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Furioses IPO : Allegro rockt die Börse Warschau

Allegro-Logo Bild: Reuters

Warschau erlebt einen Börsengang der Superlative. Der Online-Händler Allegro wird auf einen Schlag das wertvollste Unternehmen an der polnischen Börse.

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          Glücklich, wer in der Zuteilung neuer Aktien ded polnischen Börsendebutanten Allegro zum Zuge gekommen war. Die Aktie des Online-Handelshauses startete am Montag mit einem Kursplus von mehr als 50 Prozent gegenüber dem zum Ausgabekurs an der Warschauer Börse in den Handel. Die erste Notiz lautete auf 65 Zloty. Das sind umgerechnet 14,30 Euro, nachdem die Eigner sie zu 43 Zloty (9,46 Euro) ausgegeben hatten. Später zog der Kurs weiter an.

          Eine Ebay-Kopie

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Der im Jahr 1999 in Posen (Poznan) als Konkurrent zu Ebay gegründete Online-Händler, von dem nun ein Fünftel der Aktien im Streubesitz ist, wird damit auf umgerechnet 16 Milliarden Euro bewertet. Nach Berechnungen der Agentur Reuters ist Allegro damit auf einem Schlag das wertvollste Unternehmen an der Warschauer Börse, weil es den bisher führenden Computerspielehersteller CD Projekt überholt hat.

          Allegro ist die bekannteste E-Commerce-Marke Polens, das Unternehmen ist auch in Nachbarstaaten Osteuropas aktiv. Die Internetseite mit mehr als 750000 Produkten zieht monatlich 20 Millionen Besucher an. Wie andere Online-Händler auch hat Allegro von der Corona-Pandemie profitiert, weil der Versandhandel seine Umsätze ausbauen konnte.

          Die große Nachfrage nach den Papieren des Unternehmens hatte sich schon abgezeichnet. Mit 231,5 Millionen Aktien hatten die Eigner mehr Papiere abgegeben als zunächst geplant. Vor allem die Private-Equity-Fonds Cinven, Permira und Mid Europa Partners konnten damit deutliche Gewinne einstreichen. Das Konsortium hatte Allegro vor vier Jahren für umgerechnet drei Milliarden Euro von dem südafrikanischen Medienkonzern Naspers gekauft.

          Der Allegro-Vorstandsvorsitzende Francois Nuyts sagte in Warschau, man werde sich nun auf „die nächste Wachstumsphase“ konzentrieren, die elektronische Plattform verbessern „und zu einem noch besseren Ort für Verbraucher und Händler machen“.

          Zweitgrößter Börsengang aller Zeiten

          Der Börsengang ist einer der größten in diesem Jahr in Europa und der zweitgrößte in Warschau überhaupt. An der größten Wertpapierbörse Osteuropas hofft man, dass das erfolgreiche Börsendebüt von Allegro einen Wendepunkt markiere. Zuletzt hatte der Handelsplatz – wie andere auch – Schwierigkeiten, neue Aspiranten für den Gang auf das Parkett zu gewinnen.

          Innenpolitische Streitigkeiten in der Regierungskoalition hatten den Markt zuletzt belastet. Doch dürften diese nun überwunden sein, sagte Henning Esskuchen, Leiter Aktienresearch der Erste Group Bank AG. Unter der Voraussetzung, dass nicht galoppierende Corona-Neuinfektionen alles in Frage stellten, erwarte er auch in Polen eine tendenziell schnellere Erholung, als zunächst prognostiziert. Angesichts der Gewinnerwartungen von durchschnittlich 16 Prozent seien die aktuellen Bewertungen „durchaus günstig“. Er sehe Polen als Favoriten innerhalb der Märkte in der Region. Zudem biete die Warschauer Börse die breiteste Auswahl an Sektoren. Erste Group favorisiere den Bau-Bereich der wenig unter dem Lockdown gelitten habe, aber bessere Margen erziele. Auch Technologiewerte seien interessant, insbesondere aus den Feldern „Gaming“ und Biotech, wo einige Neuzugänge interessante Optionen böten.

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