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Ausblick 2020 : „Im Sommer wird es wieder besser“

Wie geht es mit dem Dax im nächsten Jahr weiter? Bild: Reuters

Die DZ Bank rechnet Mitte des nächsten Jahres mit einem Anziehen der Konjunktur. Bedenklich äußern sich die Ökonomen nicht nur zu den Niedrigzinsen.

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          An eine Rezession in Deutschland habe er nie geglaubt, sagt Stefan Bielmeier, der Chefvolkswirt der DZ Bank: „Dafür ist die Beschäftigung in Deutschland zu hoch.“ Zwar mache sich der hohe Anteil der Industrie an der deutschen Wirtschaft von 25 Prozent derzeit negativ in der Konjunktur bemerkbar, die Schwierigkeiten im globalen Handel träfen Deutschland stärker als andere Länder. Angesichts des starken Arbeitsmarktes aber sei eine Rezession „nicht realistisch“, sagt Bielmeier. Die DZ Bank prognostiziert vielmehr, dass die Konjunktur in Deutschland im Sommer kommenden Jahres wieder anzieht, der Abschwung habe wohl seinen Boden erreicht.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gleichwohl rechnet die Bank am deutschen Aktienmarkt im Jahresverlauf 2020 mit einer Seitwärtsbewegung. Auf Jahressicht wird ein Dax-Stand von 13 200 prognostiziert gegenüber einem Niveau von aktuell 13 250 Punkten. Wie in dem Film „Und ewig grüßt das Murmeltier“ wiederholten sich bestimmte Themen immer wieder, sagte Christian Kahler, Chefanlagestratege der Bank: „Brexit, Handelsstreit, Trump“. Die Ökonomen der DZ Bank glauben, dass die hohe Bewertung von Aktien zum Beispiel im Dax damit zu tun habe, dass die Zinsen so niedrig und Anleihen wenig attraktiv seien. An eine „Finanzblase“ glauben sie für Aktien aber so wenig wie für Immobilien. Bei Immobilien gebe es lokale Übertreibungen.

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          Deutschland nähere sich im Wachstum schon Italien an, sagte Bielmeier, wobei hierzulande der hohe Industrieanteil an der Wertschöpfung eine Rolle spiele. In Italien seien es strukturelle Schwächen. Gleichwohl sei auch in Deutschland „vieles verkrustet“. Man fühle sich an die Schlusszeit der Ära Kohl erinnert, vielleicht brauche es nun einen „Schröder-Moment“: „Ob das allerdings die Grünen sind, wird sich zeigen.“ Bedenklich äußerten sich die Ökonomen zu den Niedrigzinsen:

          „Unsere ganze Geldpolitik baute auf Inflation – und jetzt ist die Inflation weg.“ Umfragen der Bank unter Unternehmen zeigten, dass die Zinsen für Investitionsentscheidungen keine Rolle mehr spielten. Das werde zu Fehlentscheidungen führen. „Wenn die Zentralbanken jetzt mehr Fiskalpolitik fordern, ist das Ausdruck des Dilemmas“, sagte Bielmeier. Im Gegensatz zu anderen Ländern sinke in Deutschland die Verschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt.

          Bielmeier sagte, er sei kein Fan von Staatsschulden. Aber wenn sich Länder wie Amerika stärker verschuldeten und Unternehmenssteuern senkten und Deutschland nicht, könne dies zu einem Verlust von Marktanteilen für deutsche Unternehmen führen. Ein Stimulus durch die Fiskalpolitik sei kurzfristig schwierig, weil die Kapazitäten recht ausgelastet seien: „Das hätte vor allem einen Preiseffekt.“ Für den Ölpreis rechnet die Bank zum Jahresende 2020 mit 55 Dollar je Barrel (rund 159 Liter) der Nordseesorte Brent, also etwa 7 Dollar weniger als derzeit. Für den Goldpreis erwartet sie einen Anstieg auf 1600 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm), gut 130 Dollar mehr als aktuell.

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