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Aktienmarkt : Börsen atmen mit gedämpftem Optimismus durch

Die Dax-Kurve in der Frankfurter Börse. Bild: Reuters

Die Normalisierung nach der Corona-Pandemie geht für etliche Anleger langsamer voran als ursprünglich erwartet. Nach drei Monaten des Setzens auf die große Erholung ist Durchschnaufen angesagt.

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          Manchmal könnte man meinen, der Aktienmarkt sei wetterfühlig. Als an Ostern die Temperaturen deutlich fielen, fror auch die Börse ein. Der Dax verfiel in eine plötzliche Starre und schwankte bis zum vergangenen Donnerstag um gerade einmal 140 Punkte, also um weniger als 1 Prozent an acht Börsentagen. Das gehört zu den obersten zwei Prozent der ruhigsten Acht-Tage-Phasen, ist aber keineswegs so ungewöhnlich, wie man vielleicht glauben will, war aber die ruhigste Phase seit November 2019. Wie dem auch sei, am Freitag schien sie mit einem neuen Allzeithoch zu Ende. Indes war es wohl nur ein kurzes Zucken, allzumal das neue Dax-Hoch zwangsläufig war. Das starke Wachstum Chinas und Meldungen über hohe Ersparnisüberschüsse in Amerika und Europa gaben den Börsen am Freitag Auftrieb – wenigstens für einen Tag.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Montag herrschte dagegen wieder Normalbetrieb. Der Dax nahm seine Schlafmützigkeit wieder auf, bei der ihm kurzfristig auch nichts nützt, dass er sich im Gegensatz zu allen anderen Indizes durch die Wiederanlage von Dividenden schönrechnet. Die Tatsache, dass die Börsen derzeit etwas kraftlos erscheinen, dürfte wohl darauf zurückzuführen sein, dass sie wie so oft den Dingen vorausgelaufen sind.

          Auch wenn Anfang des Jahres es schon in vielen Ausblicken hieß, dass die große Erholung wohl erst ab dem Sommer eintreten werde, hatten die Anleger, kaum dass die Impfungen gegen das Coronavirus Fahrt aufgenommen hatten, die Erholung eingepreist. Eigentlich hatte dies schon Ende des vergangenen Jahres begonnen, war nur durch die Rotation aus den Aktien der Corona-Profiteure zu den Normalisierungsgewinnern lange verdeckt geblieben. Doch als dann Probleme und Verzögerungen offensichtlich wurden, kam die Rally ins Stocken. Gewissermaßen befinden sich die Anleger im Wartesaal. Sie haben einen Fahrschein für den Zug in die Nach-Corona-Ära gelöst, jetzt aber hat der Express Verspätung. Man gibt den Fahrschein dann natürlich nicht zurück, weil der Zug ja nicht ausfällt. Gibt es Gerüchte, dass dieser einfährt, sprintet man zum Bahnsteig – so wie am Freitag.

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          Nach drei von Rotationen geprägten Monaten, die vor allem Substanzaktien, Corona-Verlierern und zuletzt Infrastrukturaktien zugutekamen, dominiere nun bei professionellen Anlegern eine zwar weiter optimistische, aber deutlich vorsichtigere und ausgewogenere Geldanlage, schrieb unlängst die Fondsgesellschaft Lyxor. Das Vertrauen scheine vorübergehend nachgelassen zu haben.

          Auch der Glaube an eine Rückkehr der Inflation wird sukzessive von mehr Skepsis begleitet, bisweilen ist schon von einer „Fata Morgana“ die Rede, wobei es dann Inflation gäbe, aber nicht an der vermuteten Stelle. Während Deutschland und Europa zudem unter Verzögerungen auf dem Weg aus der Pandemie leiden, scheinen Investoren in Amerika derzeit eine gemäßigtere Erholung einzupreisen. Gemeinsam mit der höheren Bewertung des dortigen Aktienmarktes führt das zu einer gemächlicheren, aber stetigeren Aufwärtsbewegung, wie dies in den vergangenen zwei Wochen zu sehen war.

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