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Panne beim Aktiensplit : Apple macht Anleger über Nacht reicher

Eine Frau läuft in San Francisco an einem Apple-Logo vorbei Bild: AFP

Wegen eines Computerfehlers haben sich am Samstag in manchen Depots die Werte des Tech-Giganten vervierfacht. Schuld ist der bevorstehende Aktiensplit.

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          Georg Fortinger staunte nicht schlecht, als er am Samstag früh wie jeden Morgen in sein Onlinedepot schaute. „Fast hätte ich meinen Frühstückskaffee verschüttet, ich war über Nacht reicher geworden“, sagt er. Fortinger, der eigentlich anders heißt, besitzt 14 Aktien des amerikanischen Technikkonzerns Apple. Zu Börsenschluss am Freitagabend war jede von ihnen etwa 420 Euro wert, so dass sich der Gesamtwert im Depot auf 5880 Euro belaufen hatte. Dann aber, am Samstag früh, betrug die Stückzahl auf sonderbare Weise plötzlich 56 Aktien, die mit 23.520 Euro zu Buche schlugen.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          „300 Prozent Steigerung über Nacht, das schafft ja Bitcoin kaum“, scherzt Fortinger. „Die Apple-Aktie läuft super, aber das erschien mir dann doch zu schön, um wahr zu sein.“ Also rief er bei seiner Direktbank und fragte, wie es zu der wundersamen Geldvermehrung gekommen sei. Der Berater am Telefon war freundlich, hörte von dem Vorfall aber zum ersten Mal. Er erkundigte sich, während Fortinger in der Warteschleife blieb, und hatte schon nach kurzer Zeit eine nachvollziehbare Erklärung parat. 

          Schuld sei der Aktiensplit von Apple, erfuhr der Anleger. Denn am kommenden Montag, dem 31. August, werden aus einer alten Aktie des Tech-Giganten vier neue. Fortinger werden also tatsächlich 56 statt 14 Anteilsscheine gehören, nur dass dann jeder einzelne ein Viertel des früheren Werts aufweist. Die Depotbuchung des vierfachen Bestands erfolgte allerdings schon am Freitag – fälschlicherweise noch zum alten Stückpreis. „Das liegt am Ablauf des Computersystems und dürfte eigentlich nicht passieren“, entschuldigte sich der Bankmitarbeiter. Übers Wochenende werde man den Fehler beheben.

          Halb im Spaß erkundigte sich Fortinger, ob er seine 56 Aktien nicht schnell noch zum alten Kurs verkaufen könnte, um Kasse zu machen. Das aber sei nicht möglich, sagte man ihm, da der Handel erst am Montag wieder aufgenommen werde – zum neuen, reduzierten Stückpreis.

          Der Privatinvestor nimmt‘s gelassen, auch ohne Tricksereien ist er mit Apple gut gefahren: Innerhalb von fünf Jahren hat sich der Kurs seiner Anteile sogar mehr als vervierfacht. Allein seit Jahresbeginn beträgt das Plus 60 Prozent. Tesla-Anteile hat Fortinger übrigens nicht, weshalb er nicht weiß, ob sich damit in seinem Depot ähnlich Skurriles abgespielt hätte wie mit dem iPhone-Hersteller. Denn auch Tesla will in der kommenden Woche seine Aktien in kleinere Stücke teilen.

          Begründet werden die Kapitalmarktmaßnahmen damit, dass man die Unternehmensanteile durch die Verbilligung einer breiteren Anlegerschicht zugänglich machen könne. Für Apple ist es bereits der fünfte Aktiensplit: 1987, 2000 und 2005 bekamen seine Anteilseigner zwei Aktien je gehaltenem Papier. 2014 wurden aus jedem Titel sogar sieben Aktien.

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