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Anleger in Sorge : Aktienkurs von Tele Columbus im freien Fall

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Zentrale von Tele Columbus in Berlin Bild: Tele Columbus

Die Hoffnungen beim Börsengang des Kabelnetzbetreibers Tele Columbus waren groß. Die Kursentwicklung in diesem Jahr ist desaströs.

          Als der drittgrößte deutsche Kabelnetzbetreiber Tele Columbus vor drei Jahren an die Börse ging, waren Beobachter recht optimistisch. In den niedrigen Erlösen pro Kunde wurde Wachstumspotential gesehen, die neue Technik wurde gelobt.

          Dass der Börsengang hauptsächlich den Investoren als Ausstieg und der bitter notwendigen Entschuldung diente - immerhin hatte Tele Columbus seinerzeit ein Eigenkapitaldefizit von 15 Prozent und Finanzverbindlichkeiten in Höhe von 94 Prozent der Bilanzsumme - wurde eher großmütig vernachlässigt. Viel mehr lockte der Plan, den durchschnittlichen monatlichen Erlös pro Kunde von 14 Euro auf 17 Euro zu erhöhen. Doch eine hohe Verschuldung will gut gemanagt und Erlösziele wollen erst einmal erreicht sein.

          Wichtige Investoren verkaufen

          Der Optimismus verflog rasch und mittlerweile scheinen die Anleger die Hoffnung aufgegeben zu haben. Nach einer langen Seitwärtsbewegung befindet sich der Kurs seit März im freien Fall. Auch am Mittwoch geht es wieder um mehr als 5 Prozent aiuf 2,72 Euro abwärts. Vor fünf Monaten wurden noch mehr als 9 Euro bezahlt. Alleine auf Wochensicht verloren das Unternehmen fast die Hälfte seines Börsenwertes.

          Mächtig Verkaufsdruck kam in die Aktien, als zu Beginn der Woche bekannt wurde, dass der Vermögensverwalter York Capital seine Beteiligung deutlich verringert hat. Seit dem Vorabend ist klar, dass mit dem Smallcap World Fund und The Capital Group weitere Investoren umfangreich verkauft haben.

          Analyst Andrew Lee von Goldman Sachs hatte Ende Juli kritisch angemerkt, dass die Abonnentenzahlen zurückgingen. Zudem sei das Unternehmen, an dem United Internet knapp 29 Prozent hält, hoch verschuldet.

          Verschuldung steigt wieder

          Rund 123 Millionen Euro hat Tele Columbus im ersten Quartal umgesetzt - gerade einmal 2,3 Millionen Euro mehr als vor Jahresfrist und sieben Millionen mehr als vor zwei Jahren. Das Umsatzwachstum ist also schwach und wird schwächer. 2017 sank der Umsatz je Kunde merklich, dafür stiegen die Verschuldungskennziffern wieder an. Vor allem aber verschoben das Unternehmen vor einigen Tagen ohne Begründung die Veröffentlichung des Halbjahresberichts.

          Daniel Morris von Barclays sieht wachsende Sorgen der Anleger. Sie zeigten sich gegenüber ihm beunruhigt.Für die laufenden Kreditvereinbarungen sieht der Experte keine Gefahr, sofern das operativen Ergebnis nicht deutlich falle.

          Für mögliche Käufer stellten sich jedoch durchaus einige Fragen - insbesondere rund um die Interessen des Großaktionärs United Internet. Jüngste Aussagen hätten den Eindruck erweckt, dass man möglicherweise kein Interesse an einer Aufstockung des Anteils habe. Es gebe diesbezüglich zwar keine Klarheit, aber auch eine Kooperation mit der Deutschen Telekom beim Glasfaserausbau deute zumindest auf andere Prioritäten hin, so Morris. Im schlimmsten Fall könnten United Internet sich womöglich sogar von Anteilen an Tele Columbus trennen.

          TELE COLUMBUS AG NA O.N.

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