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Softwarekonzern unter Druck : Aktienkurs von SAP fällt um 20 Prozent

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Das „Paradies“ ist verschoben: Die Umstellung aufs Cloud-Business wird SAP in den kommenden Jahren zunächst einmal belasten. Bild: Reuters

Deutlich unter Druck steht am Montag nach einer Senkung der Unternehmensziele der Aktienkurs des Softwarekonzerns SAP. Das zieht auch den Dax tiefer ins Minus.

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          Heftig hat es am Montagmorgen den Aktienkurs des Softwarekonzerns SAP erwischt. Vorbörslich hatte sich ein starker Kursverlust schon angedeutet, den börslichen Handel eröffnete die Notierung dann 20 Prozent im Minus knapp oberhalb der Marke von 100 Euro auf dem niedrigsten Stand seit Anfang April.

          Das zog selbstverständlich auch den Dax tiefer ins Minus, denn mit aktuell knapp 12 Prozent ist SAP mit seiner Marktkapitalisierung von 134 Milliarden Euro am Freitag der mit Abstand der größte Wert.

          „Wir wollen ein Wachstumsunternehmen bleiben“

          SAP hat seine Jahresziele und den mittelfristigen Ausblick gesenkt. Vorstandschef Christian Klein will Wachstumsinvestitionen priorisieren, um „den Erfolg unserer Kunden nicht der kurzfristigen Optimierung unserer Marge“ zu opfern. Die Kunden fragten verstärkt Software aus der Cloud zur Nutzung über das Internet nach. Insofern wäre das Beibehalten der alten Mittelfristziele mit dem Fokus auf die eigene Profitabilität gegen deren Wünsche gewesen. „Wir wollen ein Wachstumsunternehmen bleiben“, sagte Finanzchef Luka Mucic.

          SAP will in den kommenden beiden Jahren einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in das Wachstum mit Software über das Internet investieren. Nun sollen vor allem bestehende Kunden zum Umstieg bewogen werden. Cloudverträge sind erst mit längerer Laufzeit so lukrativ wie Softwarelizenzen gegen hohe Einmalbeträge. Dies werde das Wachstum der bereinigten betrieblichen Marge bis 2023 voraussichtlich deutlich hemmen.

          SAP

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          Analysten reagierten zurückhaltend. JPMorgan-Expertin Stacy Pollard strich ihre Empfehlung und nahm die Papiere zudem von der "Analyst Focus List" der Investmentbank. Die meisten anderen Häuser behielten indes ihre Empfehlungen bei.

          Andrew DeGasperi von der Privatbank Berenberg zeigte sich vor allem "so kurz vor dem Jahresende" vom gekürzten Umsatzausblick für das Cloud-Geschäft für 2020 überrascht. Die Baader Bank verweis darauf, dass der Softwarekonzern mit Umsatz und operativem Ergebnis zwar enttäuscht, unter dem Strich jedoch den Gewinn dank eines unerwartet starken Finanzergebnisses überraschend deutlich gesteigert habe. Insgesamt deuteten die Aussagen auf einen radikaleren Wechsel zur Cloudsoftware hin, der das traditionelle Geschäft von SAP mit serverbasierter Software stärker verdrängen dürfte als bislang kommuniziert. Dadurch würden aber in den nun anstehenden zwei Übergangsjahren die Umsatz- und Gewinnentwicklung noch besser berechenbar.

          Der befürchtete mittelfristige Margenrücksetzer sei nun da, hieß es von der britischen Investmentbank Barclays. Der Fokus liege vor allem auf den Mittelfristzielen. Die Schweizer Großbank UBS nannte das Zahlenwerk für das dritte Quartal glanzlos. Es werde überschattet von den niedrigeren mittelfristigen Zielen. Die durchschnittlichen Marktschätzungen für das Betriebsergebnis im Jahr 2023 könnten nun um 20 Prozent fallen. Das Paradies sei verschoben worden, Anleger bräuchten Geduld.

          Unterdessen hält SAP hält an den Plänen für den Börsengang seiner amerikanischen Tochtergesellschaft Qualtrics fest. Die Vorbereitungen seien bald beendet, die Sparte habe ein gutes drittes Quartal gehabt. Im Sommer hatte der Walldorfer Konzern angekündigt, das für acht Milliarden Dollar erworbene Unternehmen an die Börse bringen zu wollen.

          Die Geschehnisse um SAP belasteten den Dax zwar deutlich, jedoch sind diese nicht allein für das Minus von 2,3 Prozent am Montag verantwortlich.

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          Die grassierende Coronavirus-Pandemie sorgt generell für ene Belastung der Marktstimmung. „Es wird immer deutlicher, dass nach der ersten Welle jetzt auch die zweite Welle Spuren in den Unternehmensergebnissen hinterlassen wird", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners.

          Der Kurs der Lufthansa fiel um mehr als 6 Prozent ab. Wegen der Virus-Krise fährt die Fluggesellschaft den Betrieb abermals herunter. "Wir befinden uns jetzt wieder in einer Situation, die in ihren Auswirkungen einem Lockdown gleichkommt", teilte das Unternehmen mit. Im Sog der Lufthansa büßten die Titel des Flughafen-Betreibers Fraport 3,5 Prozent ein. Auch der Kurs des Triebwerkbauers MTU fällt deutlich um mehr als 2 Prozent.

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