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Aktienjahr : Analysten trauen dem Dax 15.000 Punkte zu

Der Blick in die Glaskugel: Im vergangenen Jahr waren die Analysten zu vorsichtig. Bild: Reuters

Anders als erwartet, haben viele Indizes in diesem Jahr deutlich zugelegt. In einer Umfrage dieser Zeitung geben sich Finanzinstitute wieder zuversichtlich für 2018. Doch es gibt auch Zweifel.

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          Mit dem Jahr 2017 geht ein unerwartet erfreuliches Aktienjahr zu Ende. Ein Index wie der Dax hat gut 14 Prozent an Wert gewonnen. Mit diesem deutlichen Anstieg auf am Freitag rund 13.100 Punkte hat er eigentlich fast alle Marktteilnehmer sehr überrascht. Denn vor einem Jahr zweifelten die meisten noch am Fortbestand der Hausse und trauten Aktien allenfalls einen leichten Kursanstieg zu. Im Gegenteil sagten damals besonders vorsichtige Analysten sogar niedrigere Kurse zum Jahresende vorher – ungewöhnlich für die sonst berufsbedingten Optimisten. Aber der Dax marschierte fast durchweg aufwärts, mit einer leichten Verschnaufpause im Sommer, und erreichte im November ein Rekordhoch von 13.526 Punkten.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          In diesem Jahr geben sich die Analysten wieder – trotz der inzwischen noch weiter gestiegenen Aktienkurse und der zum Teil schon hohen Bewertungen – in gewohnter Weise zuversichtlich. In den meisten Jahren behalten sie ja auch in der Tendenz recht. Wie eine Umfrage dieser Zeitung unter 24 Kreditinstituten, Fondsgesellschaften und Versicherern zeigt, trauen diese Fachleute dem Dax im kommenden Jahr im Durchschnitt einen Anstieg um gut 6 Prozent auf knapp 14.000 Punkte zu. Für dieses Jahr hatten sie durchschnittlich ein ungewohnt mageres Plus von 2 Prozent vorhergesagt und lagen damit ungewöhnlich weit daneben. Für den Dow-Jones-Index rechnen die befragten Institute dagegen wie im Vorjahr nur mit einem leichten Anstieg. Hier verschätzten sich die Auguren sogar noch kräftiger. Statt der erwarteten 20.100 Punkte sind es für den amerikanischen Standardwerteindex nun 4700 Punkte oder 25 Prozent mehr geworden.

          Spanne der Prognosen ist weit

          Auffällig ist aber, dass sich die Prognosen in diesem Jahr stärker unterscheiden als in manch anderen Jahren. So lagen im vergangenen Jahr zwischen der höchsten und der niedrigsten Dax-Prognose 1900 Punkte. Nun reicht die Spanne zum Jahresende 2018 von 12.300 bis zu 14.500 Punkten im Dax – eine Differenz von 2200 Punkten. Abgesehen von diesen Extremen, liegen viele Vorhersagen vergleichsweise eng beieinander. Fast alle Analysten sind sich zudem darin einig, dass der Dax im kommenden Jahr einen neuen Höchstwert erreichen kann.

          Besonders optimistisch sind in diesem Jahr das Hamburger Bankhaus M.M.Warburg und die italienische Unicredit. Beide nennen für den Dax zur Jahresmitte ein Indexniveau von 15.000 Punkten. Aus jetziger Sicht würde das einem Kursanstieg um rund 15 Prozent gleichkommen. Die beiden Kreditinstitute sind sich auch mit ihrer Jahresendprognose von 14.500 Punkten einig – 500 Dax-Punkte weniger als noch zur Jahresmitte. Auch Klaus Schrüfer, Chefstratege von Santander Asset Management Deutschland, rechnet auf Jahressicht mit einem solchen Niveau. Dazu müsste der deutsche Auswahlindex aus jetziger Sicht um 11 Prozent steigen. Gut 40 Prozent der Finanzinstitute sagen dagegen für den Dax Werte um die 14.000 Punkte vorher und damit einen Zuwachs von 7 Prozent.

          Keine Erhöhung des Leitzinses in Aussicht?

          Wie begründet Carsten Klude, Chefvolkswirt von M.M.Warburg, seinen Optimismus? Die Kurse deutscher Aktien seien in den vergangenen Jahren zwar schon kräftig gestiegen. Da die deutsche Wirtschaft allerdings im Jahr 2018 abermals stark wachsen werde und auch die Weltwirtschaft mitspiele, sollte sich die Erfolgsserie fortsetzen. Dabei sei der Dax trotz der zurückliegenden deutlichen Kursgewinne noch immer nicht hoch bewertet, sagt Klude. Dies gelte sowohl im Vergleich zu seiner eigenen Historie wie auch zu anderen Indizes. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnerwartungen für die kommenden zwölf Monate betrage 13,5, im langjährigen Durchschnitt sei es 15. Allein mit Blick auf die Gewinnerwartungen für 2019 errechne sich ein Kursziel von 14.500 Punkten. Angenommen, deutsche Standardwerte würden im kommenden Jahr nur etwas teurer werden, dann wäre sogar ein Kursziel von 15.000 Punkten erreichbar.

          Bereitet ihm die Zinsseite keine Sorge? Während die amerikanische Notenbank Fed die Leitzinsen behutsam erhöhe und die Anleihebestände langsam abbaue, sei aus Sicht der Europäischen Zentralbank (EZB) noch lange nicht an Zinserhöhungen zu denken, sagt Klude. Daher sei davon auszugehen, dass das Zinsniveau im kommenden Jahr sehr niedrig bleiben werde. Erst dann, wenn sich die gute konjunkturelle Entwicklung in einer steigenden Kerninflation bemerkbar mache, was im Jahr 2018 noch nicht zu erwarten sei, werde für die EZB der Zeitpunkt gekommen sein, die Leitzinsen zu erhöhen.

          Commerzbank im Mittelfeld

          Auch die Berenberg Bank gehört zum Lager der Optimisten. Im Jahr 2017 habe die Stimmung der Anleger von Pessimismus zum Optimismus gewechselt, sagt Bernd Meyer, Chefstratege Wealth und Asset Management von Berenberg. Euphorie herrsche gleichwohl noch nicht, und dies sei eine gute Voraussetzung. Die Aktienmärkte dürften, unterstützt durch steigende Unternehmensgewinne und fehlende Anlagealternativen, ihren Aufwärtstrend fortsetzen. Aufgrund steigender Zinsen und der weniger expansiven Geldpolitik der Zentralbanken sollten sich die Bewertungen am Aktienmarkt jedoch nicht mehr wesentlich ausweiten können.

          Die Commerzbank sieht Warnsignale, blickt aber auch auf die Entscheidungen der Notenbanken.

          Mit ihrer Dax-Prognose ziemlich genau im Mittelfeld befindet sich die Commerzbank. Das Rekordhoch des Ifo-Geschäftsklimaindex, die hohe Bewertung der Aktien und das sorglose Anlegersentiment seien eigentlich Warnsignale, sagen die Analysten dieses Hauses. Doch die Notenbanken hätten anders als früher in vergleichbaren Situationen auf das starke Wachstum bisher nicht mit einer deutlichen Erhöhung der Leitzinsen reagiert. Diese Politik gebe dem Aktienmarkt weiterhin Rückenwind, so dass sich der Dax-Bullenmarkt 2018 unter wieder größeren Kursschwankungen fortsetzen dürfte.

          Zunehmende Kursschwankungen?

          Besonders pessimistisch ist dagegen die Helaba. Aktienstratege Markus Reinwand erwartet für den Dax zur Jahresmitte 12.500 und zum Jahresende 12.300 Punkte. Behält er recht, dann hätte das führende deutsche Börsenbarometer in einem Jahr unter dem Strich 6 Prozent verloren. Die Nord LB liegt mit ihrer Prognose von 13.000 Punkten und einem leichten Minus ebenfalls am unteren Ende der Erwartungen der befragten Analysten.

          Reinwand verweist darauf, dass Aktienanleger inzwischen ausgesprochen sorglos geworden seien. Da nicht einmal die zeitweise sehr ausgeprägte politische Unsicherheit die Dividendentitel aus dem Tritt gebracht habe, hätten sie nun fast schon den Status der Unverwundbarkeit erlangt. Die niedrige Volatilität zeige, dass die Kursrisiken vom Gros der Marktteilnehmer als sehr gering eingeschätzt würden. Dabei bewege sich die Aktienbewertung schon oberhalb des langjährigen Normalbandes, sagt Reinwand. Aus fundamentaler Sicht bestehe daher für die kommenden Monate kaum Raum für Kurszuwächse. Vielmehr berge die Kombination aus hoher Bewertung und erhöhter Risikofreude erhebliche Rückschlaggefahren, zumal die Konjunkturstimmung vermutlich ihren Höhepunkt erreicht habe. Der Stratege erwartet, dass sich der Dax im Jahr 2018 in einer Spanne von 10.500 bis 13.500 Punkten bewegen werde. Die Kursschwankungen dürften zunehmen. Auf dem aktuellen Kursniveau seien die Risiken deutlich stärker als das Aufwärtspotential, Anleger sollten sich daher derzeit zurückhalten.

          Analysten setzen auf starken Euro

          Auch wenn letztlich alle im Vorjahr befragten Institute mit ihrem Pessimismus ordentlich danebenlagen, kamen die Analysten des französischen Geldhauses BNP Paribas und die der amerikanischen Bank J.P. Morgan mit ihren Dax-Prognosen von 12.300 Punkten dem aktuellen Niveau noch am nächsten, gefolgt von BayernLB, DZ Bank, Helaba, M.M.Warburg, Postbank, der französischen Société Générale und Unicredit mit jeweils 12.000 Punkten. In der Vorjahresumfrage besonders pessimistisch war ING Diba mit 10.400 Punkten. Nun äußert sich diese Bank vergleichsweise optimistisch. Bei der Deka waren es damals unterdurchschnittliche 11.000 Punkte, das Haus bleibt pessimistisch.

          Deutlich gewandelt hat sich zudem die Einstellung der Institute zum Euro-Dollar-Kurs. Auch hier lagen die Analysten mit ihren Prognosen weit daneben, denn der Euro hat unerwartet deutlich an Stärke gewonnen. Im Durchschnitt rechnen die Befragten nun damit, dass es auch im kommenden Jahr dabei bleibt. In einem Jahr werden alle schlauer sein.

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