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An der Börse : Borussia Dortmund steigt ab

Fans bei einem Spiel des BVB im März 2018 im Signal Iduna Park Bild: Picture-Alliance

Schon vor dem Start der Fußball-Bundesliga muss der BVB eine bittere Niederlage einstecken: Die Aktie fliegt aus dem S-Dax.

          Alles soll anders werden bei Borussia Dortmund in dieser Fußballsaison. Über den neuen Trainer Lucien Favre und den neuen Kapitän Marco Reus hinaus will der BVB ein anderes Gesicht zeigen als in der vergangenen Saison, als der Klub im internationalen Wettbewerb kläglich scheiterte und sich mit Ach und Krach für die abermalige Teilnahme an der Champions League qualifizierte. „Bodenständig und leidenschaftlich“ sollen die Borussen in diesem Jahr wieder auftreten, fordert Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Allen Ambitionen zum Trotz zählt Borussia Dortmund schon vor Saisonbeginn zu den heißesten Abstiegskandidaten. Nicht in der Bundesliga, dazu sind Trainer und Mannschaft nominell zu stark. Sondern an der Börse, wo die Borussia allzu schwach dasteht. Was dazu führt, dass die BVB-Aktie in einem Monat, wenn die Deutsche Börse ihre Indexlandschaft neu ordnet, wohl oder übel aus dem S-Dax verschwinden wird. Es sei denn, der Aktienkurs wird in den kommenden zwei Wochen überraschenderweise explodieren und die Marktkapitalisierung des Klubs weit über die aktuellen 550 Millionen Euro hinaus steigen.

          Seit dem 23. Juni 2014, also seit genau 50 Monaten, ist der einzige börsennotierte Fußballverein Deutschlands im Index der Kleinwerte gelistet. Dass er nun absteigt, obwohl der S-Dax von 50 auf 70 Mitglieder erweitert wird, dürfte Folgen haben. „Als der BVB in den Index aufgenommen wurde, ist die Nachfrage nach der Aktie ein Stück weit nach oben gegangen“, sagt Alexander Langhorst, Geschäftsführer von GSC Research. „Nun könnte Abgabedruck aufkommen.“

          BORUSSIA DORTMUND

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          Teilnahme an Champions League wäre hilfreich

          Vor allem Fondsgesellschaften aus dem englischsprachigen Raum, die in den vergangenen Jahren auf die BVB-Aktie gesetzt haben, könnten sich zurückziehen. Professionelle Anleger, die sich in ihren Portfolios den S-Dax zum Maßstab nehmen, fallen als potentielle Käufer weg. Der Aktienkurs, der aktuell bei rund 6 Euro liegt und damit 28 Prozent unter dem Höchststand vom Oktober 2017, dürfte nach dem S-Dax-Abstieg also mit Abschlägen gehandelt werden. „Manche Investoren werden die BVB-Aktie vom Radar verlieren“, sagt Langhorst voraus.

          Es wäre einer der selteneren Fälle, dass die Entwicklung des Aktienkurses nicht dem sportlichen Abschneiden folgt. Gewöhnlich reagieren Anleger darauf, wenn der BVB in der Bundesliga gewinnt oder in der Champions League verliert. Von daher sind Fußballaktien nur etwas für sehr risikobereite Anleger. Schließlich hängt viel davon ab, dass die Topspieler des Vereins gesund und in Form sind, das Tor treffen und nicht den Pfosten, dass die Schiedsrichter sich keine Fehlentscheidungen leisten. Fußballaktien zählen zur Branche „Sport/Glücksspiel“.

          Für Borussia Dortmund ist das Erreichen der Champions League – und am besten auch das Überstehen der Gruppenphase – auch in diesem Jahr unabdingbar. Die Fernseheinnahmen in der europäischen Königsklasse steigen, die Marke BVB wird international attraktiver, die Spieler gewinnen an Wert und versprechen höhere Transfererlöse. „Das heißt aber nicht, dass Aktionäre eine höhere Dividende erwarten sollten, sondern dass das Geld investiert wird“, sagt Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe.

          Nicht mal halb so viel wert wie der FC Bayern

          Die Analysten, die Borussia Dortmund beobachten, halten an ihren höheren Kurszielen fest. GSC Research sieht den Aktienkurs in zwölf Monaten bei 7,50 Euro, Schlienkamp sogar bei 9,40 Euro. Das liegt zum einen daran, dass der achtmalige deutsche Fußballmeister im laufenden Geschäftsjahr erstmals mehr als eine halbe Milliarde Euro umsetzen wird und wohl rund 50 Millionen Euro Gewinn macht. Grund sind vor allem die Transfererlöse für den Stürmer Ousmane Dembélé, der im Vorjahr für 115 Millionen Euro an den FC Barcelona verkauft wurde.

          In diesem Jahr ist mit höheren Werbeeinnahmen zu rechnen. Auch deshalb, weil Dortmund als erster Bundesligaklub virtuelle Bandenwerbung einsetzt. Das heißt, bei Übertragungen der Spiele ins Ausland kann Werbung eingeblendet werden, die zum jeweiligen Markt passt. Das könnte die Werbeeinnahmen, die im Geschäftsjahr 2016/17 rund 87 Millionen Euro und damit ein Viertel des Umsatzes ausmachten, weiter steigern. „Die Geschäftsstory ist intakt“, sagt Langhorst.

          In der laufenden Transferperiode hat der BVB, dessen Kader laut transfermarkt.de 378 Millionen Euro wert ist und damit nicht mal halb so viel wie der FC Bayern, bisher 25 Millionen Euro mehr ausgegeben als eingenommen. Man hat das Mittelfeld gestärkt, vor allem durch die Verpflichtung von Alex Witsel, der mit 20 Millionen Euro recht günstig zu haben war. Von dem Abstieg des BVB in der Börsenliga bekommt der belgische Kicker sicher nichts mit.

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