https://www.faz.net/-gv6-a28mw

Chinesische Unternehmen : Amerika droht mit Rauswurf an der Börse

Amerikas Finanzminister Steven Mnuchin Bild: AP

Chinesische Unternehmen sollen die gleichen Standards für die Prüfung ihrer Jahresabschlüsse einhalten – sonst müssen sie die amerikanische Börse bis Ende 2021 verlassen.

          2 Min.

          Der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin hat die Absicht der Regierung präzisiert, chinesische Unternehmen von amerikanischen Börsen zu verbannen, wenn sie nicht den Buchführungsregeln folgen. Die Firmen haben nach den Worten des Ministers bis Ende 2021 Zeit, ihre Bilanzen in Ordnung zu bringen.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Das Finanzministerium hatte der amerikanischen Börsenaufsicht SEC eine entsprechende Empfehlung vorgelegt und erwartet deren Umsetzung, machte Mnuchin deutlich. Zuvor hatte schon der Senat einmütig beschlossen, chinesische Firmen an amerikanischen Börsen zur Übernahme der Buchführungsstandards zu zwingen.

          Der Vorstoß wird als Versuch gedeutet, empfundene Ungleichgewichte in der Geschäftsbeziehung zwischen China und den Vereinigten Staaten zu beseitigen. Chinesische Behörden verweigern amerikanischen Aufsichtsstellen nach deren Angaben häufig den Einblick in Wirtschaftsprüfungsberichte. Eine Vereinbarung zwischen beiden Ländern sieht vor, dass amerikanische Bilanzprüfer die Einsicht bei chinesischen Stellen beantragen können. Doch das vorgesehene Verfahren hat aus amerikanischer Perspektive selten zur gewünschten Einsichtnahme geführt. Die chinesischen Unternehmen weisen aber in der Regel Testate von internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften vor.

          Erste chinesische Firmen erwägen nach Medienberichten nun, sich von den amerikanischen Aktienmärkten zurückzuziehen. Amerikanische Investmentbanken fürchten nun um Aufträge bei Börsengängen. Rund 230 chinesische Unternehmen sind an der Technologiebörse Nasdaq und an der New York Stock Exchange notiert. Zusammen repräsentieren sie einen Börsenwert von 1,8 Billionen Dollar.

          Kritik am Vorstoß der Regierung kommt von der marktliberalen Denkfabrik Peterson Institute for International Economics. Der Versuch, chinesische Firmen von den amerikanischen Börsen zu verbannen, sei untauglich. Weder würden die Unternehmen von amerikanischem Kapital abgeschnitten, noch würde damit das Wachstum Chinas gedämpft. Die Autoren der Studie argumentieren, dass Kapital global sei. Die Firmen könnten amerikanische Investoren auch über die Börse in Hongkong oder über Private Equity für Beteiligungen gewinnen.

          Tatsächlich haben amerikanische Private-Equity-Gesellschaften wie Warburg und General Atlantic erst jüngst Beteiligungen an chinesischen Unternehmen bekanntgegeben. Hongkongs Börse wiederum ist für ausländisches Finanzkapital zugänglich. Technologiekonzerne wie Alibaba, JD.com und Netease machen sich diesen Umstand zunutze und bieten Aktien auch in Hongkong an. In dem Bericht wird auch darauf hingewiesen, dass die chinesische Regierung die strengen Auflagen für amerikanische Finanzhäuser gelockert hat. So wurde sowohl Goldman Sachs als auch Morgan Stanley erlaubt, ihre Anteile an chinesischen Wertpapierhäusern auf 51 Prozent zu erhöhen. American Express sei ebenfalls in den Genuss von Geschäftserleichterungen gekommen. Die offenbar von Präsident Donald Trump angestrebte Entkopplung der beiden Volkswirtschaften werde damit unwahrscheinlich.

          Weitere Themen

          Keine Zeit für die perfekte Lösung

          Nachhaltige Finanzindustrie : Keine Zeit für die perfekte Lösung

          Wie schnell die Finanzbranche sich in Richtung Nachhaltigkeit transformieren soll, darüber wurde auf dem European Sustainable Finance Summit unter anderem mit Deutsche-Bank-Chef Sewing diskutiert. Die Ansichten gingen durchaus auseinander.

          Topmeldungen

          Bayern und atomares Endlager : Die ganze Soße nochmal von vorne

          Der Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Entsorgung sieht etliche Gebiete in Bayern als potentielle Lagerstätte für Atommüll. In der CSU schürt das die Angst, dass im Freistaat wieder eine Wackersdorf-Stimmung aufkommen könnte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.