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Tipps für die Geldanlage : Nur die Ruhe bewahren!

Nur keine Hektik aufkommen lassen: Aktienhändler auf dem Parkett der New Yorker Börse. Bild: dpa

Bei der Geldanlage nicht hektisch zu werden, das hat sich stets ausgezahlt. Zinsen und Inflation sollte man beobachten, aber mehr auch nicht. Die Märkte sind ruhiger, als es den Anschein hat – eine Analyse.

          5 Min.

          In der vergangenen Woche sorgte die amerikanische Notenbank an den Finanzmärkten für etwas Bewegung, Aufregung wäre schon zu viel gesagt. Getan hatte sie eigentlich nicht viel, aber bei Notenbanken ist das ja auch gar nicht nötig – es reicht, was sie sagen oder auch nur, worüber Sie reden.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Jedenfalls ließ aufhorchen, das es mit der Haltung der Federal Reserve, man wolle durch die aktuell hören Inflationsraten hindurchschauen, doch nicht ganz so weit her ist.

          Von Mittwoch bis Freitag der vergangenen Woche ließ das tatsächlich die Aktienkurse abrutschen. Der S&P-500 fiel um knapp 2 Prozent – die er postwendend in dieser Woche wieder aufholte. Die Rendite der 10-jährigen amerikanischen Staatsanleihen fiel deutlich, von knapp 1,59 bis auf 1,36 Prozent am Montagmorgen, erholte sich seitdem aber doch wieder auf immerhin 1,48 Prozent.

          Anpassungen dauern etwas länger

          Diese (teilweise) Rücknahme der Bewegung ist das übliche Überschießen des Marktes und die Rückkehr auf das Niveau, das für angemessen gehalten wird. Kurzum: Der Anleihemarkt geht in der längerfristigen Tendenz von höheren Zinsen aus, und das kratzt den Aktienmarkt gerade gar nicht.

          Zunehmend wird deutlich, was man eigentlich hätte wissen können: Eine dauerhafte Veränderung von Preisen und Zinsen geht so rasch nicht vonstatten. So ist es ein wenig verfrüht, jetzt schon einen amerikanischen Leitzins von 0,6 Prozent (!) einzupreisen, der für Ende 2023 erwartet wird. Und wenn, wie Chris Iggo, Investmentvorstand für Kern-Investments bei AXA Investment Managers, schreibt, Konjunkturmaßnahmen dazu führen, dass die Bankeinlagen steigen, dann werden auch Anleihen weiter gekauft und der große Renditeanstieg bleibt aus.

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          Auf der positiven Seite sollte man zudem nicht vernachlässigen, dass das Signal der Fed lautete: Wir nehmen eure Inflationssorgen ernst. Und so gab man den Markt ein Zinsszenario an die Hand – konkret genug, um Sicherheit zu suggerieren, und vage genug, um im Zweifel etwas ganz anderes tun zu können.

          Was für Lehren lassen sich daraus ziehen? Die wichtigste ist: In der Ruhe liegt die Kraft. Gerade in Deutschland ist man in puncto Inflation extrem empfindlich. Das hat historische Gründe, weil die Erfahrung der Hyperinflation von 1923 die Geldpolitik bis heute maßgeblich prägt. Ohne die Erfolge der Bundesbank kleinreden zu wollen, muss man konstatieren, dass das Ausbleiben hoher Inflationsraten der Geldpolitik im Zeitablauf eher zum kleineren Teil geschuldet ist. Und man muss ja nicht auf der anderen Seite vom Pferd fallen, sondern kann sich auch gelassen im Sattel halten.

          Anleger sollten also die Inflationsgefahr nicht überschätzen. Höhere, aber weiter niedrige Inflationsraten könnten auf Dauer sogar eher eine Chance sein. Denn sie führen vielleicht dazu, dass Anleihen endlich wieder ihre risikominimierende Funktion in einem Portfolio einnehmen können.

          Bescheidenheit ist eine Zier

          Was also ist jetzt zu tun? Das kommt darauf an, wie man sein Vermögen bisher verwaltet hat. Viele Anleger meinen, mit einer kurzfristigen Detailsteuerung das Beste herausholen zu können. In aller Regel ist das ein Irrtum und einer falschen Wahrnehmung des eigenen Erfolgs geschuldet. Denn wer so besser abschneiden will als der Markt, muss mehr richtige als falsche Entscheidungen treffen. Sich selbst aber für cleverer zu halten als der Durchschnitt, ist bei der Beurteilung komplexer ökonomischer Vorgänge und Geldanlagen schon ein ziemlich mutiger Ansatz.

          Bescheidenheit ist eine Zier, mit der man in der Geldanlage durchaus weiter kommen kann als ohne ihr. Höhere Renditen sind zwar nicht linear mit höherem Risiko verbunden, in der Tendenz aber schon. Das führt dazu, dass der Versuch, noch etwas mehr heraus zu schlagen, jedenfalls zu mehr Risiko führt. Und wer aufs Ganze geht, tut das beim Risiko gewisser als beim Ertrag.

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          Wer also sein Portfolio so gestaltet hat, dass er Anleihen aufgrund der höheren Risiken in dem durch die Geldpolitik verzerrten Markt weniger stark gewichtet hat, schon früh etwas mehr alternative Anlagen beigemischt und ein diversifiziertes Aktienportfolio aufgestellt hat, der braucht sich eigentlich wenig Sorgen zu machen.

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