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Börse in Südkorea : Der Handelskrieg belastet mehr als Nordkorea

Hafen in Südkorea Bild: EPA

In Südkorea schaut man nicht vorrangig auf die Bedrohung aus dem Norden. Der Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China belastet die Aktienkurse der Tech-Konzerne mehr.

          Als das nordkoreanische Regime Ende vergangener Woche weitere Gespräche mit den Vereinigten Staaten über eine nukleare Abrüstung infrage und die Wiederaufnahme von Raketentests in Aussicht stellte, blieb es an der Börse in Seoul insgesamt weitgehend ruhig. Die Kurse südkoreanischer Unternehmen im Militärbereich wie Victek oder Hanil Forging Industrial stiegen allerdings sehr stark um rund 25 Prozent. Die Aktienkurse von Unternehmen, die von einer wirtschaftlichen Öffnung des Nordens profitieren würden, wie etwa der Ferienortentwickler Ananti oder der Zughersteller Hyundai Rotem, fielen dagegen in der Größenordnung von 7 bis 11 Prozent.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Insgesamt ließen sich die Anleger durch Nordkoreas Drohungen aber nicht erschrecken. Der Kospi-Index legte um rund 1 Prozent zu. Weitaus bestimmender als die Rhetorik aus Pjöngjang war die Hoffnung auf eine Einigung im Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China. Das wirft ein Schlaglicht auf die geringe wirtschaftliche Bedeutung Nordkoreas.

          Smartphone-Nachfrage schwächelt

          Bestimmt werden die Marktrisiken in der exportabhängigen südkoreanischen Volkswirtschaft derzeit durch die sich abschwächende chinesische Wirtschaft, die Verlangsamung des Welthandels, dem Handelskrieg zwischen Washington und Peking und vor allem in der Technologiebranche durch ein geringeres Interesse an immer neuen und teureren Smartphones. Samsung, LG Display oder SK Hynix – alle haben in den vergangenen Wochen vor schwierigeren Zeiten gewarnt.

          Die Sorgen drücken auch Elektronikunternehmen in Taiwan wie Hon Hai Precision Industry, besser bekannt als Foxconn, Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSMC) oder Pegatron. Nach einer Berechnung der japanischen Wirtschaftszeitung „Nikkei“ haben die elf wichtigsten Elektronikanbieter Taiwans im Februar 2,5 Prozent weniger Umsatz – das schlechteste Ergebnis seit 2016 – erzielt. Die Abschwächung zeigt sich in den Erwartungen von Analysten. Im Analystendurchschnitt wird für koreanische Aktien in diesem Jahr eine Schrumpfung des Gewinns je Aktie um 13 Prozent und für Taiwan um 2,5 Prozent erwartet.

          Die Aktienkurse der großen Technologieunternehmen spiegeln diese Aussichten. So verzeichnete die Aktie von Samsung Electronics in den vergangenen zwölf Monaten ein Minus von 12 Prozent, LG Electronics ein Minus von 28 Prozent und SK Hynix ein Minus von 23 Prozent. In Taiwan sind es bei Hon Hai Precision Industry minus 35 Prozent und bei TSMC minus 2 Prozent.

          Als Trugschluss kann sich erweisen, die Erleichterung in einem Ende des Handelskrieges von Amerika und China zu erhoffen. Falls China Amerikas Präsidenten Donald Trump durch vermehrte Käufe amerikanischer Produkte besänftigt, würde das durch Handelsumlenkung neben Malaysia gerade Taiwan und Südkorea schwer treffen. Die Ökonomen von Goldman Sachs haben berechnet, dass Taiwan mehr als 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und Südkorea rund 0,4 Prozent verlieren könnten. Beide Länder träfe vor allem eine geringere Nachfrage nach Halbleitern, was die Technologieaktien weiter belasten würde.

          Samsung-Aktie

          SAMSUNG EL./25 GDRS NV PF

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          Derweil werden an der Börse in Seoul weitere Kapitel der Fortsetzungsgeschichten um zwei wirtschaftliche Schwergewichte gegeben. Samsung und der Börsengang der Gruppengesellschaft Samsung Biologics stehen mal wieder im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Am Freitag hat die Staatsanwaltschaft die koreanische Börse, Samsung C&T und ein Datenzentrum von Samsung SDS durchsucht. Der Verdacht zielt darauf, dass die Börse ihre Regeln in einer Art Lex Samsung geändert haben könnte, um dem verlustreichen Biotech-Unternehmen Biologics 2016 einen Börsengang zu ermöglichen. Samsung hat die Biotechnologie als eines der wichtigsten künftigen Wachstumsfelder der Gruppe benannt.

          Schon im vergangenen Jahr stand Samsung wegen des Börsengangs unter Beobachtung. Die Finanzaufseher warfen Samsung Biologics einen Bilanzbetrug mit einem Schaden von umgerechnet 4 Milliarden Dollar vor, weil es vor dem Börsengang 2016 bewusst Informationen zurückgehalten habe. Das Unternehmen wehrte sich vor Gericht erfolgreich gegen eine Absetzung des Chefs und auch der Handel mit Biologics-Aktien wurde nur zeitweise ausgesetzt. Die Aktie von Samsung Biologics hat in den vergangenen 12 Monaten 24 Prozent verloren, mehr als das Doppelte des Verlusts von 11 Prozent des Kospi-Index.

          Unterdessen dringen Paul Singer und sein Hedgefonds Elliott Management vor der Aktionärsversammlung am Freitag auf eine höhere Ausschüttung von Hyundai Motors. Elliott fordert von Hyundai Motor und Teilefabrikant Hyundai Mobis eine Ausschüttung von etwa 7 Billionen Won (5,4 Milliarden Euro) und verweist darauf, dass die beiden Unternehmen ihre üppigen Barreserven damit nur um rund 25 Prozent verringern würden. Hyundai Motor und Hyundai Mobis bieten etwa ein Drittel der geforderten Dividende. Elliott hat zur besseren Unternehmensführung auch drei unabhängige Direktoren vorgeschlagen. Im vergangenen Jahr hatte der Hedge-Fond einen seiner Meinung nach einen für Investoren nachteiligen Plan zur Umstrukturierung der Hyundai-Motor-Gruppe zu Fall gebracht. Die Aktie von Hyundai Motor hat in den vergangenen 12 Monaten gemessen an der Rendite 18,6 Prozent verloren.

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