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Amerikanische Notenbank : Fed erhöht Leitzins zum dritten Mal dieses Jahr

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Das Gebäude der Federal Reserve in Washington Bild: AP

Die amerikanische Zentralbank hebt die Leitzinsen leicht an, ist sich aber uneins über die Preisentwicklung. Der Markt hingegen hat sich seine Meinung schon gebildet.

          Die amerikanische Notenbank Federal Reserve hat ihre Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte angehoben und in die Bandbreite zwischen 1,25 und 1,5 Prozent gehievt. Sie erwartet, dass die wirtschaftlichen Bedingungen im kommenden Jahr drei weitere Zinsschritte ermöglichen werden. Ein Faktor dabei dürfte das Wirtschaftswachstum sein, das der deutlich um 0,4 Prozentpunkte nach oben korrigierten Prognose zufolge 2,5 Prozent im Jahr 2018 betragen soll. Janet Yellen sagte, sie erwarte sich von der Steuerreform bescheidene wirtschaftliche Impulse. Die Zentralbanker rechnen zudem damit, dass die Arbeitslosenquote unter 4 Prozent sinken wird und nährt damit zusätzlich Marktspekulationen über steigende Inflation im kommenden Jahr. Der Arbeitsmarkt zeigt sich Yellen zufolge stark und deutet auf steigende Löhne im kommenden Jahr hin.

          In der Inflations-Frage präsentieren sich die Zentralbanker allerdings uneins: Mit Neel Kashkari und Charles Evans haben zwei der zehn stimmberechtigten Zentralbanker gegen die Zinserhebung votiert. In der Stellungnahme der Fed heißt es zur Inflation, sie sei in den vergangenen zwölf Monaten gesunken und bewege sich deutlich unter der angestrebten Marke von 2 Prozent. Im kommenden Jahr dürfte sich die Inflation im Mittel jedoch bei 1,9 Prozent einpendeln, ergibt die Fed-Prognose. Yellen räumte ein, dass die schwache Inflation die Zentralbanker überrascht habe und nach ihrer Überzeugung von vorrübergehender Natur sei. Immer noch sei noch nicht ganz klar, welche Kräfte die schwache Preisentwicklung getrieben hätten.

          Analysten erwarten Inflation

          Die professionellen Marktbeobachter hingegen haben sich ihre Meinung gebildet. Wer in diesen Tagen mit Vertretern internationaler Finanzhäuser spricht, hört immer wieder einen Satz: „Im kommenden Jahr wird an den amerikanischen Finanzmärkten die Inflation zu einem bedeutenden Thema.“ Denn die in den vergangenen Monaten veröffentlichten Wirtschaftsdaten gestatten den Schluss, dass die amerikanische Wirtschaft auch nach einem bald neunjährigen Konjunkturaufschwung nicht müde wird. „Im kommenden Jahr dürften Konsumenten und Unternehmen von einer steuerlichen Entlastung profitieren, was die Nachfrage weiter anheizen wird“, heißt es in einem Ausblick der Helaba. „Am Arbeitsmarkt ist das Ziel der Vollbeschäftigung bereits seit einiger Zeit erreicht.“ Und wenn die Wirtschaft läuft und die Arbeitslosigkeit niedrig ist, dürften 2018 nach Ansicht vieler Ökonomen und Analysten in Finanzhäusern höhere Lohn- und Preissteigerungen zu erwarten sein als in den Vorjahren.

          Wer sehen möchte, wo der Markt in der nahen Zukunft den Inflationstrend vermutet, muss auf die Rendite zweijähriger amerikanischer Staatsanleihen schauen. Anders als bei den häufig zitierten Renditen zehnjähriger Staatsanleihen hängen die Renditen der zweijährigen Papiere stark von den Erwartungen an die Geldpolitik der Notenbank Fed ab. Im Anstieg der zweijährigen Anleiherenditen, der sich in den vergangenen Monaten beschleunigt hat, drückt sich die Erwartung des Marktes auf mehrere Leitzinserhöhungen der Fed im kommenden Jahr aus. „Die Fed dürfte den Zielkorridor für den Leitzins bis Ende 2018 auf 2 bis 2,25 Prozent anheben.“ In der Folge werde die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen von derzeit 2,40 auf 3 Prozent steigen. Wegen der dominierenden Stellung des amerikanischen Anleihemarkts würden auch in Deutschland die Anleiherenditen steigen.

          Neben der Wirtschaftslage spielen die personellen Veränderungen in der amerikanischen Notenbank eine wichtige Rolle in den Überlegungen der Finanzhäuser. Denn die Vorsitzende der Fed, Janet Yellen, wird die Notenbank im Februar kommenden Jahres verlassen und den Stab an Jerome „Jay“ Powell übergeben. Nach Ansicht vieler Fachleute an der Wall Street dürfte Powell keine grundsätzlich andere Geldpolitik als Yellen betreiben, obgleich er den Republikanern nahesteht und Yellen den Demokraten. Allerdings geben geldpolitische Tauben von regionalen Zentralbanken im vorgesehenen Rotationsverfahren ihre Stimmen ab, zudem wurde mit Marvin Goodfriend ein Falke nominiert. Yellen hat allerdings selbst schon seit einiger Zeit im übertragenen Sinne den Fuß vom geldpolitischen Gaspedal genommen. Nicht nur wurde in ihrer Amtszeit mehrfach der kurzfristige Leitzins erhöht. Die Fed hat in diesem Jahr auch beschlossen, mit dem Abbau ihrer rund 4,5 Billionen Dollar betragenden Anleihebestände zu beginnen. Dieser Abbau beginnt langsam, um an den Finanzmärkten keine schweren Störungen zu provozieren, aber das monatliche Volumen, um das die Anleihebestände schrumpfen werden, soll im Laufe der Zeit zunehmen.

          Für viele Diskussionen sorgt an den Finanzmärkten daneben, dass zwar die Renditen kurzlaufender amerikanischer Staatsanleihen spürbar gestiegen sind, die Renditen langlaufender Anleihen hingegen nicht. Damit sind die Renditeabstände zwischen langlaufenden und kurzlaufenden Anleihen deutlich geschrumpft. Früher wurde aus einer solchen Beobachtung der Schluss gezogen, der Markt stelle sich auf einen Fall der Wirtschaft in eine Rezession ein, aber in der heutigen Situation finden sich viele Marktteilnehmer, die auf solche alten Reaktionsmuster nichts mehr geben. Die in großer Frequenz veröffentlichten Daten zur amerikanischen Konjunktur geben auch keinen Anlass für wirtschaftlichen Pessimismus.

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