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Finanzdienstleistungen : Der Anlegerschutz begräbt die Aktienanalyse

Das Logo an der Fassade der Dekabank in Frankfurt am Main Bild: dpa

Fonds müssen die Kosten für eine Aktienanalyse künftig selbst tragen oder dem Kunden explizit ausweisen. Wird es zu einem harten Ringen um die Preise kommen?

          Wie viel ist eine gute Aktienanalyse wert? Diese Frage musste in der Vergangenheit oft nicht beantwortet werden. Die meisten Banken und Broker haben ihre Analysen, im Fachjargon Research genannt, im Paket mit anderen Dienstleistungen verkauft, zum Beispiel dem Handel von Wertpapieren. Diese Zeiten sind von Januar an vorbei. Dann tritt die neue EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II in Kraft, die unter anderem eine höhere Kostentransparenz zum Ziel hat. Die Analyse von Märkten und Unternehmen muss damit als getrennte Dienstleistung betrachtet und auch entsprechend bezahlt werden und nicht mehr wie bisher oft im Paket.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Viele Fondsgesellschaften stellen sich daher die Frage, ob sie das externe Research überhaupt brauchen. Charlotte Looß, die vor allem kleinere Emittenten in ihrem Kontakt zu Investoren berät und daher auch den Markt für Aktienanalysen genau beobachtet, verweist auf eine Auswertung, wonach etwa die Hälfte der Marktteilnehmer noch nicht weiß, wie sie die in vier Monaten geltende Neuregelung umsetzen. „Die Fondsgesellschaften können das Research aus eigener Tasche bezahlen, das geht dann auf ihre Marge, oder sie belasten damit die Fondsanleger, müssen ihnen die Kosten klar ausweisen und einmal im Jahr in einem Bericht darstellen, was mit ihrem Geld gemacht wurde“, sagt Looß. Beide Varianten führen in einem Punkt zum selben Ergebnis: Die Research-Kosten sollten möglichst gering sein. „Es gibt voraussichtlich einen erheblichen Druck auf die Anbieter“, sagt Looß. Wenn ein Budget für Research in den Fonds eingeplant werde, besteht die Gefahr, dass es nicht für das Research im bisherigen Umfang ausreicht. „Im Ergebnis trifft der Kostendruck vermutlich die Analysten, die zum Beispiel mehr Titel beobachten müssen.“

          Rückgang um rund ein Drittel in den nächsten Jahren

          Einige ausländische Fondsgesellschaften haben sich schon festgelegt, die Research-Kosten künftig aus dem Vermögen der Fondsgesellschaft zu bezahlen. Das belastet zwar die Marge, aber es entfällt zumindest die Dokumentationspflicht gegenüber dem Anleger. Die Fondsgesellschaft der Sparkassen, die Deka, und die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, die Union Investment, haben sich hingegen für den anderen Weg entschieden und werden die Research-Kosten für jeden Fonds einzeln ausweisen. Das ist eine komplizierte Angelegenheit, schließlich ist es nicht ganz trivial, diese Kosten den einzelnen Fonds zuzuordnen. Die genaue Umsetzung ist daher noch nicht abgeschlossen. Die Union Investment verweist aber auf das Ziel, dass die Gesamtkosten für den Anleger dadurch nicht höher werden sollen als bisher. Eher könnte sich vielleicht sogar Spielraum für Preisreduzierungen ergeben. „Wir fragen uns, welches Research wir unbedingt brauchen, weil es einen wirklichen Mehrwert für das Fondsmanagement liefert, und was es kosten darf“, sagt ein Sprecher von Union Investment. „Derzeit finden Preisdiskussionen statt.“ Die Fondsmanager analysieren auch selbst die Unternehmen, und viel Research, das bisher mitgeliefert wird, werde gar nicht gebraucht.

          Da alle Fondsgesellschaften nun künftig genauer hinsehen, welche Analyse-Dienstleistungen sie wirklich brauchen, kursieren im Markt Schätzungen, die von einem Rückgang um rund ein Drittel in den nächsten Jahren ausgehen. Während die Analyse großer Märkte und Unternehmen weiterhin als Standardangebot im Research gefragt bleiben wird, befürchten viele, dass die Analyse kleinerer Unternehmen und Schwellenländer noch weniger nachgefragt wird als jetzt schon, entsprechend teurer würde und dann eventuell ganz eingestellt wird.

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