https://www.faz.net/-gv6-9ly98

Börsenstart von Jumia : „Afrikas Amazon“ begeistert Anleger in New York

Die Chefs von Jumia feiern den Börsengang ihres Unternehmens an der Wall Street im April 2019. Bild: AP

Jumia will der größte Online-Händler in Afrika werden. Der Börsenstart an der Wall Street ist geglückt. Das Unternehmen hat aber seinen Sitz in Berlin und Rocket Internet ist mit von der Partie.

          Es ist ein fulminantes Börsendebüt für das erste Tech-Start-up-Unternehmen aus Afrika in New York gewesen. Der Kurs der Aktie des Online-Händlers Jumia stieg am ersten Handelstag am Freitag um mehr als 75 Prozent in die Höhe. Das Unternehmen hatte den Börsenplatz in New York gewählt, um IT-Investoren anzuziehen, für die Afrika bisher ein weißer Fleck auf der Landkarte war. Mit einem Marktwert von 1,94 Milliarden Dollar ist Jumia gleichzeitig auch das erste Einhorn aus Afrika, so werden Start-up-Unternehmen mit einem Wert von mehr als einer Milliarde Dollar genannt.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Zum Börsenstart waren Mitarbeiter aus 14 afrikanischen Ländern nach New York gereist. Die Chefin von Jumia Nigeria, Juliet Anammah, läutete die berühmte Glocke zur Handelseröffnung. „All diese Leute haben es möglich gemacht und sind extrem stolz“, sagte Sacha Poignonnec, einer der zwei Vorstandschefs, in einem Telefongespräch der F.A.Z. Es sei ein Meilenstein für Jumia, dessen Name aus einem afrikanischen Dialekt übersetzt „davonfliegen“ bedeute.

          „Sehr gesundes Geschäftsmodell“

          Die Geschäftsidee hatten Poignonnec und sein Kollege Jeremy Hodara, als sie noch für die Strategieberatung McKinsey tätig waren. „Damals war der Online-Handel in China, Europa und in den Vereinigten Staaten schon etabliert, aber es gab keinen großen Anbieter in Afrika“, sagte Poignonnec. Als die heute 38 Jahre alten Berater den deutschen Internet-Unternehmer Oliver Samwer trafen, hätten sie ihn ebenfalls von der Idee begeistert. Samwers Risikokapitalgeber Rocket Internet war zu der Zeit dabei, Online-Händler in Asien und Südamerika aufzubauen, und stellte auch für Jumia das Startkapital bereit.

          Vor sieben Jahren startete Jumia zunächst in vier Ländern, in Marokko, Ägypten, Südafrika und Nigeria. Heute ist das Unternehmen in 14 afrikanischen Ländern aktiv. Rocket Internet ist weiter mit von der Partie, größter Anteilseigner ist mit einem Anteil von 30 Prozent der südafrikanische MTN-Konzern, der führende Mobilfunker in Afrika. Jüngst stiegen auch Mastercard und der französische Getränkekonzern Pernod Ricard ein. Jumia wirbt mit dem Spruch „100 Prozent Africa, 100 Prozent Internet“.

          Jumia Technologies AG

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Doch das Unternehmen hat seinen Rechtssitz in Berlin, die Gründer und Vorstandschefs sind Franzosen. Dies hat in den sozialen Medien zu einer regen Diskussion geführt, ob Jumia tatsächlich ein afrikanisches Unternehmen sei. Verwirrung entstand auch, als in Medien weitere Gründer und Mitgründer des „Amazon von Afrika“ auftauchten, und zwar aus afrikanischen Ländern. Nach Angaben eines Sprechers waren sie am Aufbau des Geschäfts in einzelnen Ländern oder bestimmter Funktionen beteiligt wie etwa die mit dem Aenne-Burda-Preis ausgezeichnete Fatoumata Bâ. Das panafrikanische Unternehmen jedoch hat nur zwei Gründer, Hodara und Poignonnec. „Viele Menschen wollen nun einmal Gründer von Jumia sein“, sagte Letzterer.

          Der Erlös aus dem Börsengang soll nun genutzt werden, um das operative Geschäft in Afrika auszubauen. „Wir haben ein sehr gesundes Geschäftsmodell, das wir weiter umsetzen.“ Einen Termin, wann Gewinn erzielt werden soll, wollte Poignonnec nicht nennen. Im vergangenen Jahr betrug der Verlust 170 Millionen Euro bei einem Umsatz von 130 Millionen Euro.

          Vergleichbar mit Europa vor 20 Jahren

          An Unternehmensübernahmen oder Zusammenschlüsse werde derzeit nicht gedacht. Statt auf Wachstum um jeden Preis konzentriere man sich darauf, „Mehrwert für Konsumenten zu schaffen“. Jumia ist nicht der einzige Online-Händler in Afrika. In Südafrika besteht starke Konkurrenz durch den dortigen Marktführer Takealot des Medienkonzerns Naspers. In Kenia startete der Mobilfunkkonzern Safaricom 2017 die Handelsplattform Masoko. Auch Alibaba aus China hat ehrgeizige Pläne.

          Der afrikanische Markt biete enormes Potential für den Online-Handel, resümierte der Jumia-Gründer. Der Kontinent sei vergleichbar mit Europa oder den Vereinigten Staaten vor 20 Jahren, als die Menschen dort noch zögerten, ihre Kreditkartennummer online einzugeben. „Unsere Mission besteht darin, so viele Verkäufer und Käufer in Afrika auf effiziente Weise zusammenzubringen und an das Einkaufen im Internet zu gewöhnen.“ Jumia hatte in New York 13,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 14,50 Dollar angeboten und damit einen Erlös von 196 Millionen Dollar verbucht. Zum Kurs von 18,95 Dollar ging die Aktie in den Handel, zum Handelsschluss kostete sie 25,46 Dollar.

          Weitere Themen

          Hugo Boss muss sich neu ausrichten

          Modekonzern : Hugo Boss muss sich neu ausrichten

          Der Modekonzern kann nicht vor dem Internet flüchten und muss sich daher neu ausrichten. Doch bisher verlief das Jahr für Hugo Boss noch nicht sonderlich erfolgreich. Die Analysten bleiben aber positiv.

          Das Leid der Fürsten

          Traditionsbank unter Druck : Das Leid der Fürsten

          Hilft striktes Kostenmanagement tatsächlich, schwierige Zeiten zu überstehen ? Der traditionsreichen Fürstlich Castell’schen Bank macht die Niedrigzinsphase besonders zu schaffen.

          Topmeldungen

          Der russische Präsident Wladimir Putin und Viktor Orban, Ministerpräsident von Ungarn, geben sich während einer gemeinsamen Pressekonferenz in Moskau die Hand.

          Nach Ibiza-Video : Orbán und Putin wenden sich von Strache ab

          In seinem Ibiza-Video hat Heinz-Christian Strache den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán als sein Vorbild bezeichnet. Doch der hat sich nun von Österreichs ehemaligem Vizekanzler distanziert. Auch Putin wendet sich von Strache ab.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.