https://www.faz.net/-gv6-9xju8

Kursrutsch : Die Bazooka verfehlt ihr Ziel

Lange Gesichter an der Börse in Frankfurt Bild: Wolfgang Eilmes

Überall auf der Welt intervenieren die Notenbanken. Trotzdem stürzt der Dax auf den tiefsten Stand seit 2014, der Handel in New York wurde abermals ausgesetzt.

          4 Min.

          Die zahlreichen Interventionen der Zentralbanken auf der ganzen Welt haben wenig gebracht: Auch zu Beginn der neuen Woche rauschten die Indizes auf der ganzen Welt nach unten. Europa stand dabei abermals im Mittelpunkt. Für den deutschen Aktienindex Dax ging es vorübergehend um fast 9 Prozent auf bis zu 8417 Zähler abwärts. Nie zuvor in seiner Geschichte ging es für den deutschen Leitindex so schnell so drastisch bergab. Mit einem Minus von fast 37 Prozent seit Jahresbeginn steuert er zudem auf sein schwärzestes Quartal seiner Geschichte zu. Die Nervosität ist so hoch wie noch nie, wie man am Volatilitätsindex V-Dax gut erkennen kann. Doch nicht nur in Deutschland fielen die Kurse dramatisch: Der französische CAC-40 sackte bis um 8,6 Prozent ab, der Londoner FTSE 100 um 6,2 Prozent. In Italien und Spanien, beides mit am stärksten vom Coronavirus in Europa betroffen, sanken die jeweiligen Leitindizes um bis zu 10 Prozent. Der Euro Stoxx 50, seines Zeichens der Leitindex der Eurozone, notierte am Nachmittag ebenfalls bis um 8 Prozent im Minus und lag damit nur noch knapp über dem Tief der Finanzkrise aus dem Jahr 2009.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.
          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.
          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.
          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Selbst die größte Notoperation der amerikanischen Notenbank Federal Reserve seit der großen Finanzkrise hat nicht die gewünschte Wirkung gezeigt. So wurde der Handel am amerikanischen Aktienmärkten am Montag kurz nach einer sehr schwachen Eröffnung direkt wieder ausgesetzt. Der Leitindex Dow Jones Industrial sackte sofort nach Handelsstart um knapp 10 Prozent auf 20935 Punkte ab. Der marktbreite S&P 500 brach um mehr als 8 Prozent auf 2490 Punkte ein. Für den technologielastigen Nasdaq 100 ging es um gut 6 Prozent auf 7502 Zähler nach unten. Bei diesen Ständen wurde der Handel eingefroren.

          Die amerikanische Notenbank hatte in einer Sondersitzung am Sonntag die Leitzinsen in die Bandbreite zwischen 0 und 0,25 Prozent gesenkt, den sofortigen Kauf von Anleihen im Mindestvolumen von 700 Milliarden Dollar angekündigt, Kreditfenster für Banken geöffnet und regulatorische Hindernisse für die Kreditvergabe gelockert. Der Dollar steuerte unterdessen auf den größten Tagesverlust seit gut drei Jahren zu. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, verliert 1,1 Prozent auf 97,645 Punkte. Im Gegenzug verteuert sich der Euro um 0,8 Prozent auf 1,1199 Dollar.

          Weitere Maßnahmen werden ausgelöst

          Der Schritt der Fed löst weitere Maßnahmen in anderen Zentralbanken aus. Auch die britische Notenbank steht bereit, noch mehr geldpolitischen Stimulus für die Wirtschaft zu geben. Das sagte der neue Gouverneur Andrew Bailey in einem Fernsehinterview, der am Montag den Chefposten von Mark Carney übernommen hat. Die Bank von England (BoE) wolle länger andauernde negative Wirtschaftseffekte „minimieren oder stoppen“. Erst in der vergangenen Woche hatte die BoE den Leitzins von 0,75 auf 0,25 Prozent gesenkt und neue Langfristkredite für Banken angekündigt. Bailey sagte damals, dass die Notenbank damit die Hälfte ihrer verbliebenen Munition verschossen habe. „Da ist nichts mehr übrig auf der Seite der Geldpolitik“, sagte Adam Posen, Chef der Denkfabrik Peterson Institute for International Economics. Der ehemalige Notenbanker warnte, niemand solle erwarten, dass der geldpolitische Stimulus die Probleme löse. Für die wirtschaftliche Erholung sei expansive Fiskalpolitik und direkte Finanzhilfe nötig. Die Regierungen hätten nun keine Ausrede mehr, passiv zu bleiben.Mit den geldpolitischen Schritten seien die Kreditkosten für reiche Länder auf absehbare Zeit auf Null gesunken.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          In einer Apotheke in Soest wird ein Schnelltest vorgenommen.

          RKI-Zahlen : Sieben-Tage-Inzidenz sinkt unter 104

          17.419 Corona-Neuinfektionen und 278 Todesfälle, das sind wieder weniger als vor einer Woche. Entsprechend geht die Sieben-Tage-Inzidenz weiter zurück – auf 103,6. Für Urlaubsrückkehrer und Einreisende gelten ab heute gelockerte Regeln.
          Dem Virus keinen Raum geben: Im Hotel in den Messehallen von Singapur konferiert man vor Trennscheiben.

          Singapur : Das erste coronasichere Hotel

          Als erster Ort der Welt bietet der Stadtstaat Singapur ein coronasicheres Hotel mit Konferenzräumen. Geschäftsleute hinter Glas können Verträge besprechen oder neue Mitarbeiter kennenlernen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.