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Aktienmarkt : Anleger verkaufen Autowerte und Beiersdorf

  • Aktualisiert am

Kann nicht überzeugen: Daimler. Bild: Reuters

Daimlers Senkung der Gewinnprognose im Zuge des amerikanisch-chinesischen Handelsstreits hat am Donnerstag die Anleger an den Börsen verprellt. Analysten fürchten nun weitere schlechte Nachrichten.

          Sehr hohe Verluste bei Automobilaktien und Beiersdorf-Papieren haben den Deutschen Aktienmarkt am Donnerstag deutlich nach unten befördert. Der mit 100 Werten den Markt in seiner Breite abbildende F.A.Z.-Index gibt 0,92 Prozent auf 2450 Punkte nach. Der Standardwerteindex Dax gab 0,85 Prozent auf 12.587 Zähler nach.

          Auch in New York sanken die Kurse. Bis zum Handelsschluss in Europa verlor der Dow Jones etwa 0,6 Prozent. „Die heutige Gewinnwarnung von Daimler könnte nur der Anfang sein in einer Kette von negativen Effekten des Handelsstreits auf die Weltwirtschaft, so die Angst an der Börse", sagte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

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          Der Autobauer rechnet damit, dass die angekündigten höheren Importzölle in China auf Einfuhren aus den Vereinigten Staaten Absatz und Gewinnbeitrag von Mercedes-Benz-SUVs drücken könnten. Die Daimler-Aktien fielen um 4,3 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Tief von 57,84 Euro. Experten fürchten, andere Autobauer könnten bald dem Beispiel folgen und ihre Prognosen senken. Ohnehin sei die Branche nach der Verhaftung des Chefs der VW-Tochter Audi im Sog der Dieselaffäre in dieser Woche in Aufruhr. „Wir glauben nicht, dass Daimler der einzige Autobauer bleibt, der seinen Ausblick senkt", erklärten die Analysten von Morgan Stanley.

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          Die Schweizer Großbank UBS hat derweil die Einstufung für Daimler indes bei "Buy" mit einem Kursziel von 92 Euro belassen. Analyst Patrick Hummel rechnet mit einer um etwa 5 bis 7 Prozent niedrigeren Schätzung für den  operativen Gewinn.Die Gewinndynamik dürfte in den kommenden Quartalen eher mau bleiben. Der größte Kurstreiber bleibe aber die Bewertungsfantasie aus Ausgliederungen wie der des Lkw-Geschäfts im kommenden Jahr.

          EU warnt vor umfassenden Handelskrieg

          BMW kündigte dagegen an, seine strategischen Optionen zu prüfen. Die Aktien von BMW, von Volkswagen und des Reifenherstellers Continental verloren je etwa drei Prozent. Einige Autozulieferer standen noch stärker unter Druck. So fielen die Papiere des Scheinwerferherstellers Hella im M-Dax um über fünf Prozent. Die Aktien ausländischer Konkurrenten wie Peugeot in Paris sowie Ford, GM und Tesla in New York verloren zwei bis drei Prozent.

          Am Freitag treten Vergeltungszölle auf amerikanische Einfuhren in die EU in Kraft. EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström warnte vor einem „umfassenden Handelskrieg", der die gesamte Weltwirtschaft in den Abgrund ziehen könnte. Amerikas Handelsminister Wilbur Ross verteidigte dagegen die Strategie, mit neuen Zöllen Druck auf die Handelspartner auszuüben. Ziel sei es, ein Umfeld zu schaffen, in dem es für die anderen Länder schmerzhafter sei, an Handelshürden festzuhalten, als sie abzubauen, sagte er dem TV-Sender CNBC.

          Noch stärker als Daimler & Co erwischte es im Dax Beiersdorf: Die Aktien des Kosmetikkonzerns stürzten um 5,6 Prozent auf 93,90 Euro ab. Vorstandschef Stefan Heidenreich, der das Unternehmen in den vergangenen Jahren von Rekord zu Rekord geführt hatte, verlässt das Unternehmen. Der Aufsichtsrat habe sich mit ihm "freundschaftlich" auf die Beendigung des Vorstandsmandats spätestens zum 31. Dezember 2019 verständigt.

          Analysten stieß auf, dass erst kürzlich der Vertrag von Finanzvorstand Jesper Andersen überraschend nicht verlängert worden war. Das erhöhe die Unsicherheit nicht nur hinsichtlich des künftigen Managementteams, sondern auch der mittelfristigen Strategie, konstatierten die Analysten von Baader Helvea.

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