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Ernste Lage : Aktienkurs von Gerry Weber abermals unter Druck

Es sieht derzeit nicht gut aus bei Gerry Weber. Bild: dpa

Deutlich in die Knie geht am Donnerstag der Aktienkurs des angeschlagenen Modekonzerns Gerry Weber. Der genaue Grund bleibt ein Rätsel.

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          Die Bewegungen von Aktienkursen gehören zu den Mysterien der Menschheit. Meist sind sie das Ergebnis von Einzelentscheidungen und je kleiner die Veränderung ist, desto unwahrscheinlicher ist es, sie mit einer einzigen Ursache erklären zu können.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Große Veränderungen hingegen haben meist einen eindeutigen Grund. Diesen zu finden, ist in der heutigen Informationsgesellschaft meist nicht schwer, aber nicht immer möglich. Das gilt auch am Donnerstag auch für die Aktie des angeschlagenen Modekonzerns Gerry Weber. Seit Mitte Dezember hatte sich der Kurs nicht mehr groß bewegt. Im Gegenteil lag der Kurs am Donnerstagmorgen fast auf demselben Niveau wie vor fünf Wochen.

          Doch gegen Mittag stürzte er unvermittelt ab: Mit einem Minus von fast 15 Prozent fiel er erstmals unter die Marke von 2 Euro auf ein Allzeittief – ohne dass es irgendetwas Aktuelles vom Unternehmen gäbe.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Nun gut, die jüngsten Nachrichten waren abermals nicht gut: Gerry Weber hatte die vorläufigen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr noch einmal kräftig korrigiert. Der zunächst mit 148,1 Millionen Euro angegebene Betriebsverlust beläuft sich doch eher auf 192,3 Millionen Euro. Verantwortlich dafür ist neben Wertberichtigungen auf die Tochtergesellschaften in Norwegen und Finnland nicht zuletzt die Lage bei Hallhuber, das Gerry Weber 2014 übernommen hatte. Doch das war nun schon vor zehn Tagen.

          Am Wochenende war dann die Einigung mit den Gewerkschaften unter Dach und Fach gekommen. Einbehaltene Zuschläge werden ausbezahlt, dafür werden die meisten Beschäftigten demnächst zwei Stunden pro Woche weniger arbeiten und es wird bis 2021 keine Sonderzahlungen mehr geben. Aber das ist auch einige Tage her.

          Verdichtung der Nachrichten

          Was am Donnerstag beginnen sollte, sind dagegen die Verhandlungen um Interessenausgleich und Sozialplan. Dabei geht es um den Abbau von 900 Stellen. Doch diese Verhandlungen sollen bis Monatsende laufen, kurz bevor Gerry Weber ein Finanzierungskonzept vorstellen will.

          Was allerdings in den vergangenen Tagen geschah, ist eine gewisse Verdichtung der Nachrichten. So wurde über die vor zehn Tagen erfolgte Senkung des Kursziels durch die Analysten der Baader Bank auf 1,60 Euro in englischsprachigen Quellen erst in dieser Woche berichtet. Darüber hinaus wurde ein deutlicher Anstieg der Leerverkäufe im amerikanischen Freiverkehr berichtet.

          Ob dies die Kursbewegung am Donnerstag erklärt, ist allerdings nicht sicher. Tatsache ist allerdings, dass die Situation von Gerry Weber ernst ist, und dass in den kommenden Tagen Vorentscheidungen über die Zukunft des Konzerns anstehen.

          Die Finanzierung des Unternehmens ist derzeit nur bis Ende Januar gesichert, nachdem die Inhaber eines Anfang November fällig gewordenen Schuldscheindarlehens seinerzeit ihre Forderungen bis zu diesem Zeitpunkt gestundet hatten.

          Bei unerklärlichen starken Kursbewegungen ist auch immer rasch der Verdacht zur Hand, irgendjemand wisse mehr als andere. Auch hat sich das Handelsvolumen deutlich belebt. Macht man sich diese Auffassung zu eigen, sieht es für Gerry Weber nicht gut aus.

          Jedoch ist diese Überlegung gleichfalls nicht zwingend. Manchmal stößt auch nur ein Verkäufer eine Bewegung an, die eine latent vorhandene Tendenz sich materialisieren lässt. Der Entwicklung Aufmerksamkeit zu schenken, ist aber sicher in keinem Fall verkehrt. Gerry Weber wollte die Kursbewegung aus grundsätzlichen Erwägungen nicht kommentieren. Es gebe vom Unternehmen her auch keine tagesaktuellen Nachrichten.

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