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Australien, Japan, Indien : Tiefer Kurssturz in Asien

Der massive Kurseinbruch des Dow Jones hat Folgen für die weltweiten Finanzmärkte. Bild: Reuters

Der Kurssturz, der am Montag an der New Yorker Wall Street begonnen hat, setzt sich an den asiatischen Aktienmärkten fort. Der Nikkei sackt um mehr als sechs Prozent in die Tiefe. Außerdem macht sich noch eine andere Sorge breit.

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          Ein heftiger Kurssturz an der Wall Street hat nur Stunden später die Börsen in Asien und Australien nach unten gezogen. Vorausgegangen war der mit knapp 1600 Zählern bisher größte Tagesverlust des Dow Jones nach Sorgen um eine möglicherweise bevorstehende Zinswende. Damit fiel der Index wie nie zuvor an einem einzelnen Handelstag. Die bisherigen Jahresgewinne lösten sich rasend schnell in Luft auf, ebenso wie die seit Anfang Dezember erzielten Gewinne.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der Dow Jones hatte zuvor zeitweise bis zu 6,25 Prozent verloren und notierte auf nur noch 23.924 Punkten. Damit verlor er an nur einem einzigen Handelstag bis zu 1600 Punkte. Seine seit Jahresbeginn eingefahrenen Gewinne gab er damit komplett wieder ab. Noch am 26. Januar notierte er auf 26.616 Punkten auf einem Rekordhoch. Bis zum Handelsschluss beruhigte sich der Kurs wieder auf ein Minus von rund 4 Prozent, der Index ging mit 24.548 Punkten aus dem Handel. Das war der stärkste Einbruch seit dem Jahr 2015. Unter Börsianern war von einem regelrechten „Ausverkauf“ die Rede. Es gebe Befürchtungen, die steigenden Zinsen vor allem in Amerika könnten Aktien im Verhältnis zu Anleihen unattraktiver machen.

          Der Kurssturz gilt in Amerika auch als Kratzer am Image von Donald Trump. Der hatte zuvor mit dem Kursanstieg angegeben, jetzt rechnen ihm seine Gegner auch den Rückgang zu. Doch der Absturz blieb nicht auf Amerika beschränkt.

          Australien, Japan, Indien: Die Kurse stürzen

          Auch in Australien hatten die Aktienhändler einen arbeitsreichen Tag. Bis zum Mittag wurden dort allein dort knapp 60 Milliarden Australische Dollar (39,05 Milliarden Euro) Anlegerwert vernichtet. Der S&P/ASX 200 verlor im Verlauf fast 4 Prozent seines Wertes, allein der Bodenschatzwert BHP gab um 3,5 Prozent nach. Es ist der schärfste Kurseinbruch seit zwei Jahren. In Japan sackte der Nikkei-Index für 225 führende Werte zuletzt 6,66 Prozent auf 21.172 Punkte ab.

          Der breiter gefasste Indikator Topix verlor rund sechs Prozent. Damit verzeichnete der japanische Aktienmarkt die höchsten Verluste unter den großen asiatischen Aktienmärkten, aber auch an anderen Handelsplätzen ging es deutlich nach unten.

          NIKKEI

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          An der Börse in Bombay (Mumbai) setzte sich der Trend dann später fort: Der Sensex gab zu Handelsbeginn um gut 3,5 Prozent nach, der tiefste Fall seit Sommer 2015. Praktisch alle Aktien des breiten MSCI Asia Pacific Index verloren am Dienstagmorgen an Wert.

          Australien hat ganz eigene Probleme

          Die australische Notenbank hat am Dienstag ihren Leitzins unverändert auf dem Rekordtief von 1,5 Prozent belassen. Die Teuerungsrate bleibt mit knapp 2 Prozent hinter ihrem Zielwert zurück, und die Arbeitslosenrate ist von ihrem tiefsten Stand seit fünf Jahren leicht angezogen. Die Märkte allerdings hatten dies erwartet und schon eingepreist. Zeitgleich macht sich Sorge auf dem wichtigen Häusermarkt breit:

          Die Preise für Appartements in Sydney und Melbourne beginnen rasch zu schmelzen. Von völlig überzogenen Höhen haben sie in den vergangenen Wochen in der Spitze um 10 Prozent nachgegeben. Agenten werden mit höheren Prämien geködert, wenn sie eine Wohnung verkaufen können. Die Anträge und Genehmigungen für Neubauten sind stark gefallen, was zur ängstlichen Stimmung beiträgt.

          Zudem hat eine Beratung vor den vier australischen Großbanken gewarnt. Sie stellten, wie auch die Banken in Kanada, Norwegen und Schweden, eine „systemische Gefahr“ dar, erklärte Absolute Strategy Research (ASR) aus London. „Hohe Immobilienpreise, eine enorme Verschuldung der Haushalte und vier Finanzsektoren, die jeweils für mehr als 20 Prozent der lokalen Marktkapitalisierung stehen, lassen diese Märkte zu wahrscheinlichen Quellen der Instabilität werden“, heißt es in ihrem Bericht. Zudem seien die Banken insbesondere in den Rohstoffländern Australien und Kanada sehr abhängig von einer guten Entwicklung in China, warnen die Berater.

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