https://www.faz.net/-gv6-9cqer

Geldanlage in Aktien : Was geht noch im Dax?

  • -Aktualisiert am

Wie geht es im zweiten Halbjahr für die Börsen weiter? Bild: Reuters

Die Bilanzsaison zeigt, dass die Unternehmen gut bis sehr gut verdienen. Der Dax steigt wieder. Was können Anleger im zweiten Halbjahr erwarten und wo liegen die Risiken?

          3 Min.

          Die Bilanzen der Unternehmen für das vergangene zweite Quartal sind bisher überwiegend gut ausgefallen. Vor allem bei amerikanischen Unternehmen. Laut dem amerikanischen Analysehaus Factset übertrafen bisher 87 Prozent der Unternehmen die Gewinnerwartungen und 77 Prozent die Umsatzerwartungen. In dieser Statistik sind rund 17 Prozent der Unternehmen aus dem S&P 500 enthalten.

          Deutschlands Konzerne sind nicht schlechter, konnten teilweise ebenfalls mit sehr guten Zahlen aufwarten. Bestes Beispiel ist SAP. Europas größter Softwarehersteller profitierte weiter von immer besseren Geschäften mit Mietsoftware (Abomodellen) und hob abermals den Ausblick fürs Gesamtjahr an.

          Deutschlands Anleger sind in den vergangenen beiden Handelswochen entsprechend wieder an den Aktienmarkt zurückgekehrt. Die Bilanzen und vor allem auch die Ausblicke der Unternehmen scheinen anzukommen. Hinzu kommt, dass der Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und der EU sich zu entschärfen scheint. Das Ganze spiegelt sich auch im Dax-Chart wider. 

          SAP

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Der Dax hat seit Ende Juni wieder den Weg nach oben gefunden. Den letzten Juni-Handelstag beendete der Index mit 12.306 Zählern. Seitdem hat der Index im Juli ein Plus von mehr als 4 Prozent verbuchen können. Charttechniker verweisen in diesem Zusammenhang zudem auf die 200-Tage-Linie. Diese hat der Index am heutigen Freitag wieder überschritten. Waren also die Verluste der vorangegangenen Wochen keine Vorzeichen einer Trendwende, sondern geht es wieder aufwärts? 

          Unternehmen verdienen gutes Geld

          Wohl nur wenige Anleger werden sich die Charttechnik des Dax anschauen, um zu investieren. Im Fokus für die Anlageentscheidung stehen mehr die „harten Themen“. Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer beim DSW und einer der bekanntesten Anlegerschützer Deutschlands, geht davon aus, dass die Anleger im zweiten Halbjahr eine spannende Achterbahnfahrt erwarten können. Allerdings weniger bezogen auf die Kursstände. Diese sollten sich auf hohem Niveau halten, da die Unternehmen einfach sehr gutes Geld verdienen und die Alternativen zur Aktie weiterhin nicht zu sehen sind. Sondern vielmehr emotional. „Die Unternehmen werden auch im zweiten Halbjahr gute Zahlen zeigen und auch das M&A-Karussell dreht durch das weiterhin billige Geld nochmals schneller. Dadurch wird auch der eine oder andere neue attraktive Börsenkandidat den Kurszettel bereichern.“

          DAX ®

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Jetzt zeige sich die wahre Stärke der deutschen Unternehmen, die eben nicht nur auf der ganzen Welt ihre Produkte vertreiben, sondern auch über den ganzen Globus verteilt über Produktionsstätten verfügen, so Tüngler weiter: „Exportweltmeister ist kein Prädikat mehr. In den Absatzmärkten zu produzieren macht den König aus. Der durch Amerikas Präsident Trump angefeuerte Handels- und Währungskrieg wird dennoch weiter gut für Wirbel sorgen, zugleich aber auch neue Verbündete schaffen und bestehende Partnerschaften – vor allem nach China – stärken.“ 

          Eine ähnliche Einschätzung vertritt auch Kapitalmarkt-Fachmann Christian W. Röhl. „Abgesehen von Sondersituationen wie Facebook und Alcoa oder hierzulande Daimler und BASF waren die jüngsten Quartalsberichte recht erfreulich. Gute Unternehmen machen gute Gewinne. Wichtigste Voraussetzung dafür, dass das noch eine Weile so bleibt, neben billigem Geld: Freier Handel.“  Der „Deal“ zwischen Donald Trump und Jean-Claude Juncker könne deshalb durchaus der Treiber für neue Kursrekorde im zweiten Halbjahr sein – falls der amerikanische Präsident es sich nicht wieder anders überlege.

          Politisches Umfeld ist eher günstig

          Der Handelsstreit ist und bleibt das Hauptthema der Börsen. Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel, sieht es ähnlich: „Ob 2018 im Laufe des zweiten Halbjahres doch noch ein gutes Aktienjahr wird, hängt somit entscheidend von diesem Thema ab.“ Röhl ergänzt weiter. „Das politische Umfeld ist aber eher günstig: Im November stehen in den Vereinigten Staaten die Midterm Elections an, und um ihre Mehrheit zu behaupten, brauchen Trumps Republikaner keinen Handelskrieg, sondern gute Stimmung und Erfolgsmeldungen – auch wenn’s nur um Soja und Flüssiggas geht.“

          S&P 500

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Der Kapitalmarkt-Fachmann hat auch einen Tipp für Anleger parat: „Wenn der Gesamtmarkt freundlich bleibt, wird es wohl noch in diesem Jahr die erste „Billion Dollar Company“ geben: Mit einem Börsenwert von 955 Mrd. Dollar ist Apple nur noch weniger als 5 Prozent von der magischen Marke entfernt. Anleger sollten allerdings nicht nur auf Technologie-Werte schauen. Im Nahrungsmittel- und Healthcare-Bereich winken Chancen bei günstig bewerteten Dividenden-Titeln wie Kraft Heinz oder Pfizer.“

          Fasst man die Meinungen der Fachleute zusammen, scheinen die Ampeln an der Börse keineswegs auf Rot zu stehen, sodass Aktien ihren Aufwärtstrend fortsetzen können. Zwei der wichtigsten Argumente vieler Volkswirte für ein gutes zweites Börsen-Halbjahr sind zudem der starke amerikanische Arbeitsmarkt und die daraus resultierenden soliden Konsumausgaben der Amerikaner, die wiederum die Unternehmensinvestitionen ankurbeln. Eins der besten Argumente für eine gute Börsenphase liefert der Dax selbst: Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis des Deutschen Aktienindex liegt bei 12,7. Damit liegt es unter dem 30-Jahre-Durchschnitt von 19 und zeigt, dass deutsche Aktien noch günstig bewertet sind.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gestärkt: Der türkische Staatspräsident Erdogan spricht am Sonntag mit türkischen Journalisten

          Türkische Offensive : Erdogans Gewinn

          Wieder einmal stärkt eine Krise, die der türkische Staatspräsident ausgelöst hat, seine innenpolitische Stellung. Die ausbleibende internationale Unterstützung aber dürfte einen hohen Preis haben.
          Zweimal Gündogan: Kimmich schreit seine Erleichterung über die Treffer des Kollegen heraus.

          3:0 für Deutschland : Geduldsspiel in Tallinn

          Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss einen frühen Platzverweis von Emre Can verkraften, gewinnt aber nach zähem Beginn 3:0 in Estland. Gündogan trifft zweimal, Werner setzt noch einen drauf.
          Was denkt die Queen über den Brexit? Die britische Königin Elisabeth II. im Mai 2019.

          Brexit-Streit : Die Queen liest Johnson

          Elisabeth II. trägt an diesem Montag im Unterhaus das Regierungsprogramm des Premierministers Boris Johnson vor. Im Zentrum steht der Brexit-Prozess, der gerade in einer entscheidenden Phase ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.