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Fallende Aktienkurse : Chinas Covid-Strategie bringt Ölpreise unter Druck

China macht wieder dicht: Das könnte die Wirtschaft des Landes in weitere Bedrängnis bringen. Bild: AFP

Die Ölpreise fallen am Dienstag deutlich – ebenso wie die Kurse am chinesischen Aktienmarkt. Beides hängt nicht nur mit dem Ukrainekrieg, sondern auch unmittelbar mit Chinas „No-Covid-Strategie“ zusammen.

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          Trotz der Unsicherheit, die vom Ukrainekrieg auf die Energieversorgung Europas ausgeht, befinden sich die Energiepreise auch am Dienstag weiter deutlich auf dem Rückzug. Die Preise für ein Barrel (159 Liter) fielen erstmals in diesem Monat unter die Marke von 100 Dollar. Nordseeöl der Sorte Brent wurde zuletzt für 99,03 Dollar gehandelt, amerikanisches Leichtöl der Sorte WTI für 94,62 Dollar.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Von ihren mehrjährigen Höchstständen von rund 145 Dollar, die sie im Zuge des Ukrainekriegs vor gut einer Woche markiert hatten, haben sich die Preise mittlerweile deutlich entfernt. Dennoch liegen diese weiter deutlich über den 15-Jahres-Durchschnitten von rund 77 Dollar für Brent und 71,56 Dollar für WTI. Weiter hält sich die Hoffnung, dass es in den Gesprächen zwischen Russland und der Ukraine eine Annäherung geben könnte.

          Folge der „No-Covid-Strategie“

          Als weiteren Grund für die schwächeren Ölpreise sehen Beobachter die chinesischen Maßnahmen gegen neue Corona-Ausbrüche. Der scharfe Kurs, auch als „No-Covid-Strategie“ bekannt, sieht weitgehende Lockdowns selbst bei kleineren Corona-Ausbrüchen vor. Nun zeigt die Zahl der Infektionen den stärksten Anstieg seit Beginn der Pandemie. 28 von 31 Provinzen melden symptomatische Fälle. Mittlerweile befinden sich mehr als 45 Millionen Menschen in heimischer Quarantäne. In Schanghai dürfen keine internationalen Flüge mehr landen, in Hongkong soll fast die Hälfte der Bevölkerung infiziert sein.

          Nun wird befürchtet, dass dies das ohnehin schon schwächelnde Wachstum des Landes stärker belasten könnte – obwohl die Konjunkturdaten für Januar und Februar am Dienstag positiv überraschten. Die Industrieproduktion lag im Februar um 7,5 Prozent über dem Vorjahreswert, erwartet wurden 4 Prozent. Die Einzelhandelsumsätze verlangsamten sich mit einem Plus von 6,7 Prozent ebenfalls deutlich weniger stark als erwartet.

          Trotzdem zeigten die Werte, dass die chinesische Wirtschaft in diesem Jahr mit erheblichem Gegenwind zu kämpfen hat, meint Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz. Das größte Problem für die chinesische Industrie seien nicht Materialengpässe oder hohe Rohstoffpreise, sondern die Restriktionen der Null-Covid-Strategie. Zudem strahle die laufende Korrektur am Immobilienmarkt, der mit einem Anteil von rund 30 Prozent hohe Bedeutung für die Gesamtwirtschaft habe, auch auf den Konsum aus.

          Steuererleichterung ist denkbar

          Ohne weitere Impulse könnte das Wachstumsziel von 5,5 Prozent für 2022, das schon das niedrigste der vergangenen 30 Jahre ist, verfehlt werden. Die chinesische Notenbank werde deshalb die Zinsen weiter senken und den Kreditimpuls verstärken. Allerdings verzichtete die People‘s Bank of China am Dienstag zur Enttäuschung der Märkte darauf, die Zinsen zu senken. Umso mehr wird nun eine Zinssenkung im kommenden Monat erwartet.

          Premierminister Li Keqiang kündigte Konjunkturmaßnahmen an, möglich seien Steuererleichterungen. Eine Wachstumsrate von 5,5 Prozent bedeute Stabilität auf hohem Niveau. Dies sei gleichbedeutend mit Fortschritt, aber nicht leicht zu erreichen. Sorgen macht Beobachtern auch eine zuletzt steigende Arbeitslosigkeit. Diese erreichte im Februar 5,5 Prozent nach 5,1 Prozent zu Jahresbeginn. Auch die Jugendarbeitslosigkeit stieg von auf 15,3 Prozent von 14,3 Prozent zum Ende des vergangenen Jahres.

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          Die wirtschaftliche Lage trug am Dienstag auch dazu bei, dass die Aktienkurse, die schon am Montag heftig nachgegeben hatten, weiter stark fielen. Der CSI-300-Index gab um 4,6 Prozent auf 3984 Punkte nach, mithin der stärkste Kursverlust eines Tages seit Juli 2020. Hongkongs Hang-Seng-Index fiel sogar um sogar um 5,7 Prozent auf 18.415 Zähler und erlitt damit den stärksten Kursverlust seit dem Börsenkrach des Jahres 2015.

          Deutsche Industrie auf chinesische Konjunktur angewiesen

          Chinas Aktienmärkte befinden sich in einem Bärenmarkt. Seit dem Februar 2021, dem Beginn der Kampagne der chinesischen Führung gegen private Großunternehmen, vor allem aus der Technologiebranche, ist der CSI-300 um 31 und der Hang Seng um 40 Prozent gefallen. Der Hang-Seng-Tech-Index hat sogar schon 68 Prozent verloren.

          Die Landeswährung Yuan, die nach der akuten Corona-Krise im Frühjahr 2020 eine bemerkenswerte Aufwertung von 7,18 Yuan für den Dollar bis auf 6,31 Yuan am 23. Februar, dem Tag unmittelbar vor der russischen Invasion der Ukraine, erfahren hatte, hat seitdem deutlich auf 6,41 Yuan abgewertet.

          HANG SENG

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          Dies zeigt, ebenso wie die seit Monatsanfang beschleunigten Kursverluste am Aktienmarkt, dass die Befürchtungen groß sind, dass sich der chinesisch-amerikanische Gegensatz verschärfen wird. Einige Beobachter glauben aber auch, dass die chinesische Nationalbank eine Abwertung des Yuan als Konjunkturimpuls nicht ungern sieht und deswegen auch auf eine Zinserhöhung verzichtet hat. Andererseits könnte eine Vergrößerung des Zinsgefälles zu den USA Mittelabflüsse beschleunigen.

          Die Entwicklungen an den Rohstoffmärkten wiederum sind derzeit recht erratisch. Sie würden von Schlagzeilen getrieben, sagte Daniel Hynes, Stratege der Australia & New Zealand Banking Group der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er glaubt, dass die Ölpreise noch stärker unter Druck geraten werden. Das aber reflektiere nicht das fundamentale Bild, zu dem gehöre, dass russisches Öl zunehmend isoliert sei.

          Die schwache Entwicklung der chinesischen Börse belastet auch den deutschen Aktienmarkt. Der marktbreite F.A.Z.-Index gibt um 0,5 Prozent auf 2376 Punkte nach, der Dax verliert mehr als 1 Prozent auf 13.770 Zähler. Zudem halten sich die Anleger vor der anstehenden Leitzinsentscheidung der amerikanischen Notenbank zurück. Die deutsche Industrie ist aufgrund ihrer Exportabhängigkeit auf eine gute chinesische Konjunktur angewiesen.

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