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Kursrutsch : Die Bazooka verfehlt ihr Ziel

Zentralbank-Chef Jerome Powell selbst hatte in der Telefonkonferenz nach der Sondersitzung hervorgehoben, dass die Fed nicht die Instrument haben, Privatpersonen und kleine Firmen zu entlasten. „Wir glauben, dass eine Antwort der Fiskalpolitik dringend nötig ist“. Der Senat soll heute ein Gesetzespaket verabschieden, auf dass sich die Chefin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi und Finanzminister Steven Mnuchin verständigt haben. Es sieht unter anderem Lohnfortzahlung für Kranke und die Finanzierung der Tests vor. Doch die Zweifel wachsen, ob die Maßnahmen reichen. Immer mehr konservative und linksliberale Ökonomen stimmen einem Vorschlag von Jason Furman, Chefökonom unter Brack Obama, zu. Er wirbt dafür, jedem erwachsenen Amerikaner 1000 Dollar zu schicken und zusätzlich 500 Dollar für jedes Kind. Zu den Unterstützern der Politik gehört George W. Bushs Chefökonom Gregory Mankiw: „Wenn man die Schwierigkeit berücksichtigen, die wahrhaft Bedürftigen zu identifizieren, ist die Aussendung von 1000 Dollar an jeden ein guter Start.“ Nachlässe bei der Sozialversicherungsbeiträgen brächten wenig, weil sie die Leute nicht entlasteten, die wegen der Pandemie nicht arbeiten könnten. Es gebe zwar Zeiten, sich über Staatsschulden Sorgen zu machen, aber nicht jetzt. Die im Blog veröffentlichten Überlegungen des konservativen Ökonomen enden mit dem Wunsch, Präsident Donald Trump möge seinen Mund halten und Personen den Vortritt lassen, die wüssten, wovon sie redeten.

Unterdessen pumpte die Bank von Japan am Montag per Ankündigung Billionen Yen in die Finanzmärkte und hielt den Fall der Aktienkurse in Tokio trotzdem nicht auf. Der Nikkei-225-Aktienindex fiel um 2,5 Prozent auf ein Dreieinhalbjahrestief von 17002 Punkte. Die Bank war dennoch zufrieden mit der Wirkung, weil die Aktienkurse in anderen asiatischen Märkten am Montag teils weit stärker abrutschten. Volkswirte in Tokio waren kritisch. „Ich bin skeptisch, was Notenbanken in dieser Situation wirklich machen können“, sagte Masamichi Adachi, der Chefvolkswirt von UBS Securities in Tokio, der F.A.Z.. „Wenn der Virus sich schnell legt, geht die Lockerung zu weit. Wenn die Pandemie sich sehr verschlechtert, haben die Notenbanken keinen Spielraum mehr.“

In Japan werden die Zinsen nicht gesenkt

Im Gegensatz zur Federal Reserve senkte die BoJ die Leitzinsen nicht. Sie liegen am kurzen Ende schon jetzt bei minus 0,1 Prozent und am langen Ende um null Prozent. Die Beschlüsse der Bank von Japan zielen auf zweierlei. Zum einen will sie verhindern, dass Unternehmen in der Pandemie in Finanzschwierigkeiten geraten. Dazu wird die Bank bis Ende September für weitere 2 Billionen Yen (17 Milliarden Euro) kurzfristige Geldmarktpapiere der Unternehmen (Commercial Paper) und Unternehmensanleihen kaufen. Zugleich ermöglicht die Zentralbank mit einer neuen Fazilität den Geschäftsbanken, Unternehmenskredite mit einer Mindestbonität von BBB faktisch bei der Notenbank zu refinanzieren. Das betrifft ein Volumen von bis zu 8 Billionen Yen. Zum anderen stützt Japans Zentralbank direkt den Aktienmarkt. Dazu verdoppelt sie die jährlichen Ankäufe von handelbaren Fondsanteilen (ETF) auf bis zu 12 Billionen Yen (102 Milliarden Euro) und von handelbaren Immobilienfonds (J-Reits) auf bis zu 180 Milliarden Yen (1,5 Milliarden Euro). Das soll die Unsicherheit von Anlegern dämpfen und vor dem Ende des Fiskaljahres am 31. März die Bilanzen der Geschäftsbanken mit ihren Aktienbeteiligungen stärken.

Die Bank von Korea senkte am Montag den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf das Rekordtief von 0,75 Prozent.

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