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Zahlungsdienstleister : Aktienkurs von Wirecard fällt um 13 Prozent

  • Aktualisiert am

Die Aktie des Bezahldienstleister Wirecard war 2018 die beste im Dax. Bild: Reuters

Auch die Dax-Aufnahme hat nichts geändert: Der Aktienkurs von Wirecard bleibt extrem anfällig für negative Nachrichten. Wieder sind es Berichte über angebliche kriminelle Praktiken.

          Es mutet an wie ein Deja vu. Um mehr als 13 Prozent fällt am Mittwochnachmittag der Aktienkurs des Zahlungsabwicklers Wirecard, teilweise lag er 20 Prozent im Minus. Bis zum Nachmittag hatte sich dieser trotz Abschlägen noch ganz gut gehalten, doch am Nachmittag fiel er plötzlich wie ein Stein.

          Händler machen dafür einen kritischen Bericht in der Online-Ausgabe der "Financial Times" verantwortlich. Ein leitender Wirecard-Manager sei im vergangenen Jahr verdächtigt worden, gefälschte und rückdatierte Verträge in einer Reihe verdächtiger Transaktionen eingesetzt zu haben. Dies werfe Fragen nach der Integrität der Buchhaltung des Unternehmens auf. In einer internen Darstellung würden „potentiell betrügerische Geldflüsse bei Wirecard beschrieben“. Diese Präsentation und andere Dokumente hätten der FT vorgelegen, schreibt die Zeitung.

          Angeordnet worden seien sie die Transaktionen von Edo Kurniawan, der für die Rechnungslegung im asiatisch-pazifischen Raum verantwortlich sei. Die Präsentation trage den  Titel „Project Tiger Summary“, stamme vom 7. Mai 2018 und umreiße mögliche Rechtsverstöße in Singapur, darunter die „Fälschung von Konten“ und „Geldwäsche“. Kurniawan habe ihm gestellte Fragen nicht beantwortet.

          WIRECARD

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          Die Zeitung beruft sich dabei auf eine ungenannte Informationsquelle. Diese handele aus der Motivation, dass nichts gegen „potentiell kriminelle Aktivitäten“ in dem Unternehmen unternommen werde, das sich als solide Finanzinstitution präsentiere.

          Eine Wirecard-Sprecherin sagte, man halte den Bericht für "völlig substanzlos". Das Unternehmen
          dementiere ein Fehlverhalten wie in dem "FT"-Bericht beschrieben und nehme alle Vorgaben zur Einhaltung von Gesetzen sehr ernst. Auch die FT räumt ein, dass Wirecard die Vorwürfe bestreitet. Aus den laufenden internen und externen Prüftätigkeiten ergäben sich weder wesentliche Compliance-Befunde hinsichtlich der Governance- und Rechnungslegungspraktiken einer Tochtergesellschaft noch hinsichtlich des persönlichen Verhaltens von Edo Kurniawan.

          Das Project Tiger-Dokument sei von einem Compliance Officer von Wirecard für eine Präsentation für die oberste Führungsetage des Unternehmens vorbereitet worden, schreibt die „FT“. Rund 37 Millionen Euro in sieben komplexe Transaktionen seien als verdächtig gekennzeichnet.

          Dass der Bericht auf so fruchtbaren Boden fällt, hat damit zu tun, dass schon seit nunmehr zehn Jahren immer wieder Zweifel an der Seriosität des Unternehmens geäußert wurden. Diese Zweifel stammten aber bisher immer aus eher umstrittenen Quellen wie dem umstrittenen Researchdienst "Zatarra". Erst im Dezember hatte die Staatsanwaltschaft München einen Strafbefehl gegen den Herausgeber beantragt. Es ging dabei um einen spektakulären Aktienkurseinbruch im Jahr 2015. Die unbelegten Betrugsvorwürfe seien ein Fall von Marktmanipulation gewesen, sagte seinerzeit eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. .Auch die Zatarra-Vorwürfe  wurden seinerzeit durch  ein Finanzblog der "Financial Times" bekannt.

          Am Morgen hatte Wirecard aktuelle Geschäftszahlen veröffentlicht. Demnach ist das Betriebsergebnis im vergangenen Jahr um 38 Prozent auf 568 Millionen Euro gestiegen und lag damit am oberen Ende der vom Vorstand angepeilten Spanne von bis zu 570 Millionen Euro. Das operative Ergebnis  wuchs damit nicht ganz so stark wie der Umsatz, der um 40 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro zulegte. Wirecard bekräftigte sein Gewinnziel von 740 bis 800 Millionen Euro im laufenden Jahr. Die Analysten der Baader Bank erwarten, dass das Wachstum anhalten wird. Das einzige Haar in der Suppe ist aus ihrer Sicht die schwächere Marge im vierten Quartal.

          Wirecard wickelt Online-Zahlungen zwischen Händlern, Verbrauchern und Banken ab und kassiert dafür Gebühren. Damit profitiert das Unternehmen davon, dass weltweit immer mehr Menschen im Internet einkaufen oder an der Supermarkt-Kasse mit ihrem Smartphone bezahlen.

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