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Trotz Zinssenkungen : Aktienkurse fallen abermals deutlich

Der nächste Erholungsversuch an der Börse läuft. Bild: AP

Um 20 Prozent sind die Kurse am deutschen Aktienmarkt in der vergangenen Woche gefallen. Der Montag bringt keine Besserung.

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          Der deutsche Aktienmarkt hat am Montag abermals deutlich tiefer eröffnet. Der den Markt in seiner Breite abbildende F.A.Z.-Index fiel zu Handelsbeginn um 8,4 Prozent auf 1542 Punkte und damit den niedrigsten Stand seit November 2012.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Standardwerteindex Dax der 30 größten Aktiengesellschaften gibt mit einem Minus von 8 Prozent etwas stärker auf 8.491 Zähler nach und notiert damit zum ersten Mal seit Februar 2016 unter der Marke von 9000 Zählern und auf dem niedrigsten Stand seit August 2013.

          Drastische Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft seitens der Bank of Japan, der amerikanischen Zentralbank Fed und der Bank of New Zealand konnten den Aktienmarkt nicht nachhaltig stützen. Nach einer kurzen Aufwärtsbewegung hat etwa der Nikkei-225-Index an der japanischen Börse am Ende doch 2,5 Prozent niedriger geschlossen. In China ging es für den CSI mit den 300 wichtigsten Aktien der chinesischen Festlandbörsen zuletzt um rund drei Prozent nach unten, der Hang Seng in Hongkong verzeichnete Verluste in ähnlicher Größenordnung.

          F.A.Z.-Index

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          Grund ist nicht zuletzt eine deutliche Reaktion der Terminkontrakte auf die amerikanischen Aktienindizes, die ein Minus von bis zu 10 Prozent anzeigten. Indes haben sich diese seitdem etwas gefangen und notieren aktuelle nur noch rund 4,5 Prozent tiefer.

          Diese starke Reaktion ist insofern nicht verwunderlich als Wall Street am Freitag im Unterschied zum deutschen Aktienmarkt eine enorme Erholungsrally verzeichnete. Während der Dax nur mit 0,8 Prozent im Plus schloss, gewann der S&P-500-Index mehr als 9 Prozent auf 2.711 Punkte hinzu. Damit betrug das Wochenminus weniger als 9 Prozent und somit ist das Abwärtspotential größer. Überhaupt unterschieden sich der amerikanische und der deutsche Aktienmarkt in der Vorwoche deutlich voneinander: Während der Dax seine Erholungsversuche immer wieder abbrach, verzeichnete Wall Street sowohl am Dienstag als auch am Freitag starke Kursanstiege.

          Dass die Maßnahmen der Notenbanken tendenziell verpuffen, überrascht Analysten nicht. So sehr wie die Aktienkurse in den Jahren zuvor von der Notenbankpolitik bestimmt wurden, so wenig könne Geldpolitik die durch die Coronavirus-Pandemie verursachte Krise lösen.

          Und die sind massiv. China gab erstmals die Folgen der Pandemie in Zahlen wieder. Demnach sank die Industrieproduktion im Februar um 13,5 Prozent, die Investitionen um 24,5 und die Einzelhandelsumsätze um 20,5 Prozent. Die Prognosen hatten sich auf ein Minus von 2 bis 4 Prozent für alle drei Größen belaufen.

          Die schweren Folgewirkungen auf die Weltwirtschaft lässt die Aktienbewertungen weiter deutlich sinken, meint Ipek Ozkardeskaya, leitende Analystin der Swissquote Bank. Zudem lähme die Ausbreitung des Virus weitere Volkswirtschaften. Den Empire-State-Index für die amerikanische Industrieproduktion, der am Montag veröffentlicht wird, sieht sie  für den März bei einem Stand von 4,40 Punkten - fast zwei Drittel weniger als im Februar mit 12,9 Punkten.

          Als Zeichen der chaotischen Marktverhältnisse sieht sie die Bewegungen des Goldpreises. Dieser war am Donnerstag und Freitag von 1644 bis auf 1504 Dollar gefallen, erreichte in der Nacht 1575 Dollar und ist jetzt wieder auf 1540 Dollar zurückgegangen. Solche starken Preisschwankungen seien für einen sogenannten „sicheren Hafen“ sehr verstörend. Anlegern blieben wenig Alternativen.

          Gold USD

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          Der Euro wertete dagegen wieder auf aktuell 1,1147 Dollar auf, zeigt sich aber ebenso volatil wie alles andere auch.

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