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Anlageberater 2018 : Kein Glück mit moderatem Risiko

Bild: F.A.Z.

Anlageberater rund um den Globus empfehlen oft Strategien mit mäßigem Risiko. Vor allem sollen sie weniger Verlust bringen. Das funktionierte 2018 - erfolgreich waren sie dennoch nicht wirklich.

          Investieren statt sparen ist nicht leicht. Vor allem die unvermeidlichen Verlustrisiken schrecken die Anleger. Hin- und hergerissen zwischen der Furcht vor dem möglichen Verlust und dem Wunsch nach gutem Ertrag, entscheiden sich Anleger oft dafür, eine moderate Risikoausrichtung zu wählen. Sie verzichten auf Ertrag zugunsten von mehr Sicherheit, ist die Aussage. Wenn das glückt, ist es vielleicht nicht die eierlegende Wollmilchsau, aber immerhin ein Kompromiss, mit dem sich leben lässt.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Abteilung Portfolio Research & Consulting der französischen Fondsgesellschaft Natixis hat Musterportfolios mit moderater Risikoausrichtung von insgesamt 421 Anlageberatern aus Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Lateinamerika und den Vereinigten Staaten daraufhin analysiert, wie sie sich 2018 geschlagen haben.

          Das Ergebnis vorweg genommen: Gut war es nicht. Viele der Musterportfolios hätten Anleger im vergangenen Jahr nicht vor Verlusten geschützt. Gerade mal 2 Prozent erzielten ein positives Ergebnis. Fast schon kurios mutet an, dass ausgerechnet italienische Anlageberater mit einem durchschnittlichen Verlust von 3,2 Prozent noch am besten abschnitten. Für deutsche Anleger könnte die Botschaft dagegen kaum schlechter sein: Mit einem durchschnittlichen Minus von 5,3 Prozent schnitten sie mit am schlechtesten ab, nur noch unterboten von den spanischen Leidensgenossen mit einem Minus von 5,9 Prozent.

          Den größten Beitrag zu der negativen Entwicklung kam von den Aktienmärkten. So schnitt etwa der deutsche Aktienmarkt mit einem Minus des Dax von 18 Prozent unter den Ländermärkten am schwächsten ab. Dabei half dem Index noch die Tatsache, dass die gezahlten Dividenden in die Berechnung miteinfließen. Der F.A.Z.-Index, bei dem dies nicht der Fall ist, verlor 20 Prozent. Auch der italienische und der spanische Aktienmarkt liefen mit einem Minus von 13 und 11 Prozent nicht sehr viel besser.

          Aktien sorgten im Durchschnitt für ein Minus von 3 bis 5 Prozent. Dass am Ende die Italiener besser abschnitten, lag nicht zuletzt daran, dass sie mit 23 Prozent des durchschnittlichen Portfolios vergleichsweise wenig in Aktien investiert waren. In deutschen Portfolios fanden sich dagegen zu 40 Prozent Aktien, in spanischen zu 48 Prozent.

          Höhere Aktienquoten von mehr als 50 Prozent fanden sich bei britischen und amerikanischen Anlageberatern, wobei sich dies vor allem in amerikanischen Portfolios negativ niederschlug. Nachteilig wirkten sich diese vor allem für Amerikaner aus. Denn aufgrund der Wechselkursentwicklung konnten amerikanische Aktien in europäischen Depots noch für ein leichtes Plus sorgen. Umgekehrt machten Amerikaner mit europäischen Aktien größere Verluste als die Europäer.

          Auch mit Anleihen waren die Experten wenig erfolgreich. Erst gegen Ende des Jahres seien sie etwas besser gelaufen, aber das habe nicht gereicht, um die Wertverluste der Aktiendepots auszugleichen.

          Überraschend aber mutet an, dass die als risikominimierend geltenden Multi-Asset-Ansätze, so wenig erfolgreich waren. Denn eigentlich sollten sie ja für mehr Diversifizierung in den Musterportfolios sorgen und auf diese Weise Risiken begrenzen. Tatsächlich aber konnten sie im Durchschnitt im vergangenen Jahr nicht nur keinen positiven Ergebnisbeitrag leisten. Vielmehr trugen sie nach Aktien am stärksten zur Negativentwicklung bei. Dies gilt insbesondere für die französischen, italienischen und deutschen Musterportfolios, weil in diesen Multi-Asset-Fonds mit 29, 19 und 12 Prozent am stärksten enthalten waren.

          Aktien Renten Multi-Asset Alternative Sachwerte Geldmarkt
          Frankreich 0,87 0,57 0,86 0,56 -0,39 -0,14
          Deutschland 0,97 0,11 0,88 0,46 0,02 -0,03
          Italien 0,9 0,45 0,8 0,6 -0,34 0,02
          Lateinamerika 0,96 0,42 0,87 0,24 0,32 -0,24
          Großbritannien 0,98 0,13 0,83 0,15 0,4 -0,31
          Quelle: Natixis

          Der Grund sei, dass sich die Werte der Multi-Asset-Anlagen in hohem Maße in dieselbe Richtung bewegten wie die anderen Bestandteile der Portfolios. „Es liegt die Vermutung nahe, dass die eingesetzten Multi Asset-Fonds im hohen Maße die bereits vorhandenen Assetklassen und Strategien im Portfolio widerspiegeln“, sagt Sebastian Römer, Leiter des Natixis-Geschäfts in Zentral- und Osteuropa. Investoren sollten daher die Zusammenhänge in ihrem Portfolio genauestens analysieren.

          Ohnehin seien traditionelle Multi-Asset-Ansätze immer weniger geeignet, wirkungsvoll für Diversifizierung zu sorgen. Gemeint sind damit Strategien, bei denen die Aufteilung der Anlage genau vorgeschrieben ist, also etwa 60 Prozent Aktien, 30 Prozent Anleihen und 10 Prozent sonstige Vermögenswerte. Modernere Strategien gewährten den Fondsmanagern deutlich höhere Freiheitsgrade. „Hilfreich sind beispielsweise Ansätze, die in der Lage sind, auch liquide sowie illiquide alternative Strategien berücksichtigen zu können“, erklärte Römer.

          Der Anteil sogenannter alternativer Investments war in den meisten Ländern mit 8 bis 10 Prozent sehr ähnlich. Nur die Italiener ragten mit 13 Prozent oben und die Amerikaner mit nur 5 Prozent unten heraus. Dabei bevorzugten die Anlageberater aber auch wieder liquide Anlagen, vor allem Optionen. Sachwerte wie Rohstoffe, Immobilien, aber auch Private Equity als direkte Unternehmensbeteiligungen seien weiter rar. Nur britische Berater investierten nennenswert in Immobilienfonds und deutsche in Rohstoffe. Die Vermutung liegt nahe, dass dies vor allem Gold war. Tatsächlich schnitten die meisten Berater mit diesem Bestandteil der Portfolios noch am besten ab.

          Es ist nicht so, dass die Berater untätig gewesen wären: Die Franzosen etwa investierten deutlich weniger in Multi-Asset-Fonds als 2017, die Deutschen verschoben ihren Rentenanteil in Richtung Schwellenländer- und Hochzinsanleihen. Beide griffen auch mehr zu Absolut-Return-Fonds. Italienische Berater erhöhten dagegen den Anteil europäischer Anleihen und kauften sogar wieder italienische.

          Und immerhin muss man ihnen eines zugute halten: Die Verluste der Portfolios fielen deutlich geringer aus als die der Aktienmärkte. Allerdings wäre eine zehnjährige Staatsanleihe überall doch die bessere Wahl gewesen. Auch das zeigt, dass starre Anlagestrategien nicht immer zielführend sind.

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