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Aktienjahr : Analysten trauen dem Dax 15.000 Punkte zu

Bereitet ihm die Zinsseite keine Sorge? Während die amerikanische Notenbank Fed die Leitzinsen behutsam erhöhe und die Anleihebestände langsam abbaue, sei aus Sicht der Europäischen Zentralbank (EZB) noch lange nicht an Zinserhöhungen zu denken, sagt Klude. Daher sei davon auszugehen, dass das Zinsniveau im kommenden Jahr sehr niedrig bleiben werde. Erst dann, wenn sich die gute konjunkturelle Entwicklung in einer steigenden Kerninflation bemerkbar mache, was im Jahr 2018 noch nicht zu erwarten sei, werde für die EZB der Zeitpunkt gekommen sein, die Leitzinsen zu erhöhen.

Commerzbank im Mittelfeld

Auch die Berenberg Bank gehört zum Lager der Optimisten. Im Jahr 2017 habe die Stimmung der Anleger von Pessimismus zum Optimismus gewechselt, sagt Bernd Meyer, Chefstratege Wealth und Asset Management von Berenberg. Euphorie herrsche gleichwohl noch nicht, und dies sei eine gute Voraussetzung. Die Aktienmärkte dürften, unterstützt durch steigende Unternehmensgewinne und fehlende Anlagealternativen, ihren Aufwärtstrend fortsetzen. Aufgrund steigender Zinsen und der weniger expansiven Geldpolitik der Zentralbanken sollten sich die Bewertungen am Aktienmarkt jedoch nicht mehr wesentlich ausweiten können.

Die Commerzbank sieht Warnsignale, blickt aber auch auf die Entscheidungen der Notenbanken.

Mit ihrer Dax-Prognose ziemlich genau im Mittelfeld befindet sich die Commerzbank. Das Rekordhoch des Ifo-Geschäftsklimaindex, die hohe Bewertung der Aktien und das sorglose Anlegersentiment seien eigentlich Warnsignale, sagen die Analysten dieses Hauses. Doch die Notenbanken hätten anders als früher in vergleichbaren Situationen auf das starke Wachstum bisher nicht mit einer deutlichen Erhöhung der Leitzinsen reagiert. Diese Politik gebe dem Aktienmarkt weiterhin Rückenwind, so dass sich der Dax-Bullenmarkt 2018 unter wieder größeren Kursschwankungen fortsetzen dürfte.

Zunehmende Kursschwankungen?

Besonders pessimistisch ist dagegen die Helaba. Aktienstratege Markus Reinwand erwartet für den Dax zur Jahresmitte 12.500 und zum Jahresende 12.300 Punkte. Behält er recht, dann hätte das führende deutsche Börsenbarometer in einem Jahr unter dem Strich 6 Prozent verloren. Die Nord LB liegt mit ihrer Prognose von 13.000 Punkten und einem leichten Minus ebenfalls am unteren Ende der Erwartungen der befragten Analysten.

Reinwand verweist darauf, dass Aktienanleger inzwischen ausgesprochen sorglos geworden seien. Da nicht einmal die zeitweise sehr ausgeprägte politische Unsicherheit die Dividendentitel aus dem Tritt gebracht habe, hätten sie nun fast schon den Status der Unverwundbarkeit erlangt. Die niedrige Volatilität zeige, dass die Kursrisiken vom Gros der Marktteilnehmer als sehr gering eingeschätzt würden. Dabei bewege sich die Aktienbewertung schon oberhalb des langjährigen Normalbandes, sagt Reinwand. Aus fundamentaler Sicht bestehe daher für die kommenden Monate kaum Raum für Kurszuwächse. Vielmehr berge die Kombination aus hoher Bewertung und erhöhter Risikofreude erhebliche Rückschlaggefahren, zumal die Konjunkturstimmung vermutlich ihren Höhepunkt erreicht habe. Der Stratege erwartet, dass sich der Dax im Jahr 2018 in einer Spanne von 10.500 bis 13.500 Punkten bewegen werde. Die Kursschwankungen dürften zunehmen. Auf dem aktuellen Kursniveau seien die Risiken deutlich stärker als das Aufwärtspotential, Anleger sollten sich daher derzeit zurückhalten.

Analysten setzen auf starken Euro

Auch wenn letztlich alle im Vorjahr befragten Institute mit ihrem Pessimismus ordentlich danebenlagen, kamen die Analysten des französischen Geldhauses BNP Paribas und die der amerikanischen Bank J.P. Morgan mit ihren Dax-Prognosen von 12.300 Punkten dem aktuellen Niveau noch am nächsten, gefolgt von BayernLB, DZ Bank, Helaba, M.M.Warburg, Postbank, der französischen Société Générale und Unicredit mit jeweils 12.000 Punkten. In der Vorjahresumfrage besonders pessimistisch war ING Diba mit 10.400 Punkten. Nun äußert sich diese Bank vergleichsweise optimistisch. Bei der Deka waren es damals unterdurchschnittliche 11.000 Punkte, das Haus bleibt pessimistisch.

Deutlich gewandelt hat sich zudem die Einstellung der Institute zum Euro-Dollar-Kurs. Auch hier lagen die Analysten mit ihren Prognosen weit daneben, denn der Euro hat unerwartet deutlich an Stärke gewonnen. Im Durchschnitt rechnen die Befragten nun damit, dass es auch im kommenden Jahr dabei bleibt. In einem Jahr werden alle schlauer sein.

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