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Aktienmärkte : Wall Street wieder tief im Minus

Wall Street: Derzeit kein schöner Arbeitsplatz Bild: AP

Auch ach der Eröffnung der amerikanischen Börsen geht der Kursverfall weiter. Der Dow-Jones-Index unterschreitet die Marke von 20.000 Punkten.

          2 Min.

          Manchmal möchte man meinen, der Unterschied zwischen der Entwicklung des deutschen und des amerikanischen Aktienmarktes spiegele den Unterschied in der Mentalität der Völker wieder. Während die deutsche Börse in eine dauerhaft negative Stimmung (“German Angst“) verfallen zu sein scheint, wechselt die amerikanische fast täglich von Kaufrausch zu Verkaufskater.

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          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Dienstag stieg der Dax um moderate 2,25 Prozent stieg, der amerikanische S&P-500-Index um 6 Prozent zu. Das war der zehntgrößte Kursgewinn seit 1950.

          Und am Mittwoch geht die Stampede wieder in die andere Richtung, 5,5 Prozent Minus verbucht der S&P-500 zur Handelseröffnung und der Dow-Jones-Index fällt um knapp 6 Prozent und zum ersten Mal seit Anfang 2017 unter die Marke von 20.000 Punkten.

          Die amerikanische Börse zeigt sich in den vergangenen Tagen von ihrer extremen Seite: Sie verzeichnet bisher nicht nur drei ihrer größten Tagesverluste, sondern auch drei ihrer größten Zugewinne. Das war das letzte Mal in den frühen Dreißiger Jahren der Fall - was die Außerordentlichkeit der aktuellen Börsenlage noch einmal belegt.

          Der deutsche Aktienmarkt ging am Mittwoch ebenfalls schon zum Handelsstart in die Knie, nachdem er am Vortag noch so stark wie seit dem 11. Oktober 2019 nicht mehr zugelegt hatte. Nach dem Wall-Street-Start legte er noch eine drauf: Aktuell beträgt das Minus des Standardwerteindex Dax knapp 6 Prozent. Mit 8406  auf Punkte ist der Stand vom Sommer 2013 erreicht.  Der marktbreite F.A.Z.-Index fällt 5,3 Prozent auf 1.530 Zähler.

          Schon am Morgen war klar, dass die Wall Street ihre sehr feste Tendenz vom Vorabend nicht würde halten konnte. Die Terminkontrakte auf den S&P-500-Index nach und zeigten für den Mittwoch ein Minus von 3,7 Prozent an. Das fiel jetzt noch höher aus, weil die Kontrakte an das untere Begrenzungsband gestoßen waren, das die Börse Chicago bei 4 Prozent eingezogen hat.

          Populistische Muster?

          Auslöser für die neuerliche Kehrtwende in Amerika war eine Aussage von Finanzminister Steven Mnuchin, der sagte, wegen des Coronavirus könne die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten bis auf  20 Prozent stiegen, wenn die Regierung nichts unternehme.

          Es scheint hier ein Muster zu geben. Politiker des eher populistischen Lagers haben die Gefahr, die von der Pandemie ausgeht, zunächst heruntergespielt, bisweilen als Verschwörung lächerlich gemacht. Jetzt aber übertreffen sie sich mit Weltuntergangsszenarien: der Präsident der Philippinen, Robert Dutarte, schließt die Börse, der australische Premier Morrison schwört sein Land auf ein länger währendes Leiden ein und nun Mnuchin. Vielleicht kann man ja als Retter erscheinen, wenn alles dann doch nicht so schlimm wird. Gemäßigtere Politiker bemühen sich dagegen um Beruhigung.

          Derzeit spielt das für die Börse allerdings keine Rolle, denn dort regiert die Angst und der Mangel an Information über die Folgen der Krise, die es nicht geben kann. Am Dienstag überwogen noch Hoffnungen, geweckt durch erste Details über ein Regierungsprogramm, das diskutiert werde:  Ein Gesamtumfang von 1,2 Billionen(!) Dollar, 500 Milliarden als Zahlung an Privathaushalte und ein Moratorium für Hypothekenzahlungen seien im Gespräch.

          Auch der Ausblick, den Analysten geben, macht derzeit wenig Hoffnung.Es sei keine Frage, ob es eine Rezession im Gefolge der Pandemie gebe, sondern wie schlimm und wie lang diese sein werde, meint etwa Ipek Ozkardeskaya, leitende Analyst der Swissquote Bank. Der globale Nachfrageschock werde härter als der nach 2008. Die gesamte Bevölkerung sei betroffen: finanziell, physisch und psychologisch.

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