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Geldanlage in Schwellenländern : Auftrieb an Südafrikas Börse

Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa: Der Ak­ti­en­markt und die Wäh­rung seines Landes sind stark in das Jahr ge­star­tet. Bild: AFP

Der Ak­ti­en­markt und die Wäh­rung von Südafrika sind stark in das Jahr ge­star­tet. Ein Dämp­fer droht nun we­gen der Wah­len.

          An Südafrikas Finanzmarkt geht es nach einem turbulenten Jahr wieder aufwärts. Seit Beginn des Jahres legt der zuletzt gebeutelte Aktienindex an der Johannesburger Börse (JSE) spürbar zu, während der Rand im Januar um mehr als 8 Prozent auf 13,30 Rand gegenüber dem Dollar gewann und damit den besten Jahresauftakt seit vielen Jahren verzeichnete. Ein Euro kostet aktuell rund 15,60 Rand. Viele Unwägbarkeiten aber bleiben. Bis zu den Parlamentswahlen im Mai können sich Anleger auf Volatilität gefasst machen.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Auftrieb für Schwellenmärkte allgemein verleiht die amerikanische Geldpolitik. Ende Januar hatte die Notenbank Fed mitgeteilt, eine Zinspause einzulegen. Starke Impulse kommen auch vom Goldpreis. Die Aktien von Südafrikas Goldförderern, die in der Vergangenheit oft von Anlegern geschmäht wurden, legten um bis zu 11 Prozent in einer Woche zu. Selbst die Platinförderer, die von einem chronisch niedrigen Platinpreis und dem Diesel-Skandal schwer gebeutelt wurden, erleben gerade eine Kursrally, ausgelöst von besseren Geschäftszahlen.

          Die Papiere von Anglo Platinum und Impala Platinum etwa kosten mehr als 50 Prozent mehr als noch vor einem halben Jahr. Auch für den Krisenkonzern Lonmin, der weiterhin in einem Übernahmeverfahren durch den Goldförderer Sibanye steckt, scheinen sich Anleger wieder zu interessieren. Der Platinpreis wiederum befindet sich mit 790 Dollar je Feinunze wieder nahe des Fünf-Jahres-Tiefpunkts. Das weiße Edelmetall ist seit langem deutlich billiger als Gold oder das Schwestermetall Palladium.

          Analysten der südafrikanischen Standard Bank und von Goldman Sachs zeigen sich zuversichtlich, dass die positive Stimmung nicht so schnell verpufft. Zum einen seien südafrikanische Aktien nach einem Ausverkauf im vergangenen Jahr gemessen an anderen Schwellenmärkte so günstig zu haben wie schon lange nicht mehr. Zum anderen setzt man darauf, dass der seit Februar 2018 amtierende Staatspräsident Cyril Ramaphosa seinen Ankündigungen demnächst Taten folgen lässt. Der frühere Vizepräsident und Geschäftsmann hat in seiner Rede an die Nation in der vergangenen Woche abermals versprochen, nach den vielen Korruptionsaffären unter seinem Vorgänger Jacob Zuma aufzuräumen und die Staatskonzerne zu sanieren.

          Unwägbarkeiten bleiben

          Insbesondere der staatliche Energieversorger Eskom benötigt immer neue Milliardenhilfen vom Staat und satte Strompreiserhöhungen. Sein Schuldenberg ist größer als die nationalen Haushaltsposten für Gesundheit und Bildung zusammen. Ramaphosa kündigte jetzt an, Eskom in drei Teile aufzuspalten: Stromerzeugung, Übertragung und Distribution. Das wäre die größte Umstrukturierung seit dem Ende der Apartheid vor 25 Jahren.

          Unwägbarkeiten aber bleiben: Fachleute erwarten schon jetzt, dass sich der Eskom-Umbau über Jahre hinzieht. Die Gewerkschaften haben Widerstand angekündigt, weil sie Teilprivatisierungen und Personalabbau befürchten. Seit einigen Tagen muss der Versorger auch wieder stundenweise den Strom im ganzen Land abstellen, weil er die Nachfrage nicht mehr bedienen kann.

          Zusätzlich verschreckt weiterhin das Gezerre um eine Landreform die Investoren. Eine Verfassungsänderung soll Enteignungen von Landbesitzern auch ohne Entschädigung ermöglichen. Südafrikas Gesamtwirtschaft, die im vergangenen Jahr kurzzeitig eine Rezession erlebte, wächst derweil kaum. Das bekam jüngst Shoprite, die größte Supermarktkette in Afrika, zu spüren. Der Kurs des früheren Börsenstars sank nach einer Gewinnwarnung um 17 Prozent an einem Tag, zuletzt hatte es so einen Rückgang 1999 gegeben.

          Heimische Faktoren sind zweitrangig

          Für den Aktienmarkt sind heimische Faktoren jedoch zweitrangig. Die Börse wird von Unternehmen bestimmt, die außerhalb des Landes ihr Geschäft machen. Der Medienkonzern Naspers beispielsweise befindet sich als Großaktionär an der chinesischen Tencent im Schlepptau des chinesischen Technologiekonzerns. Die Tencent-Beteiligung ist an der Börse in Hongkong mehr wert als der komplette Naspers-Konzern an der Johannesburger Börse.

          Konzerne wie British American Tobacco oder Anglo American haben aus historischen Gründen eine Zweitnotierung in Johannesburg. Normalerweise entwickelt sich die Börse genau gegensätzlich zur Stimmung im Land und zur Währung. So hat der JSE-Aktienindex während der neun Jahre langen Zuma-Ära um 156 Prozent zugelegt, während der Rand zum Dollar um 40 und zum Euro um 30 Prozent verlor.

          Gespannt warten Investoren jetzt auf die Haushaltsrede des neuen Finanzministers Tito Mboweni in der kommenden Woche sowie auf die Parlamentswahlen. Ein Sieg der Regierungspartei ANC steht außer Zweifel. Das Wahlergebnis wird jedoch entscheidend dafür sein, wie viel Rückendeckung Ramaphosa in der tief gespaltenen Partei für seinen wirtschaftsfreundlichen Kurs erhält und wie viel Einfluss eine aufrührerische linksradikale Partei namens Economic Freedom Fighters (EFF) haben wird.

          Bis dahin mehren sich die Rufe aus der Wirtschaft an die Regierung, für Klarheit über den Kurs zu sorgen. „Was Investoren beunruhigt, ist unsere generelle Neigung, viel über Politik zu diskutieren, aber bei der Umsetzung und der Koordination der Politik zurückzubleiben“, sagte die Chefin der Johannesburger Börse, Nicky Newton-King. Bis zu den Wahlen werde es noch „viel Lärm“ geben. Die Parlamentswahlen werden am 8. Mai stattfinden.

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