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Masseunzulänglichkeit : Air-Berlin-Gläubiger gehen wohl leer aus

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Der letzte Flug der Air Berlin wird in Tegel am Abend des 27. Oktober 2017 mit Wasserfontänen empfangen. Bild: Reuters

Das Vermögen der insolventen Air Berlin wird wohl nicht ausreichen, um viel mehr als das Insolvenzverfahren zu bezahlen. Der Bund hofft dennoch auf Rückzahlung seines Kredits. Die Anleihegläubiger brauchen das nicht zu tun.

          Nur kurze Zeit nach dem Verkauf aller Vermögenswerte hat der Sachwalter der insolventen Fluggesellschaft, Lucas Flöther, mitgeteilt, dass eine sogenannte Masseunzulänglichkeit drohe.

          Das bedeutet, dass die vorhandenen Vermögenswerte voraussichtlich nicht ausreichen werden, um die über die Kosten des Insolvenzverfahrens hinausgehenden Verbindlichkeiten im Zeitpunkt der Fälligkeit zu erfüllen.

          Dazu zählen unter anderem alle finanziellen Verpflichtungen, die Air Berlin nach dem Insolvenzantrag Mitte August eingegangen ist, wie der Überbrückungskredit des Bundes im Umfang von 150 Millionen Euro.

          Bund hofft auf Schuldentilgung

          Das Bundeswirtschaftsministerium und Air Berlin zeigten sich am Abend aber zuversichtlich, dass die Summe letztlich voll an den Staat zurückfließen werde. „Wir gehen weiter davon aus, dass der Kredit zurückgezahlt werden kann“, sagte eine Ministeriumssprecherin. Ein Sprecher der bisher zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft sagte: „Wir sind zuversichtlich, das zurückzahlen zu können.“ Mit dem Geld vom Staat sollte der Flugbetrieb von Air Berlin gesichert werden, bis die Übernahme durch Lufthansa und Easyjet in trockenen Tüchern war.

          Üblicherweise bedeutet die Anzeige der drohenden Masseunzulänglichkeit, dass die Gläubiger weitgehend leer ausgehen. Angesichts der immensen Überschuldung der Gesellschaft wäre das auch keine Überraschung. Zum 30. Juni diesen Jahres überstiegen die Schulden die Vermögenswerte der Gesellschaft um 140 Prozent. Die Buchwerte des mutmaßlich werthaltigen Vermögens machten nur rund 30 Prozent der Schulden aus.

          Dabei sind die Chancen der Bundesregierung vergleichsweise gut. Denn ein nach dem Insolvenzantrag ausgereichtes Darlehen zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes, ein sogenannter Massekredit, genießt gemäß Insolvenzordnung Vorrang vor allen anderen Forderungen. Ansonsten würden solche Kredite wohl auch nie gewährt. Wenn jedoch Masseunzulänglichkeit angezeigt wird, so bedeutet dies üblicherweise, dass die Masse eben genau dafür nicht ausreicht.

          Name Kurs %

          Mit dem Überbrückungskredit konnten die Maschinen so lange in der Luft gehalten werden, bis für einen großen Teil Kaufverträge mit der Lufthansa und dem britischen Billigflieger Easyjet geschlossen waren. Einen Teil des Wartungsgeschäfts übernimmt die Bietergemeinschaft Zeitfracht/Nayak. Damit haben gut 4300 der rund 8000 Beschäftigten gute Aussichten auf einen neuen Arbeitsplatz. Etwa 1750 Beschäftigte des Bodenpersonals und der Technik können in Transfergesellschaften nach neuen Arbeitgebern suchen. Hunderte verließen Air Berlin bereits in den vergangenen Monaten. Ein kleines Team wird die Insolvenz abwickeln, was mehrere Jahre dauern kann.

          Sachwalter Flöther bleibt als Aufpasser über die Geschäftsführung von Air Berlin im Amt. Der Gläubigerausschuss, der über die Verträge mit Lufthansa und EasyJet zu entscheiden hatte, bleibt bis zur ersten Gläubigerversammlung am 24. Januar ebenfalls im Amt.

          Dann wird sich auch entscheiden, ob die Anleihegläubiger eine geringfügige Zahlung auf ihre Forderungen erhalten werden. Damit zu rechen ist allerdings nicht. Die Anleihenkurse sackten am Mittwoch von ihrem geringfügigen Niveau bei 2 Prozent der Nominale weiter ab.

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