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„Cloud Computing“ : Technologiegiganten übertreffen Erwartungen

Bürogebäude von Microsoft in der amerikanischen Stadt Cambridge Bild: Reuters

Amazon, Alphabet, Microsoft: Die Technologiebranche überzeugt mit hohen Quartalszahlen. Die guten Ergebnisse haben einen gemeinsamen Nenner. „Cloud Computing“ ist das Stichwort. Was hat es damit auf sich?

          4 Min.

          Die amerikanische Technologiebranche hat am Donnerstag nach Börsenschluss für gute Nachrichten gesorgt: Der Online-Händler Amazon.com, die Alphabet-Holding um das Internetunternehmen Google und der Softwarekonzern legten jeweils Zahlen für das abgelaufene Quartal vor, die deutlich über den Erwartungen lagen. Den größten Schub im nachbörslichen Handel gab es für Amazon mit einem Kursplus von zeitweise 8 Prozent. Die Aktienkurse von Alphabet und Microsoft legten jeweils um mehr als 3 Prozent zu. Alphabet übersprang dabei zwischenzeitlich die Marke von 1000 Dollar und erreichte ein neues Allzeithoch.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Ergebnisse von Amazon, Alphabet und Microsoft haben einen gemeinsamen Grund: Für sie alle wird „Cloud Computing“ immer wichtiger. Sie stellen Unternehmen Computerkapazitäten zur Verfügung und helfen ihnen damit, ihre Informationstechnik auszulagern. Amazons Cloud-Sparte AWS ist zwar noch viel kleiner als das Kerngeschäft mit dem Online-Handel, wächst aber schneller und ist deutlich profitabler. Amazon hat sogar gesagt, eines Tages könnte das Cloud-Geschäft mehr Umsatz bringen als der Online-Handel.

          Auch in der Alphabet-Holding, die noch immer den mit Abstand größten Teil ihres Umsatzes mit Online-Werbung macht, ist das Cloud-Geschäft noch vergleichsweise klein, wächst aber rasant. Finanzchefin Ruth Porat hob es in einer Telefonkonferenz als einen der wichtigsten Wachstumstreiber hervor. Microsofts Cloud-Plattform Azure gehört im Unternehmen schon seit geraumer Zeit zu den Produkten mit dem stärksten Umsatzwachstum, im abgelaufenen Quartal gab es ein Plus von 90 Prozent. In die Cloud-Rubrik fällt auch Office 365, die internetbasierte Version von Microsofts Bürosoftware, die ebenfalls deutlich mehr Umsatz brachte. Die verschiedenen Cloud-Produkte von Microsoft erreichen nach Angaben des Unternehmens inzwischen einen Umsatz, der auf das gesamte Jahr hochgerechnet 20 Milliarden Dollar übersteigen würde.

          Amazon baute seinen Konzernumsatz in den vergangenen drei Monaten um 34 Prozent auf 43,7 Milliarden Dollar aus, Analysten hatten im Schnitt mit 42,1 Milliarden Dollar gerechnet. AWS schaffte ein Umsatzwachstum um 42 Prozent auf 4,6 Milliarden Dollar. Wie wichtig die Cloud-Sparte für Amazon ist, zeigt sich aber noch mehr im Ergebnis. So brachte AWS einen Betriebsgewinn von 1,2 Milliarden Dollar ein, im restlichen Geschäft gab es dagegen einen Verlust von 824 Millionen Dollar. Ohne Cloud Computing wäre Amazon also defizitär. Der Nettogewinn betrug im Gesamtkonzern 256 Millionen Dollar. Das Ergebnis je Aktie lag bei 52 Cent, Analysten hatten nur mit drei Cent gerechnet.

          Die im August übernommene Supermarktkette Whole Foods steuerte einen Umsatz von 1,3 Milliarden Dollar und einen Betriebsgewinn von 21 Millionen Dollar bei. Amazon hat nach der Übernahme die Preise für einige Produkte bei Whole Foods deutlich gesenkt - und wirkt damit dem Ruf der Kette als sehr teure Einkaufsstätte entgegen. Finanzvorstand Brian Olsavsky wollte aber nicht verraten, inwiefern sich dies auf Kundenzahlen in den 465 Supermärkten ausgewirkt habe. Auch mit seinen Plänen für den Neuerwerb hielt er sich bedeckt. Er deutete lediglich an, dass Online-Bestellungen künftig eine größere Rolle bei Whole Foods spielen werden, und er wiederholte, dass Amazon-Kunden, die das Versandangebot „Prime“ abonnieren, künftig in den Supermärkten in den Genuss von Vergünstigungen kommen werden. Er sagte weiter, Whole Foods sei eine gute Basis für weitere Experimente im physischen Einzelhandel. Amazon testet schon mehrere Supermarktkonzepte und hat auch ein Dutzend eigener Buchläden.

          Bei Alphabet kommt fast alles von Google

          Alphabet steigerte den Umsatz um 24 Prozent auf 27,8 Milliarden Dollar, was leicht über den Erwartungen lag. Fast der gesamte Umsatz kommt von Google, wozu neben der gleichnamigen Suchmaschine auch Produkte wie das Handy-Betriebssystem Android oder die Videoseite Youtube gehören. 88 Prozent des Google-Umsatzes entfallen noch auf Werbung, aber die anderen Aktivitäten, wozu Cloud Computing und eigene Hardwareprodukte gehören, wachsen schneller. Ihr kombinierter Umsatz stieg um 40 Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar. Google setzt in jüngster Zeit verstärkt auf eigene Hardware und hat zum Beispiel gerade erst eine neue Generation seiner Smartphone-Reihe „Pixel“ vorgestellt. Der Konzern hat auch das Assistenzsystem „Google Home“ und die damit verbundene Software „Google Assistant“ im Programm, Konkurrenzprodukte zu Amazons „Echo“-Assistenten und „Alexa“-Software. Google-Vorstandsvorsitzender Sundar Pichai sagte, sein Unternehmen betreibe das Hardwaregeschäft „sehr ernsthaft“.

          Das Kerngeschäft mit Werbung ist offenbar von einer Kontroverse um Youtube in diesem Jahr nicht allzu sehr beeinträchtigt worden. Einige Werbekunden hatten Youtube boykottiert, nachdem Anzeigen neben antisemitischen und anderen extremistischen Inhalten aufgetaucht waren. Finanzchefin Porat sagte jetzt aber, die „überwältigende Mehrheit“ von Werbekunden sei Youtube die ganze Zeit treu geblieben, und viele von denjenigen, die abgesprungen seien, seien wieder zurück.

          Neben Google hat Alphabet noch eine Reihe anderer Tochtergesellschaften wie das Medizintechnikunternehmen Verily, Nest, einen Anbieter von Haushaltsprodukten, die mit dem Internet verbunden sind oder Waymo, ein Spezialist für selbstfahrende Autos. Diese Einheiten bringen aber bislang nur sehr überschaubare Umsätze, im vergangenen Quartal waren es kombiniert 302 Millionen Dollar. Sie sind außerdem defizitär und erwirtschafteten einen Verlust von 812 Millionen Dollar.

          Microsofts Umsatz stieg um 12 Prozent auf 24,5 Milliarden Dollar, die Prognose von Analysten hatte bei 23,6 Milliarden Dollar gelegen. Zum Wachstum trug das im vergangenen Dezember übernommene Karrierenetzwerk Linkedin bei, das einen Umsatz von 1,1 Milliarden Dollar erzielte. Neben den Cloud-Aktivitäten schaffte Microsoft diesmal auch im angestammten Geschäft mit dem Betriebssystem Windows höhere Umsätze, auch im Geschäft mit dem hauseigenen Laptop der Surface-Reihe gab es Wachstum. Das Geschäft mit der Spielekonsole Xbox war dagegen einmal mehr rückläufig. Der Konzerngewinn lag bei 6,6 Milliarden Dollar, das Ergebnis je Aktie von 84 Cent war um 12 Cent besser als erwartet. Linkedin ist derzeit allerdings noch defizitär und brachte einen Betriebsverlust von 294 Millionen Dollar.

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