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Technische Analyse : Amerikas Tech-Aktien sind über dem Zenit

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Die großen Tech-Werte Facebook, Alphabet, Amazon und Apple sind im Nasdaq-100-Index allein derzeit mit rund 35 Prozent gewichtet. Bild: AFP

Der amerikanische Technologie-Börsenindex Nasdaq 100 knickt ein. Anleger sollten sich ihre Aktiendepots genauer anschauen. Eine technische Analyse.

          Manchmal sind es die kleinen Dinge, die den großen Unterschied machen: An den ganz kurzen Moment, als sich erstmals ihre Blicke trafen, die kein anderer sah, wird sich ein Paar ein Leben lang erinnern. Eine Minute später loszufahren, kann darüber entscheiden, ob die Fahrt in den Urlaub fünf oder zehn Stunden dauert. Der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, hat schon mal den Lauf der Geschichte geändert. Manchmal brauchte es dafür noch nicht einmal einen Rubikon. Manchmal reichten wenige Wählerstimmen.

          Nicht viel anders verhält es sich mit der technischen Analyse. Oft genug sind es die ganz kleinen Dinge, die den entscheidenden Hinweis geben. Ein gutes aktuelles Beispiel dafür ist der Nasdaq 100. Nur wer sich seinen Chart genau anschaut, wird erkennen, dass der Index der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq erst vor wenigen Wochen seine historischen Bestmarken vom September 2018 bei 7700 Punkten zunächst hinter sich ließ, aber nur wenige Tage später wieder darunter zurückfiel.

          Neue Allzeithochs sind im Regelfall ein klares Aufbruchssignal. Meistens folgen einem Vorstoß in Rekordhöhen weitere deutliche Kursgewinne. Dies gilt umso mehr, wenn den neuen Hochs eine größere Korrektur- oder Konsolidierungsphase vorausgegangen ist. Verballert aber ein Chart eine solche Chance, ist meistens einiges Ungemach im Busch. Die Finanzmärkte zeigen dann Verhaltensmuster, die uns aus dem ganz normalen Leben sehr vertraut sind. Wenn sich gerade keine Chancen auftun, dann ist das halt so. Oft genug wird man sich darüber keine großen Gedanken machen. Viel schlimmer ist es, eine bestehende Chance nicht zu nutzen. Dann kann es sehr lange dauern, bis eine vergleichbare Chance wieder auftaucht.

          Dieser Fehlausbruch hängt dem Nasdaq 100 wie ein Mühlstein um den Hals. Man könnte ihn mit dem Gedanken abtun, dass beispielsweise Amazon oder Apple oder beide eben ein paar richtig gute Tage hatten und damit den Index zu neuen Höhen verhalfen. Oder dass eine gute Nachricht zu einer mehr oder weniger unbeabsichtigten Überreaktion der Anleger führte. Die Erfahrung lehrt allerdings, dass dies nicht klug wäre.

          NASDAQ 100

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          Aber nicht nur das: Hinzu kommt auch das Offensichtliche. Nachdem der Index sich schon länger damit schwertat, sich über dem grün eingezeichneten langfristigen Aufwärtstrend seit 2009 zu behaupten, dürfte dieser Kampf nun final verloren sein. Auch das wirft kein gutes Licht auf die Heimat der großen Tech-Giganten. Nun sind Trendbrüche kein analytisches Allheilmittel. Sie können schon mal in die falsche Richtung weisen. Im Kontext mit einem Fehlausbruch wäre es aber mehr als fahrlässig, sie zu übergehen.

          Die übergewichteten Tech-Giganten

          Schließlich weist der abgebildete Indikator die an dieser Stelle schon das eine oder andere Mal erwähnten „negativen Divergenzen“ auf: Während der Index selbst noch neue Hochs erzielte, gelang dies dem Indikator nicht mehr. Diese „negativen Divergenzen“ sind meistens sehr unangenehme Zeitgenossen. Sie weisen zum Beispiel darauf hin, dass der Kaufdruck nachlässt und der Markt deshalb für weniger begeisternde Entwicklungen anfällig wird.

          Ein weiterer Punkt kommt noch hinzu: Alphabet, Amazon, Apple und Facebook allein sind im Index derzeit mit rund 35 Prozent gewichtet. Allen Vieren wird man nicht erst, seit deren Zerschlagung ernsthaft geprüft wird, eine bestenfalls mittelprächtige technische Verfassung attestieren können. Ohne diese vier Tech-Giganten dürfte es dem Nasdaq 100 aber kaum möglich sein, wieder Fahrt in die richtige Richtung aufzunehmen. Microsoft mit einem Marktgewicht von etwa 12 Prozent wird es selbst gemeinsam mit den anderen 95 „kleineren“ Werten (zu denen auch Intel) zählt, kaum richten können.

          Der Ausblick für die nächsten Monate für den Nasdaq 100 fällt also einigermaßen verhalten aus. Kursverluste sind wahrscheinlich – Kursgewinne hingegen nicht. Weitere 1000 Punkte könnte der Index von seinem aktuellen Niveau aus (rund 7200 Punkte) schon abgeben. Die Unterstützung bei 6000 Punkten dürfte dabei ins Visier der Baissiers rücken. Natürlich schließt dies zwischenzeitliche erhebliche Erholungen nicht aus. Sie dürften aber jeweils ein Intermezzo bleiben – und sich kaum zu einer Trendwende auswachsen können.

          Wie immer gilt: Diese allein auf der Basis technischer Indikationen erstellte Prognose muss nicht richtig sein. Sie ist lediglich wahrscheinlich. Und dennoch scheint sie ins Bild zu passen: Angesichts diverser Handelsstreitigkeiten, Konjunkturindikatoren, die schon mal in besserer Verfassung waren, einem auseinanderdriftenden Europa und diverser nationaler und internationaler Nebenkriegsschauplätze kann man sich gut vorstellen, dass die Unternehmensgewinne ihren Zenit erst einmal überschritten haben. Es sei denn, ich habe vielleicht eines dieser kleinen, aber entscheidenden, alles verändernden – technischen – Details, von denen ich eingangs sprach, übersehen. Ich finde es allerdings nicht.

          Der Autor leitet die Staud Research GmbH in Bad Homburg.

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