https://www.faz.net/-gv6-99gi0

Gutachten : Alno war schon 2013 zahlungsunfähig

  • Aktualisiert am

Produktion bei Alno im Jahr 2002: Schon damals steckte der Küchenhersteller seit Jahren in der Krise. Bild: ddp

Der Küchenbauer Alno war laut einem Gutachten schon vier Jahre vor dem Insolvenzantrag zahlungsunfähig. Schadenersatzprozesse sind nun wahrscheinlich.

          1 Min.

          Der Küchenbauer Alno ist einem Gutachten von Wirtschaftsprüfern zufolge schon im Jahr 2013 zahlungsunfähig gewesen. Die von Insolvenzverwalter Martin Hörmann in Auftrag gegebene Analyse, die zu diesem Ergebnis kommt, liege nun vor, hieß es am Dienstag in einer Pflichtmitteilung der insolventen Alno AG. Hörmann werde auf dieser Grundlage nun Schadenersatz- und Rückzahlungsansprüche geltend machen.

          Den Verdacht, dass Alno nicht erst vergangenen Sommer zahlungsunfähig war, als die Insolvenz angemeldet wurde, hatte Hörmann auf Basis erster Begutachtungen bereits Anfang Januar geäußert. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung. Unter dem Namen Neue Alno GmbH werden in Pfullendorf mittlerweile wieder Küchen produziert.

          Der Küchenbauer hatte im Juli 2017 einen Insolvenzantrag gestellt. Um Alno stand es schon länger schlecht. Seit dem Börsengang 1995 hatte der Küchenkonzern mit Ausnahme eines Jahres immer Verlust gemacht. Auch der Einstieg der bosnischen Investorenfamilie Hastor 2016 brachte keine Wende.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Schon Ende der Neunziger Jahre war die Dividende gestrichen worden und hatten die Beschäftigten einen Lohnverzicht leisten müssen. Im Mai 2000 hatte Arthur Nothdurft, Sohn des 1997 verstorbenen  Firmengründers Albert Nothdurft zunächst den Vorstandsvorsitz und kaum ein Jahr später wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Vorstand den Aufsichtsratsvorsitz niedergelegt. Albert Nothdurft hatte bis zu seinem Tod mit 91 Jahren gemeinsam mit seinem Sohn die Geschäfte geführt.

          Der Umsatzrückgang hielt im Trend seit 2006 an. Vorübergehende Besserung brachte die Übernahme des Schweizer Marktführers AFG zu Beginn des Jahres 2014. Doch im Februar 2017 vermeldete Alno einen operativen Verlust von 14 Millionen Euro und nannte als Ursache einen „unerwartet hohen Ergebnisrückgang der Schweizer Konzerntöchter“.

          Die ursprünglich einmal für 59 D-Mark verkaufte Aktie war 1999 noch für mehr als 11 Euro gehandelt worden. 2012 war ihr Kurs zum ersten Mal unter einen Euro gefallen. Am Dienstag werden noch 7 Cent bezahlt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Kommunalwahlen in NRW sind für die SPD von existentieller Bedeutung: Die Partei kann sich nur stabilisieren, wenn ihnen ihre kommunale Basis nicht wegbricht.

          Verschuldete Kommunen : Werden die Altschulden zur tickenden Zeitbombe?

          Die Lösung des Altschulden-Problems hat sich die große Koalition fest vorgenommen. Gerade die von der SPD regierten Großstädte im Ruhrgebiet würden von Bundeshilfe profitieren – bisher verhält sich Nordrhein-Westfalen jedoch merkwürdig passiv.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.