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Devisenmarkt : Das Pfund wird zusehends leichter

Ganz schön zerknittert: das britische Pfund Bild: dpa

Verzweifelt versucht die britische Premierministerin May ihren Brexit-Deal durchs Parlament zu bekommen. Das Trauerspiel schlägt sich im Pfund-Kurs nieder. Und irgendwie bleibt nur Sarkasmus.

          Ein englisches Pfund hat 453,59237 Gramm. Das ist fix. Weniger fix ist das Gewicht des englischen Pfunds, wenn es um die Währung geht. Da war es schon einmal wesentlich schwerer, etwa Ende Februar, als es noch mit 1,3258 Dollar aufgewogen wurde.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Mittwoch wiegt es nur noch 1,2639 Dollar und damit so wenig wie zuletzt zu Jahresbeginn. Gut, es war auch schon leichter, etwa vor gut zwei Jahren, als dafür nur 1,2038 Dollar bezahlt wurden. Aber die Zeiten wie etwa Anfang 2009, als ein Kurs von 1,3613 ein historisches Tief darstellte (und es war ein 24-Jahres-Tief!) sind lange vorbei, und zwar seit dem – richtig – dem Brexit.

          Seit diesem Beschluss war das Pfund aber auch schon mal mehr wert, so im April 2018 mit 1,434 Dollar. da wollte man ja auch glauben, die Briten hätten so viel nüchternen Sachverstand, dass sie sich mit dem Austritt aus der EU wenigsten nur in den Fuß schießen würden und nicht gleich selbigen ganz weg.

          Pfund je Dollar

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          Mittlerweile will das Pfund am Devisenmarkt niemand mehr haben. Obwohl: Am Dienstag keimte ja kurz Hoffnung auf, es gebe noch so etwas wie Vernunft in der britischen Politik, als Premierministerin Theresa May ein zweites Referendum in Aussicht stellte. Der Pfund-Kurs zog an und erreichte in der Spitze 1,2784 Dollar – so viel wie seit fünf Tagen nicht mehr.

          Aber der Höhenflug währte nur kurz, genau gesagt von 11 Uhr am Dienstag bis 1 Uhr am Mittwoch, also ganze 14 Stunden. Denn nicht nur, dass die Premierministerin voraussetzte, dass das Unterhaus ihr mehrfach gescheitertes Austrittsabkommen endlich akzeptiere – was die Labour Party sofort ablehnte. Vor allem fehlten May schlicht die Stimmen, um ein zweites Referendum verabschieden zu lassen, meint Neil Wilson, leitender Marktanalyst von Markets.com.

          Die Charttechnik signalisiere eine Gegenbewegung, aber das werde wohl nur eine Verschnaufpause angesichts des völligen Fehlens jedweder Sicherheit an der politischen Front. May müsse endlich einsehen, dass sie ihr Abkommen niemals durch das Parlament bekommen werde, meint Wilson. Ihr neuester Plan sei noch nicht einmal über die erste Hürde gekommen.

          Mittlerweile verdichten sich die Gerüchte, dass May die längste Zeit Premierministerin gewesen sein könnte. Das dürfte die Unsicherheit rund um das Pfund noch weiter erhöhen.

          Immerhin können sich Nationalisten trösten, die in einem schwergewichtigen Pfund ein Zeichen nationaler Stärke erblicken: Das 48-Jahres-Tief vom Februar 1985 ist mit 1,052 Dollar dann doch noch in weitere Ferne. Obwohl man zugeben muss, dass der Ausflug unter die Marke von 1,20 Dollar seinerzeit nicht allzu lange währte, nämlich gerade einmal dreieinhalb Monate.

          Auch unter 1,30 Dollar handelte das Pfund eher selten: 9 Monate zwischen September 1984 und Mai 1985 – und eben insgesamt sieben Monate seit dem Brexit. Vielleicht kehrt ja nach demselben Vernunft ein in die britische Politik, vorausgesetzt der Scheidungskrieg währt nicht ewig.

          Betrachtet man sich den Pfund-Kurs der vergangenen 48 Jahre, so kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Abstieg des Empires Ende der Achtziger Jahre vorübergehend gestoppt wurde und sich seit Finanzkrise und Brexit wieder fortsetzt.

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