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Aktienmarkt : Was kommt auf Fresenius zu?

  • Aktualisiert am

Vorstandschef Stephan Sturm der Fresenius SE Bild: Reuters

Spekulationen zu Problemen im Rechtsstreit über die abgeblasene Übernahme des amerikanischen Generikaherstellers Akorn treiben Anleger von Fresenius um. Was ist da los?

          Im Streit um die abgesagte Übernahme des Generikaherstellers Akorn fürchtet der Medizinkonzern Fresenius bei einer Niederlage hohe Kosten. Der Aktienkurs des Bad Homburger Gesundheitskonzerns geriet nun nach einem Agenturbericht über neue Aussagen eines Fresenius-Managers unter Druck.

          Am späteren Vormittag sackten die Aktien von Fresenius als Schlusslicht im Leitindex Dax im Tief um fast 5 Prozent ab auf 65,36 Euro und fielen auf den tiefsten Stand seit Ende Mai. Zuletzt lagen sie noch mit 3,6 Prozent im Minus. Seit dem Jahreshoch bei 71,36 Euro haben sie nun wieder gut 7 Prozent eingebüßt. Fresenius lehnte eine Stellungnahme ab. Akorn will die 4,4 Milliarden Euro schwere Übernahme durch Fresenius juristisch durchsetzen, die die Hessen im April abgesagt hatten.

          FRESENIUS

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          „Die Sache könnte einem Urteil zugunsten von Fresenius im Wege stehen“, sagte ein Händler mit Blick auf einen Bericht von „Bloomberg“ über Aussagen des Managers Mats Henriksson vor Gericht. Müssten die Bad Homburger Akorn übernehmen, würden sie alle von Unregelmäßigkeiten betroffenen Produkte des amerikanischen Konzerns zurückrufen und dessen Betriebsprozesse überarbeiten, sagte Fresenius-Manager Mats Henriksson am Donnerstag vor einem Gericht im Bundesstaat Delaware. Dies werde vier Jahre dauern und etwa 254 Millionen Dollar (218 Millionen Euro) kosten.

          Henriksson verwies darauf, dass Fresenius 2013 selbst mit ähnlichen Unregelmäßigkeiten bei Medizintests zu kämpfen hatte, wie der Konzern sie dem zunächst von ihm umgarnten Generikahersteller Akorn heute zum Vorwurf macht. So hätten Prüfer der Gesundheitsbehörde FDA im Jahr 2013 Tests und Daten aus einem Fresenius-Werk in Indien in Frage gestellt. Wegen ähnlicher Probleme bei Akorn hatte Fresenius im April die eigentlich geplante milliardenschwere Übernahme des amerikanischen Unternehmens abgesagt. Akorn klagt dagegen. „Der große Unterschied ist, das wir bei Fresenius über ein Werk sprachen“, sagte Henriksson. Bei Akorn gehe es dagegen um Probleme in Forschung und Entwicklung in mehreren Werken.

          Am Gericht in Wilmington muss Richter Travis Laster entscheiden, ob die Bad Homburger den Akorn-Deal berechtigterweise abgeblasen haben - oder ob sie die vereinbarte Übernahme für 4,3 Milliarden Dollar (3,7 Milliarden Euro) durchziehen müssen. Fresenius hatte Akorns Klage im April als unbegründet bezeichnet, weil der Hersteller von Nachahmer-Medikamenten mehrere Vollzugsvoraussetzungen nicht erfüllt habe.

          Fresenius wirft dem Akorn-Top-Management Gerichtsunterlagen zufolge vor, es habe der Arzneimittelbehörde FDA wissentlich gefälschte Testergebnisse schicken lassen. Eigene Untersuchungen hätten „bestürzende Beweise für eklatante und allgegenwärtige Verstöße gegen Vorgaben zur Datenintegrität“ erbracht. Die Amerikaner hatten die Vorwürfe zurückgewiesen und erklärt, die von Fresenius angeführten Probleme der Datenintegrität seien in der Generika-Branche nicht ungewöhnlich. Fresenius wolle diese nutzen, um sich aus dem Deal aus finanziellen Gründen zurückzuziehen.

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