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Nestlé und Campari : Die Welt hat Durst

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Rund um die Welt bekannt: Werbetafel der Nestlé-Marke Maggi in der Elfenbeinküste Bild: Reuters

Die Aktien von Nestlé und Campari bleiben weiterhin interessant. Was lässt die Charttechnik von den beiden Wertpapieren erwarten?

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          Begleitet von den zuletzt weltweit gesunkenen Anleiherenditen, den moderaten Inflationsaussichten und der etwas schwächeren Weltkonjunktur setzt sich in Europa die technische Bilderbuch-Hausse im Nahrungsmittel- und Getränkebereich weiter fort. Neben der Attraktivität des Sektors sind viele Titel aus technischer Sicht hervorzuheben.

          Die Aktie von Nestlé, die zuletzt neue Allzeithochs geliefert hat, bleibt ein konservativer, technischer (Zu-)Kauf. Nach dem Motto „Die Welt hat Durst“ sind besonders die Getränkehersteller in einem technischen Neubewertungsprozess. Neben einigen europäischen Brauereien befinden sich auf der technischen Kaufliste weiterhin – von den großen europäischen Titeln – die britische Diageo und die französische Pernod Ricard sowie – von den mittelgroßen europäischen Werten – die italienische Campari und die britische Britvic.

          Die wichtigen europäischen Aktiengesellschaften aus dem Bereich Nahrungsmittel und Getränke sind im Stoxx Food & Beverage, der gegenwärtig 24 Titel enthält, zusammengefasst. Dieser Sektor hat von seiner Grundausrichtung einen defensiven technischen Charakter und gehört zu den europäischen Marathonläufern (steht in diesem Fall für Sektoren, die sich in sehr langfristigen Aufwärtsbewegungen befinden, im Regelfall eine relative Stärke gegenüber dem Stoxx 600 aufweisen und innerhalb einer Gesamtmarkthausse neue Allzeithochs liefern).

          Der Sektorindex startete Ende 2011 bei 330 Punkten einen feinen technischen Hausse-Trend, der den Index bis zum April 2015 auf ein Niveau von 680 Punkten führte. Parallel zu dem seit knapp vier Jahren bestehenden Seitwärtspendelmarkt im Stoxx 600 machte die technische Hausse im Sektorindex ebenfalls eine Pause. Hierbei entwickelte sich eine Seitwärtspendelbewegung unterhalb der Widerstandszone von 680 bis 685 Punkten, welche die technische Form eines Aufwärtsdreiecks aufweist.

          Multinationaler Nahrungsmittelkonzern

          Dieses Dreieck hatte aus mittelfristiger, technischer Sicht bereits einen trendbestätigenden Charakter nach oben. Begleitet von einer sehr guten Sektormarktbreite (steht für die isolierte technische Lage der Sektortitel unabhängig von ihrer Größe) ist der Sektorindex zuletzt mit dem Sprung über die Widerstandszone und einem übergeordneten Investment-Kaufsignal aus diesem Dreieck nach oben herausgelaufen. Damit hat der Sektor seine technische Neubewertung wieder aufgenommen. Da das nächste, mittelfristige, technische Etappenziel bei 770 Punkten liegen sollte, dürfte sich auch die relative Stärke im europäischen Sektorvergleich fortsetzen.

          Die Schweizer Nestlé ist ein multinationaler Nahrungsmittelkonzern, wobei der Titel nach Marktkapitalisierung im Streubesitz zurzeit die größte Aktie in Europa und im Stoxx 600 ist. Dieser Titel ist ein Musterbeispiel für einen defensiven, technischen Marathonläufer in Europa. Ausgehend vom Kurstief im August 1990 bei 5,50 Schweizer Franken befindet sich dieser Titel in einer Aufwärtsbewegung. Diese mündete ab dem Jahr 2013 und Kursen um 60,00 Franken in einen langfristigen Hausse-Kanal, wobei der Aktienkurs zwischen zwei parallel laufenden Aufwärtstrends nach oben läuft. Die wichtige, untere Aufwärtstrendkanallinie liegt aktuell bei 77,00 Franken.

          Nestlé war in der Lage, zum Beispiel auch in der Phase der Franken-Aufwertung im Jahr 2015 und während der Gesamtmarktbaisse im zweiten Halbjahr 2018 diesen Aufwärtstrendkanal durchzuhalten. In den vergangenen Wochen ist die Aktie mit einem neuen Investment-Kaufsignal (Sprung über die Widerstandszone um 86,50 Franken) auf neue Allzeithochs um 94,00 Franken gestiegen, so dass die technische Neubewertung wieder aufgenommen wurde.

          Insgesamt deutet sich aufgrund des guten technischen Gesamtbildes als mittelfristiges Etappenziel der Bereich um 100,00 Franken an. Nestlé, die zusätzlich eine Brutto-Jahresdividendenrendite von ungefähr 2,6 Prozent bietet, bleibt – besonders an schwachen Handelstagen – ein defensiver, technischer (Zu-)Kauf. Der strategische Sicherungsstopp für jede Nestlé-Position sollte bei 76,00 Franken liegen.

          Etappenziel im Bereich von 9,20 bis 9,40 Euro

          Die italienische Davide Campari produziert, vermarktet und vertreibt weltweit in 190 Ländern Markenspirituosen sowie Wein und Soft Drinks mit bekannten Marken wie Aperol, Campari und Cinzano. Diese Aktie, die im Juli 2001 als Neuemission an die italienische Börse gekommen ist, gehört zu den wenigen italienischen Marathonläufern. Bereinigt um zwischenzeitliche Kapitalmarktaktivitäten startete der Titel von einem Tief bei 0,54 Euro im November 2001 seine sehr langfristige Aufwärtsbewegung, die ab August 2015 – ausgehend von Kursen um 2,45 Euro – mehr Spritzigkeit (bedeutet höheres Aufwärtsmomentum) aufweist. Als Konsequenz liegt ein idealtypischer, gut dreieinhalbjähriger Hausse-Trend vor, dessen Hausse-Trendlinie zuletzt bei 7,20 Euro angekommen ist. Campari bewegte sich zum Jahreswechsel 2018 auf 2019 in einer Konsolidierung unterhalb der Widerstandszone um 7,90 Euro. Diese hatte einen trendbestätigenden Charakter nach oben.

          Zuletzt ist Campari, die als klassischer, technischer Wachstumswert nur eine geringe Brutto-Jahresdividendenrendite von 0,6 Prozent aufweist, mit einem neuen Investment-Kaufsignal angesprungen, so dass sich die langfristige Hausse-Bewegung mit neuen Allzeithochs fortsetzt. Da das nächste mittelfristige technische Etappenziel im Bereich von 9,20 bis 9,40 Euro liegen sollte, bleibt Campari ein defensiver, technischer (Zu-)Kauf. Jede Position in Campari-Aktien sollte mit einem strategischen Sicherungsstopp bei 7,10 Euro belegt werden.

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