansprüche gesenkt.

          Pensionskassen können langfristig anlegen

          Das erinnert an die Lage der Lebensversicherer, die ebenfalls ihre großzügigen Zinsversprechen einkassiert haben. Ähnlich wie die Lebensversicherer müssen die Versorgungseinrichtungen stets die unmittelbaren Zahlungsverpflichtungen erfüllen und diese in der Anlage berücksichtigen. Das schränkt die Möglichkeiten ein. Doch die Pensionskassen haben einen Vorteil: Sie müssen das Geld weniger liquide als die Lebensversicherer anlegen, da selten jemand eine Betriebsrente kündigt. Das lässt zum Teil auch langfristige Strategien in der Kapitalanlage zu.

          Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat die Pensionsfonds schon „in Manndeckung“ genommen. Der dafür zuständige Bafin-Exekutivdirektor Frank Grund hält es für unabdingbar, dass die Löcher gestopft werden. Dafür müssten auch die Unternehmen als Arbeitgeber und deren Aktionäre einstehen. Hinzu kommen größere Anforderungen bezüglich der Kapitalanlage. Risiken müssen eingegangen und beherrscht werden. Dazu zählen nicht nur Aktien, sondern auch illiquide Anlagen wie Immobilien, erneuerbare Energien, Infrastruktur oder Unternehmensbeteiligungen (Private Equity).

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Fridays for Future“-Demonstration vom vergangenen Freitag in Berlin

          „Fridays for Future“ : Glaube an die eigene Macht

          Eine Studie zeigt, wie die Demonstranten der „Fridays for Future“-Proteste ticken. Was ihre Motive sind, welchen sozialen Hintergrund sie haben – und für welche Parteien sie stimmen würden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.