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Anlagenbauer aus Schwaben : Exyte strebt an die Börse

  • -Aktualisiert am

Firmensitz von Exyte in Stuttgart, als das Unternehmen noch M+W hieß. Bild: Picture-Alliance

Der Stuttgarter Anlagenbauer Exyte will mit einem Börsengang bis zu 1 Milliarde Euro erlösen. Die ehemalige M+W Group wäre das vierte Unternehmen, das noch in diesem Jahr aufs Parkett will.

          Der Anlagenbauer Exyte AG (vormals M+W Group) strebt noch dieses Jahr an die Börse in Frankfurt. Es solle ein „bedeutender Minderheitsanteil“ abgegeben werden, teilte das in Stuttgart ansässige Unternehmen mit, bei dem der österreichische Milliardär Georg Stumpf bislang Alleinaktionär ist.

          Dieser übernahm im Jahr 2009 das Ruder bei der M+W Group, einer früheren Jenoptik-Tochtergesellschaft, . Das Unternehmen baut Fabriken für die Halbleiterindustrie, Datencenter und Produktionsanlagen für die Pharmabranche. Es hat über 4800 Mitarbeiter und firmiert seit August unter dem Namen Exyte.

          Big Data als Wachstumstreiber

          Nach Angaben aus Finanzkreisen wird ein Börsenwert von 2,5 bis 3 Milliarden Euro angepeilt. Stumpf wolle 25 bis 30 Prozent abgeben. Der Vorstandsvorsitzende ist seit 2017 der frühere Linde-Chef Wolfgang Büchele. „Das Geld aus dem Börsengang kommt unserer Mutter zugute“, sagte er.

          Das Unternehmen profitiere vom wachsenden Bedarf an Halbleitern etwa für Datencenter, Internet-Medien oder auch für das autonome Fahren. „Big Data wird für uns ein großer Wachstumstreiber werden. Die Menge an Daten nimmt zu, und dazu benötigt man Halbleiter, um die Informationen zu speichern.“ Der Anlagenbauer schätzt das jährliche Wachstum der Halbleiterbranche auf 7,5 Prozent. „Dafür werden neue Fertigungsstandorte benötigt.“ Zu den Kunden von Exyte zählen Halbleiter-Konzerne wie ASML, Infineon und Micron.

          Dividenden von Anfang an

          „Wir finanzieren unser Wachstum aus dem Cashflow“, sagte Büchele, der auch Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft ist. Exyte-Eigentümer Stumpf will laut Reuters im Oktober Aktien für bis zu eine Milliarde Euro auf den Markt bringen.

          Federführende Institute bei dem Börsengang sind die Bank of America Merrill Lynch und UBS. Das mittelständische Unternehmen strebt im zu Ende gehenden Jahr einen Umsatz von über 3,5 (2017: 2,4) Milliarden Euro an. Im ersten Halbjahr seien es 1,7 Milliarden Euro gewesen. Der Auftragseingang summierte sich von Januar bis Juni auf 3 Milliarden Euro.

          Das um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis soll 2018 auf mehr als 160 (108) Millionen Euro steigen, nach sechs Monaten waren es 82 Millionen. Finanzkreisen zufolge will Exyte 25 bis 30 Prozent des Nettogewinns als Dividende ausschütten.

          Für künftiges Wachstum kann sich Büchele auch kleinere Zukäufe vorstellen, um vorhandene Geschäftsfelder abzurunden. Exyte strebt die Aufnahme im Prime Standard an. Somit wären es vier Parkettgänge in Frankfurt, die noch in diesem Jahr über die Bühne gehen sollen. Bislang waren der Online-Möbelhändler Westwing, der Elektroroller-Hersteller Govecs und der Bahn- und Lastwagen-Zulieferer Knorr-Bremse angekündigt.

          Gegründet wurde M+W im Jahr 1912 von Karl Meissner und Paul Wurst. In den sechziger Jahren wurde mit der Entwicklung der Reinraumtechnologie gestartet. Die ist heute noch wichtige Grundlage für den Bau der Halbleiterfabriken. Konkurrenten der Stuttgarter sind Unternehmen, die ihre Fabriken bauen, beispielsweise Samsung. Exyte ist in mehr als 20 Ländern aktiv. Kleines und aufwendiges Regionalgeschäft wurde aufgegeben.

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