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Wechsel in Anlagestrategie : Fondsmanager werden wieder vorsichtiger

Bulle vor der Frankfurter Börse: Er steht für steigende Kurse an den Aktienmärkten. Bild: Braunsch?l, Michael

Große institutionelle Anleger halten mehr liquide Mittel in ihren Portfolios. Zudem setzen sie nun stärker auf werthaltige und zyklische Aktien. Doch ihre Zuversicht ist groß.

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          Die vielbeschworene Jahresendrally scheint 2017 auszubleiben. Ein Aktienindex wie der Dax hat in diesem Jahr rund 14 Prozent auf aktuell etwa 13200 Punkte zugelegt. Doch nicht nur diesem Index scheint auf den letzten Metern des Jahres etwas die Puste auszugehen. Denn der Dax lag im November schon 300 Punkte oder 2 Prozent höher als derzeit. So kurz vor dem Jahresende schließen gleichwohl die großen Investoren langsam ihre Bücher oder haben dies schon längst getan.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dabei achten viele institutionelle Anleger derzeit wieder stärker auf die Sicherheit der ihnen anvertrauten Gelder, als sie es noch im November getan haben. Ein Großteil ist zwar immer noch der Ansicht, dass das Marktumfeld nicht besser sein könnte. Und dennoch haben viele Investoren ihre liquiden Mittel in den Portfolios zuletzt wieder aufgestockt. Dies ergibt jedenfalls die jüngste Umfrage unter Fondsmanagern auf der ganzen Welt von Bank of America Merrill Lynch.

          Durchschnittliche Barmittel gestiegen

          In den Portfolios der befragten Fondsmanager nehmen die durchschnittlichen Barmittel aktuell einen Anteil von 4,7 Prozent ein – nach noch 4,4 Prozent vor einem Monat. Das war damals allerdings auch der niedrigste Wert seit 2013. Der aktuelle Anstieg sei der erste binnen vier Monaten, stellen die Fachleute von Bank of America Merrill Lynch fest. Damit liegen die liquiden Mittel zudem auch wieder oberhalb des Zehn-Jahres-Durchschnitts von 4,5 Prozent.

          In der Mehrheit wähnen sich die Fondsmanager weiterhin in einem idealen Marktumfeld mit hohen Wachstumsraten und einer nur geringen Inflation in den kommenden zwölf Monaten – ein „Goldilock“-Szenario. Dies sagen 54 Prozent der Befragten. Im Vormonat teilten mit 56 Prozent etwas mehr der Fondsmanager diese Einschätzung. Zurückgegangen ist auch der Anteil der Investoren, die glauben, dass sie höhere Risiken auf sich nehmen, als sie es normalerweise tun.

          Aktuell sagen dies von sich nur noch netto 11 Prozent der Befragten – um diesen Wert übersteigt der Anteil der Optimisten den der Pessimisten. Als wichtigstes Marktrisiko gilt unter den befragten Fondsmanagern ein geldpolitischer Fehler der amerikanischen Notenbank Fed oder der Europäischen Zentralbank, gefolgt von einem Kursrutsch an den internationalen Anleihemärkten und einer Schuldenkrise in China. Sehr viele Fondsmanager halten Aktien für zu hoch bewertet, sind aber dennoch in dieser Anlageklasse weiterhin übergewichtet.

          Anleihemärkte überbewertet

          Immer mehr Investoren sind zudem der Ansicht, dass die Anleihemärkte überbewertet seien. Das sagen aktuell netto 83 Prozent der Befragten. Im Oktober lag der Anteil mit 85 Prozent jedoch schon einmal rekordhoch. Netto 8 Prozent der Investoren erwarten, dass die Renditekurve in den Vereinigten Staaten im kommenden Jahr flacher wird, sich also kurzfristige und längerfristige Anleihen in ihren Renditen ähnlicher werden. Dies sei der höchste Wert seit 18 Monaten, heißt es von Bank of America Merrill Lynch.

          Zwei Drittel der Befragten glauben, dass eine Steuerreform in den Vereinigten Staaten im kommenden Jahr höhere Anleiherenditen und auch steigende Aktienkurse mit sich bringen würde. Wann die Aktienmärkte im nächsten Jahr aber ihr Hoch erreichen werden, darüber scheiden sich die Geister. Ein Viertel der Befragten rechnet damit, dass es im ersten Quartal so weit sei. Rund 30 Prozent erwarten dies im zweiten Quartal, und fast ebenso viele setzen auf das zweite Halbjahr 2018.

          Unter den einzelnen Branchen werden Banken, Technologie- und Industriewerte sowie Versicherer und zyklische Konsumwerte favorisiert. Vermieden werden dagegen Telekommunikationstitel, Versorger und nichtzyklische Konsumwerte. Die am wenigsten beliebteste Region bleibt Großbritannien. Auf einen steigenden Bitcoin-Kurs zu setzen ist die beliebteste Handelsstrategie. Ein Drittel der Fondsmanager tut dies. Befragt wurden 203 Vermögensverwalter, die auf der ganzen Welt zusammen rund 558 Milliarden Dollar verwalten.

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