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Agrar-Investments : Deutschland ist zu teuer

Rumäniens Landwirtschaft hat Bedarf an Investitionen. Bild: Reuters

Einst ein Flugzeugbauer, heute eine Investmentgesellschaft: Aus Dornier ist die Do Investments hervorgegangen. Spezialisiert ist sie auf Agrar-Anlagen - aber nicht mehr in Deutschland.

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          Claude Dornier gehört zu den deutschen Flugpionieren. Weltberühmt wurde in den zwanziger Jahren etwa das Wasserflugzeug „Wal“. Das Flugzeugbau-Unternehmen wurde später von den Erben jedoch verkauft und ist mittlerweile in anderen Konzernen aufgegangen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Familienzweig Silvius Dornier gründete 2005 ein Family-Office zur Verwaltung des Vermögens. In bester konservativer Manier spezialisierte man sich damals auf Geldanlagen in der Landwirtschaft. Vor sieben Jahren beschloss man, sich für Anleger von außen zu öffnen, und es entstand der Dienstleister Do Investment.

          „Wir wollten eine saubere Trennung von Family-Office und Finanzdienstleister“, sagt Dirk Rüttgers, Vorstand der Do Investment. „Die Do Investment verwaltet das Vermögen des Family Office nach denselben Grundsätzen wie das dritter Investoren.“

          Der Weg in die Agrar-Investments nahm seinen Anfang mit einer Öko-Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern. „Der Gutsleiter unterstützt uns bei unseren Agrarinvestitionen heute noch“, sagt Rüttgers. Dabei hat man Deutschland schon lange den Rücken gekehrt. „Die Preise sind hierzulande wie auch in Kerneuropa exorbitant gestiegen. Wo sie damals für einen Hektar noch 8000 Euro bezahlt haben, sind es heute 50.000.“

          Weg in die Agrar-Investments

          Deswegen hat man sich schon vor einiger Zeit Rumänien zugewendet. Mit aller gebotenen Vorsicht und Abwägung, versteht sich. „Wir prüfen die Bedingungen vorab stets intensiv, um Risiken auszuschließen. Natürlich ist das Problem der Korruption ungelöst. Aber das Land bietet gut ausgebildete Arbeitskräfte und ist investorenfreundlich.“ Und mit 5000 bis 7000 Euro für den Hektar ist Land noch immer vergleichsweise billig. Auch etwa hinsichtlich des Grundbuchs habe Deutschland wenig Vorteile.

          Der Dornier „Wal“  - das berühmteste Produkt, als die Familie Dornier noch Flugzeuge baute.

          Es sind ähnliche Gründe, die Do unlängst dazu gebracht haben, auch in Uruguay zu investieren. Fünf Jahre lang habe man vor Ort geprüft. Die Rechtslage in Brasilien, Argentinien oder Chile sei für ausländische Investoren vergleichsweise ungünstiger. Auch sonst habe das Land Vorteile, etwa eine stabilere Währung, auch wenn dies andererseits zu einer stärkeren Exportkonkurrenz geführt habe.

          Aber die Marktlage für Agrarflächen sei in Uruguay günstig, es sei zurzeit ein Käufermarkt. „Die Landpreise sind von rund 12.000 auf 5000 bis 8000 Dollar je Hektar zurückgegangen. Das liegt daran, dass argentinische Landbesitzer, die ihr Geld einst in Uruguay in Sicherheit bringen wollten, jetzt nach Argentinien zurückkehren. Dort ist der Boden billiger und besser. Für uns als Ausländer ist es dort rechtlich nicht so einfach, Fuß zu fassen.“

          7 bis 9 Prozent Rendite

          Do bewirtschaftet das Land nicht selbst, sondern arbeitet mit ausgesuchten lokalen Pächtern. Lokale Expertise sei sehr wichtig, sagt Rüttgers. Bodenuntersuchungen in Rumänien etwa macht ein dortiger Geologieprofessor, die Proben werden in einem Labor in Niedersachsen ausgewertet. Und dem Fliegen ist man irgendwie auch verbunden geblieben: So wird etwa die Einhaltung der vereinbarten Fruchtfolgen via Satellit überwacht.

          Die Do-Agrarfonds streben eine Gesamtrendite von 7 bis 9 Prozent bei einer Ausschüttung von 2 Prozent je Jahr an. Rund 3 Prozent bringt die Pacht ein, der Rest muss aus dem Wertzuwachs der Flächen kommen und durch sparsames Management. „Wir sehen zu, dass wir die Fondskosten niedrig halten. Die Gesamtkostenquote schwankt je nach Anteilsklasse um 1 Prozent.“

          Auch Uruguays Landwirtschaft ist für Investoren attraktiv.

          Wer mit Do in Agraraland investieren will, muss allerdings schon etwas mehr Geld mitbringen. Nicht nur, dass die Mindestanlagesumme bei 200.000 Euro oder 250.000 Dollar liegt – das Geld kann auch innerhalb der ersten zehn Jahre nicht abgezogen werden. „Aus diesem Grund haben wir auch keine privaten, sondern nur professionelle oder semi-professionelle Anleger.“

          Das seien in der Regel 20 bis 25 Investoren, meist Stiftungen oder andere Family-Offices, oft mit einem Hintergrund in der Landwirtschaft. Die sind dann auch oft bei Besuchen mit dabei. Aber Rüttgers hofft auch auf neue Kunden: „Unser Investment, etwa im Agrarbereich, ist deckungsstockfähig und deswegen auch für Versicherungen interessant. Allerdings gibt es da viele Hürden, denn Agrar-Investitionen sind für die Branche neu.“ Zudem hofft der Vorstand darauf, dass das Betriebsrentenstärkungsgesetz die Nachfrage etwa durch Versorgungswerke beflügelt.

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