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Studie von EY : Enttäuschendes Jahr für Börsengänge auf der Welt

Börsendebüt von Saudi Aramco Bild: EPA

Die Zahl der Börsenneulinge fällt um ein Fünftel. Nur Saudi Aramco, das größte Debüt aller Zeiten, rettet das Jahr. Dafür gibt es gute Gründe.

          3 Min.

          Erst am Mittwoch hat der Börsengang von Saudi Aramco einige Aufmerksamkeit auf sich gezogen, war es doch das größte Debüt aller Zeiten. Der staatliche Ölkonzern Saudi Arabiens ist nun fast 2 Billionen Dollar wert und damit mehr als der amerikanische Technologiekonzern Apple mit etwa 1,2 Billionen Dollar. An den ersten beiden Handelstagen stieg der Kurs der Aktie an der Börse Tadawul in Riad jeweils um bis zu 10 Prozent.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dieser Erfolg darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Jahr 2019 für Börsengänge auf der ganzen Welt insgesamt enttäuschend war. Selbst Saudi Aramco hatte die Börsenpläne immer wieder verschoben. Insgesamt fiel die Zahl der Börsenneulinge im Vergleich zum Vorjahr deutlich um 19 Prozent auf die Zahl von 1.115. Nur dank Saudi Aramco erreichte das Emissionsvolumen mit 198 Milliarden Dollar fast das Niveau des Vorjahres. Dies ergibt eine Analyse des Prüfungs- und Beratungskonzerns EY.

          Trotz einer eigentlich guten Entwicklung an den Aktienmärkten hätten sich viele potentielle Börsenkandidaten zurückgehalten, sagen die Fachleute von EY und verweisen auf geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und den geplanten Austritt Großbritanniens aus der EU. Dies habe die Aktivität besonders in Europa gelähmt, sagt Martin Steinbach, Partner von EY und Leiter des Bereichs Börsengänge.

          Die Sorge vor schlechten Konjunkturnachrichten und eine phasenweise relativ hohe Schwankungsbreite der Kurse hätten zudem für Verunsicherung gesorgt. Tatsächlich gab es spektakuläre Absagen wie die des Büroraumvermieters Wework in den Vereinigten Staaten.

          In Deutschland fünf Börsengänge

          Die stärksten Einbußen gab es laut EY in Europa, wo das Emissionsvolumen um 39 Prozent auf 23 Milliarden Dollar schrumpfte. Die Zahl der Börsengänge sank um 37 Prozent auf 143. In den Vereinigten Staaten betrug der Rückgang im Emissionsvolumen 5 Prozent auf 50 Milliarden Dollar, die Zahl der Transaktionen sank um ein Fünftel auf 165. Dagegen habe China (einschließlich Hongkong) dank der Einführung von Star, einem Markt für junge Unternehmen, zugelegt, heißt es. Die Zahl der Börsendebüts stieg hier um 13 Prozent auf 354, das Emissionsvolumen kletterte um 28 Prozent auf 74 Milliarden Dollar.

          Als relativ stark erwies sich insgesamt das vierte Quartal mit einem Anstieg der gesamten Emissionserlöse im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum des Vorjahres um mehr als die Hälfte auf 84 Milliarden Dollar. In Deutschland gab es fünf Börsengänge (Vorjahr: 18) und zudem drei Debüts deutscher Unternehmen an ausländischen Börsenplätzen. Das Emissionsvolumen hierzulande schrumpfte von 13,4 im Jahr 2018 auf nun 4 Milliarden Dollar.

          Auf Rang neun insgesamt

          Die Börsenneulinge im Qualitätssegment der Deutschen Börse waren der schwäbische Softwarekonzern Teamviewer, Traton, die Lastwagen-Sparte von Volkswagen, und der Modehändler Global Fashion Group. Zudem gaben hierzulande der österreichische Kommunikationsdienstleiter Frequentis und die Spielvereinigung Unterhaching ihre Börsendebüts. Drei deutsche Unternehmen – Biontech, Euroeyes und Centogene – zog es laut EY an ausländische Börsenplätze mit einem Erlös von insgesamt 300 Millionen Dollar.

          Die Deutsche Börse liegt gemessen am Emissionsvolumen hinter Großbritannien auf Rang zwei in Europa und auf Platz neun insgesamt. In London sank die Zahl der Börsengänge von 49 auf 21, das Emissionsvolumen ging um gut ein Viertel auf 8 Milliarden Dollar zurück. Insgesamt belegt Hongkong mit einem Volumen von 38 Milliarden Dollar den ersten Platz, gefolgt von der amerikanischen Börse Nasdaq mit 27 Milliarden Dollar.

          Vorsichtig optimistisch

          Die Erstnotiz von Saudi Aramco war mit einem Volumen von 25,6 Milliarden Dollar zuzüglich Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) der größte Börsengang nicht nur dieses Jahres. Die zweite Großtransaktion betraf die Zweitnotiz der chinesischen Alibaba Group in Hongkong. Diese brachte 12,9 Milliarden Dollar ein. An der New Yorker Börse kam Uber Technologies auf 8,1 Milliarden Dollar, Budweiser Brewing in Hongkong auf rund 5,75 Milliarden Dollar und Postal Savings Bank of China im Schanghai auf 4,67 Milliarden Dollar.

          Mit 263 Börsengängen und einem Gesamtemissionsvolumen von 63 Milliarden Dollar war der Technologiesektor insgesamt die aktivste Branche vor dem Gesundheitsbereich mit 174 Börsendebüts und 23 Milliarden Dollar sowie der Industrie mit 147 Börsengängen und 12 Milliarden Dollar. Für das Jahr 2020 ist Steinbach vorsichtig optimistisch: „Im Markt herrscht die Erwartung, dass im kommenden Jahr klarer wird, in welche Richtung sich die Weltwirtschaft bewegt.

          Vor allem die Hoffnung auf ein Ende des chinesisch-amerikanischen Handelsstreits könnte den Markt beflügeln.“ Auf der ganzen Welt zeichneten sich gerade für das erste Halbjahr, also vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl, stärkere Aktivitäten ab. Auch in Deutschland gebe es zahlreiche Kandidaten – stark wachsende Unternehmen aus dem Technologiebereich, etablierte Unternehmen, Abspaltungen von Industriekonzernen sowie Unternehmen, die ihre früheren Börsengangspläne abermals vorantreiben könnten.

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