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Bank of England : Selbstbewusste Notenbank

Bank of England in London: Anmutung einer Festung Bild: AP

Statt EU-Regeln nach dem Brexit zu akzeptieren, solle die britische Finanzwirtschaft den Alleingang unternehmen, heißt es von der britischen Notenbank.

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          Obwohl der britischen Finanzwirtschaft der Verlust des vollen Marktzugangs zur Europäischen Union droht, schlägt Großbritanniens Notenbankchef Andrew Bailey einen eher selbstbewussten Ton an. Man solle auf den vollen Zugang zum EU-Markt nach dem Brexit besser verzichten, als sich zum „Regel-Nehmer“ degradieren zu lassen, sagte Bailey in einer Anhörung im Unterhaus. Die Forderung der EU, dass die Londoner Regulierung sich ihr anzupassen habe, sei „problematisch“. Der kurz vor Jahresende ausgehandelte Freihandelsvertrag zwischen EU und Großbritannien umfasst nur den Warenhandel, nicht Dienstleistungen. Für Finanzdienste wird bis zum Frühjahr um ein Abkommen gerungen.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Brüssel kann Marktzugang gewähren, wenn es die britische Regulierung für bis zu 40 Einzelfelder für „äquivalent“, also gleichwertig mit EU-Regeln erklärt. In der Londoner City gibt es aber schon lange Stimmen, die eine Überregulierung aus Brüssel beklagen. Bailey warnte, der Preis könne „zu hoch“ sein. „Ich empfehle stark, dass wir kein Regelnehmer werden. Wenn der Preis dafür dann Nichtäquivalenz ist, dann fürchte ich, wird das so kommen.“ Bis März soll ein vorläufiges Abkommen stehen.

          Seit dem 1. Januar ist der Handel mit in Euro nominierten Aktien an der Londoner Börse LSE vorerst nicht mehr möglich, weil die EU die Londoner Regulierung nicht für „äquivalent“ erklärt hat. Dies bedeutet, dass große Werte der deutschen, französischen, italienischen oder spanischen Aktienindizes nicht mehr direkt an der Themse verkauft und gekauft werden können. Der LSE geht damit ein tägliches Umsatzvolumen von 6 Milliarden Pfund verloren. Das ist mehr, als mit britischen Aktien täglich umgesetzt wird.

          Der Handel hat sich nach Frankfurt, Paris oder Amsterdam verlagert, zeigen Daten von Refinitiv. Vor dem Brexit liefen zeitweise bis zu ein Drittel des Euro-Aktienhandels über London. In puncto Arbeitsplätze bedeutet dies indes bislang keine großen Veränderungen, sagen Fachleute. Die Londoner Banken brauchen zwar jetzt einen Kundenmanager in der EU, doch die Produkthändler sitzen meist weiter an der Themse. Schätzungen zufolge sind bisher 5500 bis 7000 Arbeitsplätze aus London in EU-Finanzzentren verlagert worden.

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