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Neuer Hit an der Börse Korea : Die Agentur der Popgruppe BTS legt ein Börsendebüt wie Dynamit hin

Der Auftritt von BTS bei den amerikanischen Music Awards in Los Angeles im November 2017. Bild: AP

Die Aktie der südkoreanischen Musikagentur Big Hit Entertainment klettert am ersten Handelstag auf das Doppelte des Ausgabepreises. Doch die Abhängigkeit der Agentur von der Boygroup BTS birgt Risiken.

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          Der globale Erfolg der koreanischen Popgruppe BTS hat der Musikagentur Bit Hit Entertainment einen glanzvollen Einstand an der Börse in Seoul verschafft. Die Aktie wurde zum Börsendebüt mit 270.000 Won (200 Euro) bewertet, das Doppelte des Ausgabepreises von 135.000 Won, und erreichte bis zu 351.000 Won. Im Handelsverlauf aber gab es Mitnahmeeffekte und vielleicht dämmerte manchen Anleger, dass der Erfolg von Big Hit derzeit nur auf einer einzigen Musikgruppe beruht. Am Handelsschluss lag der Kurs mit 258000 Won unter der Einstandskurs.

          Hoher Umsatz am ersten Handelstag

          Das Interesse an der Aktie war groß. Nach Angaben der Börse in Seoul wechselten mehr als Hälfte der 10 Millionen handelbaren Anteile am Donnerstag morgen den Besitzer. Der Marktwert der Musikagentur stieg zeitweise auf 11 Billionen Won (8 Milliarden Euro). Big Hit war damit mehr wert als die anderen drei großen koreanischen Popmusikagenturen zusammen.

          Der von institutionellen und privaten Anlegern drastisch überzeichnete Börsengang folgte dem steilen Aufstieg der Boygroup, die gerade mit „Savage Love“ zum zweiten Mal seit August den ersten Platz in den amerikanischen Billboard-Charts erlangte. Das erste Mal gelang es BTS mit dem englischen Lied „Dynamite“. Zuvor hatte es noch keine südkoreanische Gruppe auf den ersten Platz in der amerikanischen Rangliste geschafft.

          Privatanleger besonders aktiv

          Der Agentur Big Hit Entertainment kam bei dem Börsengang aber auch zugute, dass Privatanleger in diesem Covid-Jahr an der Börse in Südkorea besonders aktiv sind. Als Grund dafür wird vermutet, dass Südkoreaner aus Angst vor dem Virus mehr Zeit zu Hause verbringen. Auch die großen Börsengänge von Kakao Games und SK Biopharmaceuticals in diesem Jahr waren deutlich überzeichnet.

          Der größte Börsengang in Seoul seit 2017 brachte der Musikagentur 963 Milliarden Won (716 Millionen Euro) ein. Das Vermögen des 48 Jahre alten Gründers von Big Hit, Bang Si-hyuk, der 43 Prozent des Unternehmens hält, wurde am Ausgabetag auf mehr als 3 Milliarden Euro geschätzt. Die Mitglieder der Gruppe, denen Bang im August je 68385 Anteile an dem Unternehmen geschenkt hatte, wurden zu Millionären mit einem Wert von je rund 14 Millionen Euro. Bang hatte die Gruppe 2013 zusammengestellt und über Jahre aufgebaut. In Interviews führt er den Erfolg der Gruppe eher auf Zufall als auf seine langfristige Strategie zurück. Die Musik von BTS treffe den Zeitgeist der Jugendlichen, sagt er dann etwa.

          Online-Auftritte finden Fans

          Unternehmerisch aber hat Bang einiges richtig gemacht. Wegen der Coronakrise musste die Agentur in diesem Jahr Live-Konzerte absagen, erreichte mit Online-Auftritten aber dennoch die große Fangemeinde der sieben Musiker. Auch das Online-Geschäft mit Fanartikel, das Big Hit auf eien eigenen Internet-Plattform kontrolliert, wird durch Corona nicht getroffen. Die Agentur verdient auch Geld damit, den Namen BTS zu vermarkten. Samsung Electronics, Hyundai Motor und die Sportmodemarke Fila werben mit der Gruppe. BTS ist für die Musikagentur der größte Erfolg und das größte Risiko zugleich. Im ersten Halbjahr erwirtschaftete die Big Hit 88 Prozent des Umsatzes mit der Boygroup.

          Doch als großes Risiko schwebt über den singenden und tanzenden jungen Männern der in Südkorea obligatorische und strikt durchgesetzte Wehrdienst von zwei Jahren. Der älteste der Sänger, Kim Seok-jin, ist 27 Jahre alt und muss spätestens bis Ende 2021 den Militärdienst antreten. In den folgenden fünf Jahren sind dann die anderen sechs Mitglieder der Gruppe fällig. Womöglich kommt ihnen und Big Hit Entertainment ein Gesetzentwurf zur Hilfe, der derzeit im Parlament diskutiert wird. Danach dürften herausragende Künstler, die sich besonders um die koreanische Kultur verdient gemacht haben, den Beginn des Militärdiensts bis zum 30. Lebensjahr hinausschieben. Der Musikagentur und BTS würde diese Regelung erleichtern, in den kommenden Jahren von dem Erfolg zu profitieren.

          BTS sorgt für Eklat in China

          Die Musikgruppe sorgt derzeit für Unruhe im koreanisch-chinesischen Verhältnis, nachdem eine eher unschuldige Bemerkung des Spitzenmanns Kim Nam-joon, der als „RM“ bekannt ist, in China auf Unwillen stieß. Kim hatte im Rahmen einer Preisvergabe mit Blick auf den Korea-Krieg erklärt, dass Südkorea die Vereinigten Staaten eine „Geschichte des Leidens“ teilen und an die Opfer ungezählter Männer und Frauen erinnert. Das kam in China, das im Koreakrieg auf der Seite des Nordens kämpfte, nicht gut an. In chinesischen Internetdiensten wurde daraufhin viel Kritik an der koreanischen Boygroup laut. Auf chinesischen Internet-Verkaufsplattform und in sozialen Netzwerken wie Weibo verschwanden daraufhin Nachrichten von Samsung, Fila und Hyundai mit Bezug auf BTS. In den vergangenen Jahren haben schon andere südkoreanische Unternehmen die chinesische Propagandamacht kennengelernt. Autos von Hyundai Motor wurden kaum noch gekauft und der Einzelhandelskonzern Lotte schloss zahlreiche Supermärkte in China, weil diese boykottiert wurden.

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