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Krisensymptome : Aktienkurse in China fallen weiter

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Erinnerungen an 2015: In China fallen die Aktienkurse wieder (Anmerkung: Grün ist in Asien die Farbe für ein Minus) Bild: dpa

Mit dem Yuan fallen am Montag auch die Aktienkurse in China weiter. Analysten erwarten ein Eingreifen der Nationalbank.

          Die Hoffnung auf eine anhaltende Erholung der Kurse chinesischer Aktien hat am Montag einer neuerlichen Rückschlag erhalten. Der Index CSI 300 gab wieder um 1,8 Prozent auf 3447 Punkte nachdem er sich am Freitag noch deutlich erholt hatte.

          Das hatte den Anlegern Hoffnung gegeben, war der Juni doch der zweitschlechteste Börsenmonat in diesem Jahr gewesen. Die schwache Entwicklung weckt böse Erinnerungen an das Jahr 2015. Damals fiel der CSI 300 zwischen Mitte Juni um fast 40 Prozent. Vom damaligen Höchststand von 5335 Punkten ist er seitdem weit entfernt.

          Die fallenden Kurse in China hatten sich seinerzeit auch auf die Entwicklung der Aktienmärkte in Europa und Amerika ausgewirkt, obwohl die chinesische Börse seinerzeit noch viel stärker vom Rest der Welt abgeschottet war als heute noch.

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          Grund für die schlechte Entwicklung ist unter anderem die Schwäche der Landeswährung Yuan, die auch Analysten überrascht. Die ING Groep hat ihre Kursprognose zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage gesenkt und geht von einem künftigen Kurs von 7 Yuan für den Dollar aus da die Zentralbank den Marktkräften erlaube, die Geschwindigkeit der Abwertung zu bestimmen. Seit Mitte April hat der Yuan von 6,27 Yuan für den Dollar auf zuletzt 6,6363 Yuan abgewertet, mehr als die Hälfte davon im Juni.

          Der Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten macht den Anlegern Sorgen. Der Handelskrieg lastet bereits auf Wachstum. Am Montag wurde gemeldet, dass sich der vom Wirtschaftsmagazin "Caixin" ermittelt Index, der die Erwartungen der Einkaufsmanager mittlerer und privater Industrieunternehmen abbildet, im Juni leicht auf 51 Punkte gefallen ist. Der am Samstag veröffentlichte Stimmungsindikator für große und staatlich dominierte Industriekonzerne war überraschend stark gefallen. Damit deuten beide Indikatoren zwar immer noch auf einen Anstieg der Produktion hin, allerdings dürften die Wachstumsraten weiter zurückgehen. Schon jetzt liegen diese unter den Prognosen.

          Eingreifen der Nationalbank erwartet

          Damit zeichnet sich ab, dass sich die Versuche der Regierung, die Verschuldung bei Staatsfirmen und Provinzen sowie die Risiken im Finanzsektor einzudämmen, stärker auf das Wachstum auswirken als bisher erwartet. Deswegen herrscht an der Börse auch besondere Zurückhaltung bei Aktien aus der Wohnimmobilienbranche. Die Erwartungen, dass China privates Immobilieneigentum wieder stärker kontrollieren werde, belaste die Kurse der Projektentwickler. Dieser Markt sei ohnhein noch immer überhitzt, meint Analyst Jiang Yining.

          Nach Ansicht der Analysten von Morgan Stanley dient die Abwertung des Yuan China nicht als Instrument in seinem Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten. Die Nationalbank werde früher oder später eingreifen. Die People’s Bank of China habe schon signalisiert, dass sie in Alarmbereitschaft sei und habe den Referenzzinssatz des Yuan entsprechend geändert. Auch die Strategen von Goldman Sachs sehen Eingriffe der Nationalbank.

          Morgan Stanley prognostiziert eine Kurs des Yuan zu Ende September von 6,65 Dollar, zum Jahresende bei 6,60 Yuan. 2015 habe als China abgewertet, um Kapitalabflüsse zu stoppen und die Abwertungserwartungen aus dem Markt zu nehmen. Dies hatte damals den Kurssturz an der Börse beschleunigt. Daraus habe man nun gelernt.

          In der aktuellen Situation könne der Wechselkurs aber zunächst noch weiter auf 6,80 bis 6,90 Yuan sinken, wenn Anleger die Absichten der Notenbank falsch interpretierten, so die Analysten weiter. Unmittelbare Interventionen erwarten sie, falls der Yuan an einem Tag mehr als 0,6 Prozent oder 0,7 Prozent abwerte. Bislang war der Kurs an einem Tag maximal um rund 0,5 Prozent gefallen

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