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Internationale Finanzmärkte : Wachstum ist kein Selbstzweck

Der amerikanische Aktienmarkt bleibt spannend. Bild: Reuters

Für das Investmenthaus Alger Capital kommt es auf die Balance im Portfolio an. Die jüngsten politischen Entwicklungen haben einen deutlichen Einfluss auf die Anlagestrategie.

          Politische Börsen sollen ja eigentlich vernachlässigbar sein, weil sie ohnehin einen kurzen Atem hätten. Geht es um den amerikanischen Aktienmarkt, kommt derzeit aber kaum ein Anleger oder Vermögensverwalter an der Politik vorbei, dominieren doch die oft erratischen Einfälle des amtierenden Präsidenten das Umfeld der Börse. Für Amy Zhang, die für das Investmenthaus Alger Capital einen Nebenwertefonds für kleine Wachstumsunternehmen managt, ist jedoch entscheidend, wie sich das einzelne Unternehmen darstellt und das volkswirtschaftliche – sowie politische – Umfeld sich auf dieses konkret auswirkt.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zhang ist in der männlich dominierten Fondsbranche, in der allenfalls jede zehnte Position von einer Frau besetzt wird, immer noch eher eine Ausnahme. Möglicherweise hat dies auch mit ihrem Arbeitgeber zu tun. Alger Associates ist die vielleicht einzige Investmentboutique der Welt, deren Eigentümer alle Frauen sind, nämlich die drei Töchter von Gründer Fred Alger.

          Die Geschichte des Unternehmens ist nicht ohne Tragik: 1964 gegründet, kamen fast alle Mitarbeiter bei den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 ums Leben. Doch die Eigentümer beschlossen, das Unternehmen neu aufzubauen. Heute verwaltet Alger wieder ein Vermögen von 27 Milliarden Dollar.

          „Wir investieren in Frühphasen, aber nicht in Start-ups“

          Auch wenn Zhang sich als Stockpickerin versteht, haben die jüngsten politischen Entwicklungen einen deutlichen Einfluss auf ihre Anlagestrategie. „Geschätzte 80 Prozent der Umsätze der Unternehmen in unserem Portfolio entstehen in den Vereinigten Staaten. Wir glauben, dass dies angesichts der aktuellen Handelskonflikte für uns ein wichtiger Faktor ist.“

          Zhang sucht Wachstumsunternehmen, die einen Wettbewerbsvorsprung haben. Entscheidend sei Preissetzungsmacht und die Abwesenheit von Preisdruck. Dabei komme es darauf an, zum richtigen Zeitpunkt investiert zu sein, sie eben dann zu entdecken, wenn der Markt das Potential noch nicht eingepreist hat.

          „Wir investieren in Frühphasen, aber nicht in Start-ups“, stellt sie klar. Ihr Verhältnis zu Wachstumsunternehmen ist durchaus kritisch. „Unternehmenslenker, die übermächtig erscheinen, wollen oft nur wachsen, um zu wachsen. Es ist aber wichtig, die Balance zu finden. Zu viele Gelegenheiten können ein Unternehmen aus der Bahn werfen. Eine Vision muss man zwar haben, sonst geht ein Unternehmen möglicherweise ein. Aber eine Vision allein reicht auch nicht aus.“

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          Darum ist für Zhang auch die bilanzielle Situation wichtig. „In unserem Portfolio ist das durchschnittliche Verhältnis von Schulden zu Kapital daher erheblich geringer als etwa im S&P 500. Zu viel Fremdkapital kann gerade für kleine Unternehmen tödlich sein. Und die Unternehmensverschuldung in Amerika ist unserer Meinung nach sowieso schon zu hoch. Wir glauben, dass sie sogar Auslöser einer neuen Finanzkrise sein könnte.“ Zwei Branchen dominieren ihren Fonds: Gesundheit und IT. Aktien dieser beiden Branchen machen fast 80 Prozent des Portfolios aus.

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